Tijan Alganatay (20): „Die FR hilft einzuordnen“
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Auch junge Leute lesen die gedruckte Frankfurter Rundschau. Tijan Alganatay aus Friedrichsdorf erzählt warum.
Tijan Alganatay ist einer der jüngsten, die die FR bestellt haben. Die Zeitung hält der 20-jährige Student nicht nur für das Foto bei seinem Besuch der FR-Redaktion, die ihren Sitz mittlerweile unweit des Frankfurter Südbahnhofs hat, in den Händen, sondern auch, wenn er sie täglich liest.
Wie kam es dazu, dass Sie sich vor wenigen Monaten entschieden haben, ein Zeitungs-Abo abzuschließen und die FR in der gedruckten Ausgabe zu lesen, Herr Alganatay? Das ist doch eher außergewöhnlich für Gen Z, die so digital aufgewachsen ist, oder?
Genau das ist auch der Grund. Den ganzen Tag nutze ich digitale Geräte: Ich sitze am Laptop, bin am iPad oder am Handy. Selbst an der Uni nutzen wir keine Papierblöcke. Und so habe ich mir überlegt: Etwas physisch in der Hand zu halten, wäre eine schöne Abwechslung. Für mich hat Zeitunglesen etwas Entspanntes und ist weniger hektisch, als Online-Nachrichten zu verfolgen. Es bedeutet für mich ein Zurück in die Papierwelt.
Und warum haben Sie sich für die Frankfurter Rundschau entschieden?
Ich finde, die FR ist einfach kompakt, gut strukturiert und angenehm zu lesen. Ich bekomme durch die Flashs auf der Titelseite zunächst einen guten Überblick über die Themen im Blatt und entscheide dann, was ich besonders interessant finde und lesen will. Die Artikel sind informativ, und man braucht eben nicht so viel Zeit wie bei den oft längeren Artikeln von anderen Zeitungen, um sie zu lesen.
Was interessiert Sie besonders?
Da ich Wirtschaftsingenieurwesen studiere, lese ich natürlich immer besonders interessiert den Wirtschaftsteil. Zudem verfolge ich auch intensiv den Sportteil, weil ich mich besonders für Fußball, aber eben auch für andere Profi-Sportarten interessiere. Ich erfahre zudem in der Zeitung nicht nur, was weltweit geschieht, sondern ich bekomme auch lokale Nachrichten mit. Es ist mir sehr wichtig zu erfahren, was in Friedrichsdorf, wo ich wohne, passiert. Alles in allem finde ich die Frankfurter Rundschau einfach eine gelungene Zeitung.
Zur Person
Tijan Alganatay lebt in Friedrichsdorf. Der 20-Jährige studiert im zweiten Semester Wirtschaftsingenieurwesen an der TU Darmstadt.
Wann lesen Sie die Zeitung, gleich morgens beim Frühstück?
Nein, immer später. Aber ich habe keine feste Zeit, sondern je nach dem, wann es in meinen Tagesablauf am besten reinpasst: entweder mittags, nachdem ich beim Sport war, oder auch mal am Nachmittag oder oft abends nach dem Lernen. Es ist aber nicht so, dass ich rausgehe, mich auf eine Bank setze und die Zeitung lese. Ich lese sie immer zu Hause.
Würden Sie sich wünschen, bei der aktuell sehr angespannten Weltlage mit Kriegen und Krisen mehr leichtere Themen zu lesen?
Klar ist es gut, auch mal andere, positivere Themen zu bringen. Aber ich finde, es ist sehr wichtig, die Weltnachrichten mitzubekommen, auch wenn sie eben so negativ sind. Gerade auf Tiktok werde ich von so vielen Nachrichten überflutet, deswegen ist die Einordnung und Berichterstattung von seriösen Medien von großer Bedeutung.
Wie wichtig ist also Journalismus in Zeiten von Social Media und KI?
Sehr wichtig, denn es ist so schwer auseinanderzuhalten, welche Nachrichten auf Tiktok sind wahr und welche falsch. Man kann Videos mittlerweile so gut bearbeiten. Da sieht es beispielsweise so aus, als hätte Bundeskanzler Merz etwas gesagt, was er aber nie gesagt hat. Das Video hat dann aber fünf Millionen Aufrufe, und wahrscheinlich zwei Millionen Menschen denken, das ist wirklich so passiert. Sie verlassen sich einfach zu sehr auf Social Media. Deswegen ist es umso wichtiger, Medien wie die „Tagesschau“ oder die FR zu verfolgen und zu checken, ob die Nachricht wirklich stimmt.
Die FR wird 80. Was wünschen Sie der Zeitung und der Welt für die nächsten 80 Jahre?
Ich hoffe, dass die Welt sich erst mal erholt, alle mal ein bisschen runterkommen, aber auch, dass die seriöse Berichterstattung weitergeht. Damit die FR eine Zukunft hat, wäre der Ausbau von Social Media unerlässlich. Ich wünsche der FR, dass sie auch in 80 Jahren weiter unabhängige Nachrichten liefert, eine gute Informationsquelle bleibt. Und vor allen Dingen, dass sie weiter von Menschenhand geschrieben wird und der Journalismus nicht durch KI ersetzt wird.
80 Jahre Frankfurter Rundschau
Am 1. August 1945 erschein die erste Ausgabe unserer Zeitung. Unser Onlinedossier FR80 blickt zurück auf die Geschichte, beschreibt die aktuelle Lage der Zeitung – und stellt das Programm unserer politischen Geburtstagsfeier am 20. September vor, zu der Sie herzlich eingeladen sind.
Die vier Folgen unserer Historie:
Teil 1: Holpriger Start im August 1945 - die erste Frankfurter Rundschau entstand in den Trümmern des Frankfurter Zeitungsviertels. Zunächst zweimal die Woche. Und in einer streitenden Redaktion.
Teil 2: Pflichtlektüre für die 68er - Nähe und Distanz prägen das Verhältnis der FR-Redaktion zur außerparlamentarischen Opposition.
Teil 3: Eine Zeitung in Not - die FR wird mehrfach spektakulär gerettet.
Teil 4: Die Ippen-Jahre seit 2018 - Eigenständigkeit wird großgeschrieben, auch in Zeiten zahlreicher Kooperationen.
Weitere Inhalte im Dossier (Auszug):
Die FR und ihr Grundgesetz: Die Leitlinien aus der Ära von Karl Gerold lesen sich wie geschrieben für die Gegenwart. Die Frankfurter Rundschau ist nicht neutral – sondern antifaschistisch, linksliberal und zuweilen zornig. Ein Essay von Karin Dalka und Michael Bayer.
Im August 1945 war mehr los, als in die Zeitung passte. Ein Blick in die Erstausgabe der Frankfurter Rundschau von Richard Meng.
Zudem: 80 aufregende Jahre - die wichtigsten Stationen der Frankfurter Rundschau in unserer prägnanten Chronik.