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Ruandische Motorbootpatrouille im Hafen von Mocímboa da Praia in der mosambikanischen Provinz Cabo Delgado.
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Ruandische Motorbootpatrouille im Hafen von Mocímboa da Praia in der mosambikanischen Provinz Cabo Delgado.

Mosambik

Mosambik kann nicht alleine gegen Islamisten bestehen

  • Johannes Dieterich
    VonJohannes Dieterich
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In Mosambik versucht ausländisches Militär, angebliche Islamisten im Norden des Landes zurückzudrängen.

Die Wissenschaft weist ein ums andere Mal nach, dass die Nutzung fossiler Brennstoffe für Klimakatastrophe noch schlimmere Folgen als bisher angenommen. Regierungen in aller Welt aber stellen sich taub. Und manche, wie jetzt bei einem riesigen Erdgasfeld im südostafrikanischen Mosambik, suchen mit militärischen Mitteln zu gewährleisten, dass gegen allen Widerstand zumindest von Teilen der örtlichen Bevölkerung weiter fossil gefördert werden kann. In der Provinz Cabo Delgado treffen dazu derzeit Truppen von insgesamt fünf afrikanischen Staaten sowie Militärberater aus der Europäischen Union und den USA ein. Sie sollen der mosambikanischen Armee dabei helfen, den militanten Widerstand gegen das Mega-Projektes niederzukämpfen.

Dieser Beistand wird mit dem Argument gerechtfertigt, dass der Kampf dem „islamischen Terror“ gelte. Obwohl Fachleute die Verbindung zwischen „Islamischem Staat“ (IS) und den Aufständischen vor Ort bestenfalls als lose bezeichnen. „Die wirkliche treibende Kraft dieses Konfliktes hat viel mehr mit den Beschwerden der Bevölkerung zu tun“, urteilt die International Crisis Group.

Mosambik: Ankunft der Ruander

Als Speerspitze von außerhalb trafen Anfang Juli 1000 Mann der ruandischen Armee in Cabo Delgado ein. Gemeinsam mit mosambikanischen Soldaten soll den Ruandern am Wochenende die Einnahme des 60 Kilometer südlich der im Bau befindlichen Erdgasanlagen gelegenen Mocímboa da Praia gelungen sein. Das Hafenstädtchen befand sich ein Jahr lang in den Händen der Rebellen, die von der Bevölkerung „al-Shabab“ (Arabisch für: „die Jungs“) gerufen werden. Die zogen sich offenbar kampflos aus Mocímboa da Praia zurück, von wo aus sie im März ihren bisher spektakulärsten Angriff auf die außerhalb der Hafenstadt Palma gelegenen Erdgasanlagen verübt hatten. Der Vorfall veranlasste den französischen Total-Konzern zum – zumindest vorübergehenden – Abbruch seiner Arbeiten. Die Erdgas-Vorkommen vor der Küste dort sollen 2,8 Billionen Kubikmeter umfassen – das zweitgrößte Reservoir Afrikas.

Bereits vor der kampflosen Einnahme Mocímboa da Praias lieferten sich die ruandischen Soldaten mit al-Shabab mehrere Gefechte: Dabei sollen Dutzende von Rebellen getötet worden sein. Ruandas Armee gilt als eine der professionellsten und erfahrensten des Kontinents. Und als rücksichtslos. Ihre Entsendung führte im Süden des Kontinents schon vorab zu Irritationen. Mosambik gehört dem Staatenbund SADC an, der schon seit Monaten auf den Einsatz seiner Soldaten drängt. Dort wird befürchtet, dass Islamisten auch im Südlichen Afrika an Einfluss gewinnen.

Mosambik: Schutz für die Kleptokratie

Mosambiks Präsident Filip Nyusi stimmte dem Einsatz von SADC-Truppen erst zu, nachdem er bereits die Ruander ins Land geholt hatte. Paul Kagame, dem autokratischen Präsidenten Ruandas, werden hegemoniale Ambitionen nachgesagt. Inzwischen trafen in Cabo Delgado auch 1500 Soldaten aus Südafrika sowie jeweils 300 aus Botswana und Simbabwe ein. Außerdem schickte Angola 20 Luftwaffenoffiziere. Mosambiks Oppositionspartei Renamo sieht den Einsatz mit Missmut: Sie befürchtet eine weitere Militarisierung der Region, deren Bevölkerung sich schon seit Jahrzehnten vernachlässigt und übervorteilt fühlt. Mosambiks von der Ex-Befreiungsbewegung Frelimo gebildete Regierung gilt als hochgradig korrupt. Vor acht Jahren erschütterte das Verschwinden von zwei Milliarden US-Dollar aus dem Staatshaushalt das Land. Die Menschen in Cabo Delgado werfen der Regierung vor, dass sie nichts vom Erlös für das Erdgassehen. „Ein paar tausend Jobs könnten diesen Krieg beenden“, glaubt Mosambik-Kenner Joseph Hanlon von der London School of Economics. „Aber wer will schon zusätzliches Geld für ein Land ausgeben, in das er bereits große Summen für die Stationierung von Soldaten gesteckt hat?“

Angesichts der ausländischen Militärpräsenz wird nun ein Rückzug der Aufständischen in den fast undurchdringlichen Busch erwartet, um von dort als Guerilla weiter zu kämpfen. Das hatte schon die einheimische Rebellengruppe Renamo im 1989 beendeten Bürgerkrieg gegen die Frelimo mit Erfolg getan. Das Gebiet ist für Hinterhalte bestens geeignet: Wegen der nur wenigen, den Süden mit dem Norden verbindenden Verkehrswege ist das Abschneiden kompletter Landesteile relativ leicht möglich.

Im September werden in Mosambik auch 120 Soldaten aus der EU erwartet. Sie sollen lediglich einheimische Militärs ausbilden, nicht aber in Kämpfe eingreifen. Doch mit Ausbildungsmissionen hat Brüssel in Afrika bislang nur schlechte Erfahrung gemacht: Seine Präsenz im westafrikanischen Mali führte außer zu Coups und Menschenrechtsverletzungen des einheimischen Militärs zu keinem messbaren Erfolg im Kampf gegen „islamischen Terror“.

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