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In Plauderlaune: Eintracht-Vorstand Fredi Bobic erklärt den Schlappekicker-Vorsitzenden Harald Stenger (links) und Arnd Festerling die Frankfurter Fußballwelt.  

Schlappekicker trifft Eintracht Frankfurt

Fredi Bobic - der angstbefreite Arbeiter

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Beim Schlappekicker-Abend spricht Eintracht-Vorstand Fredi Bobic über seine Emotionen, Trainer Adi Hütter und Bierchen im Whirlpool.

Einmal an diesem Montagabend war das Grinsen im Gesicht von Fredi Bobic noch ein Stückchen breiter als die unzähligen Male davor und danach. Da freute sich jemand, den neugierigen Reportern erzählen zu können, dass er ihnen still und heimlich ein Schnippchen geschlagen hatte. Gemeint war der 10. Mai diesen Jahres, der Tag nach dem großen Abend, als sich der hessischen Bundesligist auf europäischer Bühne eine fußballerische Schlacht mit dem FC Chelsea geliefert hatte, die erst im Elfmeterschießen an die Londoner ging.

Sportvorstand von Eintracht Frankfurt mimt das Grinsekätzchen

Am Tag danach also hielt sich Bobic gar nicht lange damit auf, das Geschehene auf sich wirken zu lassen, stattdessen gestaltete er lieber die Zukunft und brachte den Wechsel von Kevin Trapp aus Paris nach Frankfurt schon früh auf den Weg. Der Sportvorstand von Eintracht Frankfurt stimmte hinter den Kulissen den Fahrplan für das sommerliche Transfergeschacher rund um den deutschen Nationalkeeper ab, das ja schließlich erst Anfang August beendet werden konnte. Und die Reporter? „Die haben nichts mitbekommen, weil sie zu diesem Zeitpunkt lieber selbst gekickt haben“, sagte Bobic, „und sie haben nicht mal bemerkt, dass ich gefehlt habe.“ Er schaute auf und mimte das Grinsekätzchen.

Bilder vom Schlappekicker-Abend

Schlappekicker Abend im Eintracht Museum
Johannes Hablik ist querschnittsgelähmt. Bei einem Turnwettkampf im November 2002 stürzte er auf den Kopf, dabei wurde zwischen dem vierten und fünften Halswirbel das Rückenmark abgeklemmt. Seit diesem Tag ist einer der ehemals talentiertesten hessischen Mehrkämpfer ein Pflegefall und wird daher nun schon mehr als zehn Jahre von der Schlappekicker-Aktion der Frankfurter Rundschau finanziell unterstützt. Beim Schlappekicker-Abend zählten Hablik und dessen Vater Hans (rechts) zu den Gästen. Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic (links) lud das Vereinsmitglied zu einem Heimspiel der Bundesligakicker ein. © Monika Müller
Schlappekicker Abend im Eintracht Museum
Schlappekicker-Vorsitzender Arnd Festerling im Gespräch mit Walter Mirwald, Vorsitzender des Vereins Frankfurter Sportpresse und ehemaliger DOSB-Pressesprecher. © Monika Müller
Schlappekicker Abend im Eintracht Museum
Mahlzeit: Erich Reiter, Schlappekicker-Vorstandsmitglied (links), im Gespräch mit den Ex-Profis Peter Rübenach und Karl-Heinz Volz, in guten FSV-Zeiten große Stützen, sowie ihrem Trainerkollegen Harald Faust. © Monika Müller
Schlappekicker Abend im Eintracht Museum
Harald Stenger, 2. Vorsitzender der Aktion Schlappekicker und ehemaliger DFB-Pressesprecher, mit Fredi Bobic und Arnd Festerling. © Monika Müller
Schlappekicker Abend im Eintracht Museum
Der Ressortleiter der FR-Sportredaktion Jörg Hanau (links) mit Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic und FR-Chefredakteur Thomas Kaspar (rechts). © Monika Müller
Schlappekicker Abend im Eintracht Museum
Hermann Treusch, ehemaliger Intendant des TaT, kam eigens aus Berlin eingeflogen. © Monika Müller

Zur Erklärung: Am 10. Mai stand auf dem Sportplatz des SV Sachsenhausen ein Benefizspiel an, da lief eine Journalistenauswahl zugunsten der Schlappekicker-Aktion dem Eintracht-Traditionsteam 90 Minuten lang hinterher und verlor 3:11. Bobic schwänzte den Kick aus vorher genanntem Grund. Am Montag konnte er über das alles plaudern, weil zum einen der Wechsel von Trapp im Sommer tatsächlich geklappt hatte und er sich zum anderen wieder in einem ähnlichen Umfeld bewegte.

