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„Andy“ zu Besuch in Sossenheim

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Hoher Besuch in Sossenheim: Ex-Bundesligaprofi Andreas Möller (links) beobachtet mit den Schlappekicker-Vorständen Ulrike Spitze und Harald Stenger die Jungs und Mädels beim Ballspielen. renate hoyer
Hoher Besuch in Sossenheim: Ex-Bundesligaprofi Andreas Möller (links) beobachtet mit den Schlappekicker-Vorständen Ulrike Spitz und Harald Stenger die Jungs und Mädels beim Ballspielen. © Renate Hoyer

Der Ex-Nationalspieler Andreas Möller ist im SOS-Kinderdorf zu Gast. Die Schlappekicker-Aktion der Frankfurter Rundschau unterstützt die Initiative.

Ronaldo oder Messi? Das ist hier und heute die entscheidende Frage, die ein knapp zehnjähriger Junge stellt, der auch vom großen Fußball träumt. Damit muss man als „Altstar“ leben, als Welt- und Europameister aus den 90er Jahren, der in seiner ganz großen Zeit auf der Fußballbühne mit Borussia Dortmund zweimal Meister wurde, einmal die Champions League und den Weltpokal gewann.

Andreas Möller, den sie damals alle „Andy“ nannten, ist zu Besuch in Sossenheim, wo er als Kind seine Karriere begann. Er, der 110 Bundesligatore in 429 Spielen und 30 Länderspieltreffer in 85 Einsätzen für Deutschland erzielte, meistert die Rückkehr in den Stadtteil, in dem er als Zehnjähriger auf dem Bolzplatz kickte, mit lockerer Gelassenheit. Schnell ist Möller voll angekommen im SOS-Kinderdorf in Alt-Sossenheim. Im Kinder- und Familienzentrum, einem interkulturellen Treffpunkt des Stadtteils. Ein Ort mit vielen Angeboten, in dem viel Wert auf Sport, Bewegung und gesunde Ernährung gelegt wird. „Ich bin der Andy“, sagt der Ex-Nationalspieler zur Begrüßung der etwa 20 Mädchen und Jungs.

Für den Traum kämpfen

Als „berühmten Fußballspieler von früher“ haben ihn die engagierten Betreuer:innen der Sossenheimer Bewegungsgruppe angekündigt. Einer aus einer anderen Zeit, als auch Ronaldo und Messi noch kleine Buben waren. Wie ein Erzähler aus einer früheren Märchenwelt steigt der „Andy“ ein, die Kinder lauschen gespannt, und dann ist er plötzlich einer von ihnen. Aufgewachsen in der Toni-Sender-Straße um die Ecke, in einem der Hochhäuser mit zwölf Stockwerken, in die Albrecht-Dürer-Schule nebenan ist er gegangen, da merken die Kids auf. Möller erzählt davon, wie er seine Jugend hier in Sossenheim erlebt hat, immer mit dem Fahrrad und Fußball unterwegs, und immer mit dem Traum vom großen Fußball im Kopf und im Herzen. Vom Einlaufen in ein volles Stadion, in dem die Menschen ihm zujubeln. „Wenn man einen Traum hat, muss man für den Traum leben“, sagt er. Ja, auch wenn man lieber Zahnärztin werden oder zur Polizei gehen will, wie ihm zwei Mädchen verraten, als er nach ihren Berufswünschen fragt.

Das Kinder- und Familien-Zentrum in Sossenheim in dem aufgepeppten alten Gebäude, das einst als Schule gedient hat und auch als Fabrik, in der Hüte hergestellt wurden, ist ein Ankerpunkt im westlichen Frankfurter Stadtteil. Seit knapp zehn Jahren ist das Haus ein Mittelpunkt der Sozialarbeit im alten Ortskern. „Hier treffen sich die unterschiedlichsten Menschen, welche sich ansonsten vielleicht nie begegnet wären“, sagt Christian Löffler, Leiter des Familienzentrums. Um die 70 bis 80 Menschen kommen täglich ins Haus, zur Klientel gehören rund 250 Personen, betreut werden sie von 30 haupt- und ehrenamtlichen Kräften. „Wir könnten dreimal so viel anbieten“, sagt Ina Franzkewitz aus dem Leitungsteam mit Blick auf die niedrigschwelligen Angebote, die positive Resonanz darauf und die zusätzliche Nachfrage. Das fängt mit der „Frühen Hilfe“ für Familien mit Kleinkindern an und geht bis zu Sport- und Bewegungsangeboten für Kinder und Jugendliche.

„Meine Stadt. Mein Sport. Meine Zukunft“, so lautet der Slogan des für das SOS-Kinderdorf entwickelten Gesamtprojekts, das die Richtung und Idee vorgibt: Selbstvertrauen, Gemeinschaftsgefühl, Zusammengehörigkeit. Gefördert wird es seit Beginn 2018 jährlich von der DFL-Stiftung, die Schlappekicker-Aktion ist in diesem Jahr mit ihrer finanziellen Unterstützung eingestiegen und zahlt im Rahmen eines Langzeit-Projekts bis mindestens 2025 jährlich 4000 Euro für Sportcamps in den Sommerferien für Kinder von sieben bis zwölf Jahren, die von vielen Eltern im Stadtteil mit sozial schwächeren Familien nicht finanziert werden können.

Doch auch im Alltags geht’s zur Bewegung oft raus, etwa runter an die Nidda, kaum zehn Minuten zu Fuß, wo schon Andreas Möller seinem Fußball-Traum gefrönt hat. Zur vorgesehenen sportlichen Trainingseinheit an einem regnerischen Dezember-Tag gemeinsam mit dem jugendlich ergrauten 56-Jährigen kommt es im Chlodwig-Poth-Saal im Obergeschoss des Zentrums in Sossenheim aber leider nicht. Der „Andy“ hat Rückenschmerzen. Das nimmt man ihm aber nicht übel. Zumal er das Versprechen macht, beim nächsten Besuch voll einzusteigen in das schnelle, die Kids faszinierenden Spiel „Zombie Ball“ mit flotter Tanzmusik.