1. Startseite
  2. Über uns

FR80-Panel: Wofür brauchen wir die Wehrpflicht?

Politikwissenschaftler Niklas Schörnig und Blogger Fabian Lehr diskutieren kontrovers über einen Wehrdienst in Deutschland.

Es war in der Tat eine „muntere Runde“, wie FR-Chefredakteur Michael Bayer den Schlagabtausch zwischen Politikwissenschaftler Niklas Schörnig und dem Blogger Fabian Lehr im Anschluss nannte. Im proppenvollen Großen Saal stritten beide über die Ausgangsfrage „Wofür brauchen wir die Wehrpflicht?“.

Als Schlichter fungierte FR-Redakteur Andreas Schwarzkopf. Kein ganz leichter Job, denn die beiden Podiumsgäste standen sich unvereinbar gegenüber. Schörnig zufolge braucht Deutschland einen Wehrdienst, weil Russland derzeit „nicht kalkulierbar“ sei. Lehr hingegen sieht die Einrichtung des Dienstes als Teil eines massiven Aufrüstungsprogramms der Bundesrepublik, wobei die aktuelle Aufrüstung nicht der Selbstverteidigung diene, sondern um „selbstständig einen Interventionskrieg führen zu können“.

Da ließ Lehr auch nicht den Einwand von Moderator Schwarzkopf zu, die Mehrheit der Bevölkerung sei derzeit ja für die Einführung eines Wehrdienstes. Dies sei nur der Fall, weil die Bevölkerung „durch massierte Propaganda“ davon ausginge, die Wehrpflicht diene der Landesverteidigung.

Keine Mittel gegen Drohnen

Schörnig, der ansonsten beim Leibniz-Institut Friedens- und Konfliktforschung wirkt, versuchte noch einmal darauf hinzuweisen, dass es eine Bedrohungslage durch Russland gebe und die demokratischen Verbündeten Finnland, Schweden und die baltischen Staaten Unterstützung brauchten, da es nicht sicher sei, ob die USA noch abschreckend wirke. Im Übrigen sei Deutschland in der Luftverteidigung „blank. Gegen Drohnen kann Deutschland nicht mal sich selbst verteidigen“, so Schörnig.

Moderator wird einmal energisch

Den stärksten Beifall allerdings heimste Lehr ein, als er kundtat, dass Aufrüstung nicht überall als Beitrag zum Frieden gesehen werde. „Die Mehrheit der Weltbevölkerung fürchtet sich vor einem hochgerüsteten Westeuropa.“ Die Redebeiträge Lehrs gerieten mitunter allerdings etwas lang, weshalb im Publikum einmal auch vernehmlich gemurrt wurde. Moderator Schwarzkopf ließ ihn meist großzügig gewähren. Nur einmal wurde er energisch. Dass Deutschland im Kosovo und in Afghanistan Angriffskriege geführt habe, „ist schlicht falsch“.

Haben sehr unterschiedliche Meinungen zum Sinn oder Unsinn einer Wehrpflicht in Deutschland: Fabian Lehr (rechts) und Niklas Schörnig.
Haben sehr unterschiedliche Meinungen zum Wehrdienst: Fabian Lehr (rechts) und Niklas Schörnig. © Rolf Oeser

In der abschließenden Fragerunde monierte ein junger Mann, dass die eigentliche Ausgangsfrage zum Wehrdienst ihm in der Diskussion auf dem Podium ein bisschen zu kurz gekommen sei. Und eine junge Frau wollte wissen, inwieweit denn Sanktionen überhaupt ein taugliches Mittel gegen Kriegstreiberei seien. Selbstverständlich vertraten die beiden Podiumsgäste auch hier ganz konträre Ansichten, was nun aber niemanden im Großen Saal mehr überraschte.

80 Jahre Frankfurter Rundschau

Am 1. August 1945 erschein die erste Ausgabe unserer Zeitung. Unser Onlinedossier blickt zurück auf die Geschichte, beschreibt die aktuelle Lage der Zeitung. Und berichtet natürlich über die Geburtstagfeiern.

Der Demokratiekongress

Happy Birthday, alte Dame – die FR feiert mit dem Fest der Demokratie. Ein Überblicksartikel.

Die Diskussionen zum Nachschauen: Sehen Sie hier 16 Panels mit Fachleuten aus Wissenschaft, Publizistik und Politik.

Die Sofatalks mit prominenten Gästen zum Nachhören.

Details zu ausgewählten Panels und Workshops:
- Warum ist Linkssein wieder sexy? (Mit Bodo Ramelow und Stella Merendino)
- Was tun gegen die Klimakrise? (Mit Claudia Kemfert und Thomas Hickler)
- Kann Musik doch die Welt retten? (Mit Bernd Loebe und Günter Frankenberg)
- Konter gegen rechte Parolen. Ein Workshop hilft im Alltag zu argumentieren, wenn man Stereotypen und Rassismus begegnet.

Der Empfang im Römer

Die FR feiert im Römer - ohne Pomp und Lobhudelei. Ein Überblicksartikel.

Das „Who is Who“ beim Empfang für die FR im Römer. Eine Fotostrecke.

Die vier Folgen unserer Historie:

Teil 1: Holpriger Start im August 1945 - die erste Frankfurter Rundschau entstand in den Trümmern des Frankfurter Zeitungsviertels. Zunächst zweimal die Woche. Und in einer streitenden Redaktion.

Teil 2: Pflichtlektüre für die 68er - Nähe und Distanz prägen das Verhältnis der FR-Redaktion zur außerparlamentarischen Opposition.

Teil 3: Eine Zeitung in Not - die FR wird mehrfach spektakulär gerettet.

Teil 4: Die Ippen-Jahre seit 2018 - Eigenständigkeit wird großgeschrieben, auch in Zeiten zahlreicher Kooperationen.

Weitere Inhalte:

Die FR und ihr Grundgesetz: Die Leitlinien aus der Ära von Karl Gerold lesen sich wie geschrieben für die Gegenwart. Die Frankfurter Rundschau ist nicht neutral – sondern antifaschistisch, linksliberal und zuweilen zornig. Ein Essay von Karin Dalka und Michael Bayer.

Im August 1945 war mehr los, als in die Zeitung passte. Ein Blick in die Erstausgabe der Frankfurter Rundschau von Richard Meng.

Zudem: 80 aufregende Jahre - die wichtigsten Stationen der Frankfurter Rundschau in unserer prägnanten Chronik.