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Die Reise des FR-Fotoarchivs

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Frankfurt 22.7.25 Treffen im Institut für Stadtgeschichte, Münzgasse 9, um über den Zugang zum alten FR-Fotoarchiv zu sprechen, HIER zeigt Silvia Stenger, die Stahlschränke mit den Prints des FR ArchivsTagessatzcopyright Monika Müller
Das alte Fotoarchiv der Frankfurter Rundschau lagert im Institut für Stadtgeschichte in roten Schränken. © Monika Müller/Monika Müller

Die früheren Bestände der Frankfurter Rundschau lagern im Institut für Stadtgeschichte.

Als die Frankfurter Rundschau aus dem schönen Rundschauhaus mit der runden Ecke an der Großen Eschersheimer Straße ausziehen musste, nach Dribbdebach ins ovale Colosseo im Jahr 2005, mietete die Redaktion symbolträchtig ein Schiff für die Überfahrt. Das Fotoarchiv reiste damals mit Lastwagen in Umzugskartons nach und landete im Keller des Walther-von-Cronberg-Platzes 2.

Als die Frankfurter Rundschau nach einem Eigentümerwechsel erneut umziehen musste, vom Colosseo in den „modernsten Newsroom Europas“ (Uwe Vorkötter), das frühere Straßenbahndepot an der Textorstraße, rollten wieder die Lastwagen. Aber was sollte mit dem Fotoarchiv aus dem Keller passieren?

Fotos in Kisten

Das fragten sich die früheren Lokalredakteur:innen Claus-Jürgen Göpfert und Claudia Michels, die zu früh verstorben ist. Im modernsten Newsroom Europas, in dem die Ressortleitungen aus einem zentralen Kreis heraus auf die zentralistisch angeordneten Reihen der Schreibenden schauten – vielleicht um an den Panoptismus, den Michel Foucault beschrieben hatte, zu erinnern –, da blieb kein Platz fürs Fotoarchiv. Kurzerhand baten Michels und Göpfert die damalige Leiterin des Instituts für Stadtgeschichte (ISG) Frankfurt, Evelyn Brockhoff, um Rat.

Sie kam vorbei, mit Tobias Picard, der bis vor zwei Jahren im ISG das Sachgebiet Topographische Fotos vor 1945 und fotografische Nachlässe leitete. „Teilweise lagerten die Fotos in Kisten, teilweise waren sie in Hängeregistern untergebracht“, erinnert sich Göpfert. „Es müssen mehrere Zehntausend Fotos gewesen sein.“

Etwa 200 000 Fotos waren es sogar, die Picard und das Team zur Sichtung mitnahmen. Mehrere Monate habe die Auswahl gedauert, dann wurden 22 800 Fotos ausgewählt, berichtet Picard. 2011 gingen die ausgewählten Fotos in den Bestand des ISG über.

„Das FR-Fotoarchiv ist einer unserer wichtigsten Bestände, ein Riesengewinn für die Stadtgeschichte“, sagt Picard heute. Mit Presseausweis kämen Bildjournalistinnen und Bildjournalisten dorthin, wo normale Menschen nicht hinkommen würden. Zu Großereignissen, Richtfesten, Spatenstichen, um Gebäude, Menschen, Veranstaltungen festzuhalten. Seit 1. August 1945.

Früher, als Tobias Picard noch zuständig war, konnte die Frankfurter Rundschau im ISG anrufen, um nach historischen Fotos zu fragen.

Picard suchte dann einige Motive heraus. „Alles, was ich in einer Viertelstunde bearbeiten konnte, habe ich als ganz normalen Service betrachtet“, sagt er. Heute läuft das alles ein bisschen anders.

Frankfurt 22.7.25 Treffen im Institut für Stadtgeschichte, Münzgasse 9, um über den Zugang zum alten FR-Fotoarchiv zu sprechen, HIER zeigt Silvia Stenger, die Stahlschränke mit den Prints des FR ArchivsTagessatzcopyright Monika Müller
Die Fotos sind nach Kategorien geordnet. © Monika Müller/Monika Müller

Als die FR bei Archivarin Silvia Stenger im ISG zur Führung angemeldet ist, fragt sie, ob man die entsprechenden Signaturen dabeihabe. Denn ohne Signaturen keine Fotos.

