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Der sanfte Weg zu mehr Selbständigkeit

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BC Mühlheim ist für seine Arbeit mit Behinderten mit dem Integrationspreis der Schlappekicker-Aktion ausgezeichnet worden.

Es sind die Ideen, die Thomas Hofmann weiter antreiben. Ideen, wie Menschen über den Sport "Selbstvertrauen und Lebensfreude" gewinnen. Die Sportler der Abteilung "Judo der Behinderten" im Budo-Club (BC) Mühlheim seien so, selbstbewusst und nach vorne schauend, sagt der Abteilungsleiter. Das hat seinen Grund. Schon seit 1998 trainiert der Verein Menschen mit einem geistigen Handicap. Heute stellen sie mit 45 Aktiven mehr als zehn Prozent der Vereinsmitglieder. Das Einzugsgebiet reicht bis nach Frankfurt-Niederrad, Maintal und Mainhausen. Inzwischen ist der BC Mühlheim in Judokreisen vor allem für seine Behindertenarbeit bekannt. "Wir sind eben eine aktive Abteilung" sagt Hofmann, "die sich auch darzustellen weiß".

Davon bekam die Schlappekicker-Aktion der Frankfurter Rundschau schon 1998 Wind und zeichnete den Klub für seine integrative Arbeit aus. Fortgeschrittene Judoka werden hier auch ins Training der Nichtbehinderten integriert, um die soziale Isolation durchbrechen. Zehn Jahre später wurde der BC Mühlheim erneut mit einem Schlappekicker-Scheck über 2000 Euro belohnt, denn Hofmann und seine Mitstreiter haben keinen Deut nachgelassen. Um neue Reize zu setzen, wurde das Skifahren entdeckt, inzwischen starten BCM-Sportler auch dort bei den Special Olympics, den Wettkämpfen der Sportbewegung für geistig und mehrfach behinderte Menschen. "Meine Tochter fängt jetzt mit dem Klettern an", berichtet Hofmann, und vor wenigen Tagen haben die Judokas bei einer Projektwoche der Behindertenwerkstätten Hainbachtal in Offenbach mitgemacht. Thema: Liebe und Sexualität. "Natürlich haben wir uns nach der Bitte um Mitarbeit erstmal gefragt, was das mit Judo zu tun hat", schildert Hofmann. Dann sei erkannt worden, dass ein Teilbereich sehr wohl passe: "Distanz zu halten, das ist Judo." Also haben die Mühlheimer Weißkittel zu Selbstbehauptung und Selbstverteidigung referiert "und nebenbei wieder einige eingefangen."

Die Abteilung soll weiter wachsen. Der Ansatz ist einfach: Man könne mit Sport soziale wie gesundheitliche Ziele erreichen, sagt Hofmann. So werde den Menschen nach der Arbeit in den Behindertenwerkstätten "eine sinnvolle Beschäftigung geboten, die nicht Computer oder Fernseher heißt". Und zudem könne in ein Judotraining auch "reingepackt werden, was sonst in der Krankengymnastik oder Ergotherapie passiert". Die Übungsstunden werden durch einen Sportarzt begleitet, und die Betreuer Thomas Hofmann, Michael Kempf, Maren Stahlberg und Sebastian Schmitt besitzen neben der sportfachlichen Qualifikation die Übungsleiterlizenz Rehabilitationssport.

Hofmann ist überzeugt, mit Judo den idealen Sport anzubieten: "Allein die Kleidung ist schon interessant. Und du fasst keinen Ball und kein Gerät an, sondern einen Partner." Der "sanfte Weg", so die Übersetzung aus dem Japanischen, soll zu Selbständigkeit und Selbstbestimmung führen. Deshalb wird das Schlappekicker-Geld auch für neue Freizeitideen genutzt, die "eine gewisse Loslösung vom Elternhaus ermöglichen", kündigt Hofmann an.