Inklusives Fußballcamp in Landau bringt Weltmeister aufs Feld
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Die Schlappekicker-Aktion unterstützt das inklusive Fußball-Camp des TSV Landau. Mit dabei sind auch Pierre Littbarski und Guido Buchwald.
Bad Arolsen-Landau – Sandro Mohr geht rückwärts und vorwärts durch die kurze Menschengasse, er wechselt in den Vierfüßlermodus, krabbelt auf Händen und Beinen und will immer das Gleiche: abgeschossen werden. Ganz buchstäblich. Mit Fußbällen, na klar. Die zwei Frauen und vier Männer links und rechts mühen sich sehr, es fällt ihnen nicht leicht, Mohr zu treffen. Alle haben eine Behinderung. Sie leben im Haus Sankt Martin in Naumburg, einem Wohn- und Therapiezentrum für Menschen mit Prader-Willi-Syndrom; an diesem Tag sind sie Teil eines Inklusiven Trainingscamps.
Bereits zum dritten Mal führt Gastgeber TSV Landau, ein Verein mit 430 Mitgliedern im Sportkreis Waldeck-Frankenberg, Kinder und Jugendliche mit Menschen mit Behinderungen für zweieinhalb Tage zusammen. Die Schlappekicker-Aktion unterstützt dieses inklusive Projekt mit 2000 Euro.
Littbarski und Buchwald schauen beim inklusiven Fußballcamp in Landau vorbei
Einer der sieben Übungsleiter, die auf dem Sportplatz die knapp 80 Teilnehmenden in Schuss- und Passtechnik, Dribblings oder Zweikampfverhalten unterweisen, ist Sandro Mohr von der Fußballschule der Sparkassenversicherung, der für den Hessischen Fußball-Verband als Lehrreferent tätig ist. Er kennt seine Eleven noch vom letzten Camp vor zwei Jahren. Später stoßen drei weitere Menschen mit Behinderung zu seiner Gruppe, sie arbeiten in den Werkstätten des Bathildisheims im nahen Bad Arolsen. Mohr lobt, spornt an, korrigiert, ermuntert und macht Späße. Das Training sei keine besondere Herausforderung für ihn. Er passe sich da an, sagt er: „Ich sehe den Menschen.“
Seit ein paar Minuten schaut Pierre Littbarski zu. Der ehemalige Profi mit seinen 73 Länderspielen erfüllt an zwei Tagen das Versprechen des Camps: Training mit dem Weltmeister. Der 65-Jährige war 1990 Teil der Mannschaft, die in Italien den Titel gewann. Am dritten Tag löst ihn sein Teamkollege von damals, Guido Buchwald, ab. Es sei wichtig, dass Menschen mit Behinderungen bei so einem Camp mitmachen könnten, sagt Buchwald. „Auch für die, in Anführungszeichen, Gesunden, ist es wichtig, den Umgang mit ihnen zu haben.“ Damit die Kinder sähen, dass es nicht selbstverständlich sei, dass man sich bewegen könne und alles ganz normal funktioniere. Außerdem macht es auch Spaß, mit den gehandicapten Menschen zu trainieren – „weil sie mit Freude dabei sind“.

TSV Landau muss Turnier absagen – das inklusive Trainingscamp findet dennoch statt
Zum Auftakt schaut auch Jürgen Damm vorbei. Der Oberst a.D. ist Ehrenvorsitzender der Aktion für Menschen mit Behinderung Waldeck-Frankenberg und seit Jahrzehnten eine treibende Kraft für die Inklusion im Landkreis. Eine „idealtypische Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention“ nennt er das Camp und dankt Marco Steinbach, dem Vorsitzenden des TSV Landau, dass der sich schon lange für die Idee der Inklusion einsetze.
Steinbach hat gerade das 15. Fußballturnier seines Vereins für Menschen mit Behinderung absagen müssen. Es fiel in die Tage der Extremhitze in Deutschland. Eine für ihn schwere Entscheidung, letztlich alternativlos. Umso mehr freue es ihn, dass die Menschen mit Behinderung nun wenigstens zum Camp kommen könnten. Man kennt und schätzt sich; das Haus St. Martin hat bei jedem der bisher 14 Turniere vorgespielt. „Mit ihnen haben wir sehr engen Kontakt“, sagt Steinbach.
Die neun gehandicapten Menschen sind in Landau selbstverständliche Mitglieder des ganzen Camps. Es gibt keine extra Stationen für sie, sondern die gleichen Trainings-, Übungs- und Spielformen, sie essen mit den anderen und werden am dritten Tag genauso geehrt, sind genauso ehrgeizig unterwegs. „Die finden das überragend“, sagt Schmidt und zitiert Robert, einen der Behinderten aus Naumburg, mit dem Satz: „Das sind die drei geilsten Tage, die wir haben.“ Mandy scheint ähnlich zu empfinden. Bei Turnieren steht sie im Tor des St.-Martins-Teams. „Sehr schön, sehr angenehm“, sagt sie über das Camp. Auch mit den Arolsern hätten sie sich gut verstanden. Sie freut sich schon auf das nächste Mal: „Wir sind eigentlich immer dabei.“ (Gerhard Menke)