Fünf Fotos insgesamt kann man heutzutage pro Termin in den Lesesaal im ISG ordern. Von 22 800 Fotos aus dem früheren FR-Archiv. Da kann es dauern, bis man das passende Motiv gefunden hat.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Bestände im Archivsystem Arcinsys nur mit Text beschriftet sind. Wer ein Foto in einer bestimmten Kategorie sucht, sagen wir „Verkehr“, findet zum Beispiel den Eintrag „Cafés auf der zur Fußgängerzone umgewandelten Schillerstraße“ von Fotograf Kurt Weiner (26.07.1969). Man weiß dann immer noch nicht, wie das Foto aussieht. Kleine Vorschauansichten, die sogenannten Thumbnails, gibt es aus Rechtegründen nicht. Im Obergeschoss des alten Karmeliterklosters, wo das ISG untergebracht ist, lagert das FR-Archiv in roten Schränken. Mit geschwungener Schrift sind die Kategorien auf den Teilern beschriftet, etwa „Medien: Fernsehen“ oder „Gesellschaft: Soziales“.

„Es gibt eine Klassifikation nach Obergruppen und Untergruppen“, erklärt Picard, der einst mit zwei Kollegen die Einteilung unternahm und sich dabei an Kategorien orientierte, die schon die FR seit 1945 verwendet hatte.

Frankfurt 22.7.25 Treffen im Institut für Stadtgeschichte, Münzgasse 9, um über den Zugang zum alten FR-Fotoarchiv zu sprechen, HIER Dr. Thomas Brüggemann, Bibliothekar, der zufällig (!) gerade der FR Journalistin Judith von Sternburg Mikrofische und Zeitungsbände im Lesesaal vorgelegt hat.Weil die jüngeren Publikationen noch bessere Qualität haben, kann man die Originale einsehen - hier im Hintergrund, Brüggemann am EmpfangcounterTagessatzcopyright Monika Müller
Es gibt auch alte Zeitungen im ISG: Bibliothekar Thomas Brüggemann hat Mikrofiche für den Lesesaal herausgesucht. © Monika Müller/Monika Müller

Mit weißen Handschuhen holt Silvia Stenger einige Fotos aus Schränken heraus. Sie stammen von Kurt Weiner, Luigi Ungarisch, Georg Kumpfmüller – und auch von Rolf Oeser, der seit 1980 für die Frankfurter Rundschau fotografiert, damals noch unter dem vollen Namen, Hans Rudolf Oeser.

Für das FR-Archiv zahlte das ISG (so weit bekannt) kein Geld. Es steckte aber Tausende Arbeitsstunden in die Sichtung und Beschriftung der Fotos und anschließend in die Digitalisierung. Alle Fotos sind als Abzug und auch digital vorhanden. Das Anschauen im Lesesaal des ISG ist kostenlos. Die Verwendung kostet Geld. Ein Scan im Format 9x13 Zentimeter kostet 1,50 Euro, größere Formate sind teurer, der Nachdruck in einer Zeitung auch. Teilweise liegen die Rechte beim ISG, auch für die alten FR-Fotos, teilweise bei den Fotograf:innen und ihren Erben.

Und auch die FR kann Fotos aus ihrem alten Archiv nicht mehr kostenlos abdrucken. Diese Zeiten sind vorbei.

80 Jahre Frankfurter Rundschau

Am 1. August 1945 erschein die erste Ausgabe unserer Zeitung. Unser Onlinedossier FR80 blickt zurück auf die Geschichte, beschreibt die aktuelle Lage der Zeitung – und stellt das Programm unserer politischen Geburtstagsfeier am 20. September vor, zu der Sie herzlich eingeladen sind.

Die vier Folgen unserer Historie:

Teil 1: Holpriger Start im August 1945 - die erste Frankfurter Rundschau entstand in den Trümmern des Frankfurter Zeitungsviertels. Zunächst zweimal die Woche. Und in einer streitenden Redaktion.

Teil 2: Pflichtlektüre für die 68er - Nähe und Distanz prägen das Verhältnis der FR-Redaktion zur außerparlamentarischen Opposition.

Teil 3: Eine Zeitung in Not - die FR wird mehrfach spektakulär gerettet.

Teil 4: Die Ippen-Jahre seit 2018 - Eigenständigkeit wird großgeschrieben, auch in Zeiten zahlreicher Kooperationen.

Weitere Inhalte im Dossier (Auszug):

Die FR und ihr Grundgesetz: Die Leitlinien aus der Ära von Karl Gerold lesen sich wie geschrieben für die Gegenwart. Die Frankfurter Rundschau ist nicht neutral – sondern antifaschistisch, linksliberal und zuweilen zornig. Ein Essay von Karin Dalka und Michael Bayer.

Im August 1945 war mehr los, als in die Zeitung passte. Ein Blick in die Erstausgabe der Frankfurter Rundschau von Richard Meng.

Zudem: 80 aufregende Jahre - die wichtigsten Stationen der Frankfurter Rundschau in unserer prägnanten Chronik.