Im Eintracht-Museum an der Frankfurter Arena stellte sich der 47-Jährige vor 60 Schlappekicker-Mitgliedern und -Freunden den Fragen von Arnd Festerling, Vorsitzender des Vereins und ehemaliger FR-Chefredakteur, sowie Harald Stenger, Zweiter Vorsitzender und ehemaliger DFB-Pressechef. Bobic erledigte diese Fragestunde souverän, entspannt, und wenn das Gespräch doch mal auf ein eher unangenehmes Thema kam, der verbaselte Sieg gegen Bremen am Sonntag zum Beispiel (2:2), lächelte er jeglichen Frust weg.

SGE-Vorstand Bobic: Fußball hat sich verändert

Es sei ja ohnehin immer seine Aufgabe, ruhig zu bleiben, sagte Bobic, egal wie hektisch es um ihn herum auch sein möge. Er verstehe sich als „Regulativ“. Und weiter: „Mich hat in diesen Momenten noch keiner wild gestikulierend am Seitenrand herumhüpfen oder grätschend über den Rasen rutschen sehen.“ Bobic lachte nach diesen Worten und die Zuhörer lächelten zurück, wohl auch vertieft in Gedanken an einen quer die Grasnarben entlangschlitternden Mann im feinen Zwirn. Witzig, diese Vorstellung.

Als aktiver Kicker, das gab der 47-Jährige kurz darauf zu, sei der Umgang früher mit aufregenden Momenten ein anderer gewesen. Da sei er natürlich schon mal aus seiner Haut gefahren. Und wenn das nichts half, „sind wir nach hinten gegangen und haben eine geraucht oder sind in den Whirlpool rein und haben ein Bierchen getrunken“. Andere Zeiten.

Chefrunde im Eintracht-Museum: Fredi Bobic im Gespräch mit FR-Chefredakteur Thomas Kaspar (Mitte) und FR-Sportchef Jörg Hanau. 

Nicht nur, dass heutige Profifußballer direkt nach den Spielen eher selten ein kühles Blondes zu sich nehmen, auch ganz Allgemein habe sich der Fußball „komplett verändert“. Und Fredi Bobic hat Eintracht Frankfurt komplett verändert. Seitdem der 2014 beim VfB Stuttgart rausgeworfene Ex-Nationalspieler vor etwas mehr als drei Jahren bei den Hessen die sportliche Führung übernahm, wurde der Klub grundlegend umgekrempelt.

Gemeinsam mit Marketingvorstand Axel Hellmann hat Bobic den Klub in neue, jahrzehntelang nicht gekannte Sphären gehievt. Zwei Pokalendspiele, ein Titel, eine Halbfinalteilnahme in der Europa League, auf die nun eine weitere Saison auf Europas Fußballplätzen folgt. Dazu ein Rekordetat, die ersten Baufortschritte hin zu einer neuen Geschäftsstelle am Stadion, und so weiter und so fort. 50 Mitarbeiter kümmern sich täglich direkt um die Belange der Bundesligakicker und stehen damit unter Anleitung von Bobic.

Kovac war der perfekte Eintracht-Trainer

„Wir arbeiten immer nach vorne gerichtet. Wir wollen unser Business weiter professionalisieren. Wenn du mit Angst agierst, wirst du Fehler machen.“ Und weiter: „Wir haben in diesem Sommer so viel Geld verdient, wie es die Eintracht gefühlt in 30 Jahren nicht gemacht hat. Aber wir haben auch viel ausgegeben, so funktioniert das Geschäftsmodell Eintracht Frankfurt.“

Talentierte Spieler verpflichten, ihre Fähigkeiten entwickeln und sie später teurer weiterverkaufen. Kein neues Konzept, aber ein für die Hessen erfolgreiches. „Wenn große Vereine wie Real Madrid bei Spielern wie Luka Jovic anklopfen, dann hat man keine Chance. Oder sollen wir ihm sagen, dass er bleiben soll, weil die Grüne Soße gut schmeckt?“ Wieder so ein Moment in dem Bobic lächelt und es wohl manch Zuhörer scherzeshalber durch den Kopf schießt, dass er es mal mit Handkäs‘ hätte probieren sollen. Aber sei’s drum, stattdessen erwidern sie lieber das Lächeln.

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Abschließend an diesem Abend redete Bobic nicht nur über die Spieler Trapp und Jovic, sondern auch über die Fußballlehrer Kovac und Hütter. „Der Niko“, beginnt er seine Worte über den ehemaligen Eintracht- und heutigen Bayern-Coach, „war für uns damals der perfekte Trainer“. Ohne Kovac wäre die positive Entwicklung nie möglich gewesen. „Der Adi“, so Bobic weiter, habe dann „die Mannschaft im Offensivspiel auf die nächste Stufe gehoben“. Das habe man so aber auch von ihm erwartet, schließlich sei Hütter im auf drei Trainer eingegrenzten Kandidatenkreis der stärkste gewesen.

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