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Spieler trifft Trainer beim Frühstück: Peter Fischer (rechts) und Peter Rübenach.

Peter Fischer

Wenn der Kopf plötzlich verrückt spielt

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Der ehemalige Oberliga-Fußballer Peter Fischer wird seit vielen Jahren vom Schlappekicker unterstützt.

Um die Mittagszeit beschlich Peter Fischer erstmals dieses ungute Gefühl. Beim Fußballspielen hatte er das Gleichgewicht verloren und war hingefallen. Ohne Einwirkung eines Gegenspielers, einfach so. Am Abend dann der nächste seltsame Moment. Beim Grillen mit Freunden blieb er an der Schwelle zur Terrasse hängen, stolperte, wieder lag er auf dem Boden. „Das war einfach komisch“, erinnert sich Fischer. Am nächsten Morgen fuhr er zum Arzt, der ihn ohne Umweg an einen Neurologen weiterverwies. Mittlerweile ging es Fischer noch schlechter, der Kopf spielte verrückt, er sah alles doppelt. Nach einer Computertomographie stand die Diagnose fest: Er hatte eine schwere Gehirnblutung erlitten, mit gerade mal 33 Jahren.

Dass Fischer, mittlerweile 56, heute ohne Probleme von jenem Tag im Jahr 1995 erzählen kann, der sein Leben um 180 Grad drehte, ist nicht selbstverständlich. Kurz nach seiner Blutung wurde er in Mainz operiert, danach ging es ihm schlecht. Fischer konnte nichts sehen, nicht sprechen, sich kaum bewegen, Nahrung musste er durch einen Strohhalm zu sich nehmen. „Am Anfang ging gar nix“, berichtet er. „Ich habe sofort gewusst, dass nichts mehr ist wie vorher.“ Vier Wochen verbrachte er im Krankenhaus, danach fast zehn Monate in der Reha, die er in Bad Camberg absolvierte. „Das erste Jahr war sehr schwer“, sagt er. 

Sowohl das Fußballspielen als auch seinen Job in der Maschinenbau-Branche musste Fischer aufgeben. Der gebürtige Ruppertshainer war ein talentierter Libero, der es bis in die damals drittklassige Oberliga geschafft hatte. Für den SV Ruppertshain, die Jugend und die Amateure der Frankfurter Eintracht, die SG Egelsbach, die Spvgg Bad Homburg, die SG Höchst und den FSV Frankfurt schnürte er die Stollenschuhe, 1992 führte er gar in Wiesbaden die Hessenauswahl als Kapitän zum Sieg im Amateur-Länderpokal. Die Gehirnblutung beendete seine Karriere von einem Tag auf den anderen. 

Peter Rübenach war damals Fischers Trainer bei der SG Höchst. Er war es auch, der die Schlappekicker-Aktion der Frankfurter Rundschau um Hilfe bat, die Fischer daraufhin in den Anfangsjahren auf vielfältige Weise unterstützte. Heute hilft der Schlappekicker eher moralisch, mehrmals pro Jahr treffen sich Fischer und Rübenach mit dem stellvertretenden Schlappekicker-Vorsitzenden Harald Stenger, um beim gemeinsamen, privat gezahlten Frühstück zu plaudern und in alten Zeiten zu schwelgen. „Peter ist immer gut gelaunt, das imponiert mir“, sagt Rübenach. „Ich gehe jedes Mal mit einem guten Gefühl nach Hause, wenn wir uns treffen.“ 

Denn Fischer ist schon längst nicht mehr auf so viel Hilfe angewiesen wie einst. Kümmerte sich anfangs noch seine Familie um ihn, wohnt er seit 2001 allein in einer eigenen Wohnung am Rande des Taunus. Das Sprechen funktioniert wieder, auch wenn es viel Kraft kostet. Das Gehen fällt ihm weiterhin schwer, mit dem Elektrorollstuhl kann er jedoch kürzere Strecken zur Bank oder zum Supermarkt problemlos allein zurücklegen. Um fit zu bleiben, strampelt er zu Hause regelmäßig auf dem Ergometer. „Eigentlich kann ich sagen: Ich bin zufrieden“, betont Fischer. In der Reha habe er Leute kennengelernt, denen es deutlich schlechter ging als ihm. „Es könnte alles viel schlimmer sein“, sagt er. Zum Fußball geht Fischer auch ab und zu noch, am liebsten zu den Bezirksoberliga-Spielen seines Heimatklubs SV Ruppertshain. 

„Da kenne ich die Leute, da trifft man immer jemanden. Ich gehe hauptsächlich wegen der sozialen Kontakte hin“, sagt Fischer. Die Eintracht verfolgt er ebenfalls aufmerksam, wenn auch nur noch im Fernsehen. „Momentan läuft’s gut“, findet Fischer, der aber skeptisch bleibt: „Ich glaube, sie spielen ein bisschen über ihren Verhältnissen und werden am Ende Achter oder Neunter.“

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