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Halligalli beim Sportfest im Sportzentrum Kalbach.

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Frankfurt: 3000 Kinder beim Spiel- und Sportfest

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Das integrative Spiel- und Sportfest der Stadt begeistert 3000 Kinder.

Einmal im Jahr, am ersten Sonntagnachmittag im November, wird die Leichtathletikhalle des Sport- und Freizeitzentrums in Frankfurt-Kalbach von jeder Menge Kinder geflutet, die sich an allerlei Spiel- und Sportstationen ausprobieren. In dem großen Tohuwabohu mit Rollen, Rutschen, Springen, Hüpfen, Fahren, Balancieren oder Kraxeln geht fast unter, dass es sich um eine Maßnahme handelt, die auf die Inklusion abzielt. Zu viel ist los, zu viel Bewegung bestimmt das Geschehen, als dass auffiele, wie hier über vier Stunden verteilt geschätzte 3000 Kinder mit und ohne Handicap ihren Spaß haben.

Beim Integrativen Spiel- und Sportfest der Stadt Frankfurt sind in der riesigen Halle beispielsweise Trampoline, eine Kletterwand, ein Rollstuhlparcours, eine Rollenrutsche, Tischtennisplatten, ein Hindernisparcours, ein Bällebad und – ein Renner unter den Kids – eine Flugschaukel aufgebaut. Für die ganz Kleinen gibt es eine Krabbelbahn oder das „mysteriöse“ Klangzelt. Alles ist bunt, und überall in der Halle sausen Kinder mit den Pedalos, Stelzen oder Snakeboards der „Bewegungsbaustelle“ umher. Wer möchte, kann auch ganz klassisch mit dem Basketball auf einen Korb werfen.

Auf der Empore versorgen allerlei Verpflegungsstände vor allem die Eltern mit Kaffee, Kuchen und Würstchen. Dort wird auch eine Schminkecke angeboten und ein Schwarzlichtraum, in dem Neugierige leuchtende Gegenstände ausprobieren.

Was für ein Durcheinander! Doch niemand stört sich hier daran. Im Gegenteil, dies ist auch bei der 28. Auflage dieser Veranstaltung ihr Erfolgsrezept. Das gemeinsame Toben nach Herzenslust und ohne Wettbewerbscharakter wird, finanziell unterstützt von der Stadt, federführend von zwei Vereinen koordiniert, dem TSV Bonames und dem Rollstuhl-Sport-Club Frankfurt. Das Referat Inklusion der Sportjugend Hessen, der Deutsche Rollstuhl Sportverband, die Fachhochschule Frankfurt, die Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik und der Hessische Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband helfen mit. Trotz des scheinbaren Kuddelmuddels ist jede Station für sich gut durchdacht und erprobt. Sicherheit geht vor. Drei 7,5-Tonner macht allein der TSV Bonames jedes Jahr voll, um all die Gerätschaften in die Halle zu karren, und 80 ehrenamtliche Helfer hat dieser Verein für diese Veranstaltung im Einsatz.

Neben den Kindern und ihren Eltern nutzen das Spielfest immer wieder auch Vertreterinnen und Vertreter von im Bereich der Inklusion besonders engagierten Vereinen zum Austausch unter Gleichgesinnten. Speziell für sie ist auch die FR ein Dauergast beim Integrativen Spiel- und Sportfest: Die Schlappekicker-Aktion der FR belohnt schon seit 1997 Vereine, die sich vorbildlich für den Sport von Menschen mit einem Handicap engagieren. In diesem Jahr wurden im Rahmen der Eröffnung der Veranstaltung wieder drei Förderschecks zu je 3000 Euro vergeben. Die Laudationes gehen zwar im allgemeinen Getümmel traditionell unter, aber was soll’s: Die Hilfe kommt an, das ist im Sinne der Inklusion die Hauptsache, und Sonntagsreden sind in diesem Kindergetöse ohnehin müßig.

Budo-Club Mühlheim: Judo mit Behinderung

Judo für Menschen mit einer geistigen Behinderung: Der Budo-Club Mühlheim verfügt über das engagierteste und nachhaltigste Angebot im Bereich des Judos für Menschen mit einer geistigen Einschränkung in Hessen. Seit 1998 bietet der Verein Judounterricht speziell für diese Zielgruppe an. „Judo der Behinderten“ bildet inzwischen eine eigene Abteilung im Verein. Die spätere Aufnahme in bestehende Gruppen Nichtbehinderter hilft, die soziale Isolation durchbrechen. Die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen mit einer geistigen Behinderung stellen inzwischen mehr als zehn Prozent der Vereinsmitglieder. Die Übungsstunden werden von einem Sportarzt begleitet. In einem neuen Projekt möchte der Verein aktiv auf junge Menschen mit einer geistigen Behinderung in Kindertagesstätten und Werkstätten zugehen.

Mit dem Geld vom Schlappekicker will der Budo-Club Mühlheim mit seinen geistig behin-derten Sportlern im kommenden Jahr zu Wettkämpfen nach Dülmen, München, Speyer und Berlin sowie zu den Special Olympics-Winterspielen in Liechtenstein und Berchtesgaden fahren. Zudem sind auch in weiteren Werkstätten Werbemaßnahmen für das Vereinsangebot geplant.

TG Schwalbach: Fokus auf Inklusion

Die Integration von Menschen mit einer körperlichen oder geistigen Behinderung wird in diesem Verein sehr wichtig genommen. Seit zwei Jahren können Menschen mit Behinderung bei der TG Schwalbach das Deutsche Sportabzeichen ablegen. Zudem organisiert der 1700-Mitglieder-Verein mit mehr als 60 ehrenamtlichen Helfern jährlich den Schwalbacher Volkslauf „Sport gegen Armut“, bei dem Menschen mit Behinderungen ebenso eingebunden werden – inzwischen sind es rund 30 Läuferinnen und Läufer. Auch Judo für Menschen mit einer geistigen Behinderung bietet die TG seit langem an. „Wir sind offen für alle Menschen und als Verein gefordert, die Gesellschaft zusammenzuhalten. Wir wollen als Familie Sportverein über alle Grenzen und Voraussetzungen hinweg Menschen Sport anbieten“, sagt der Vereinsvorsitzende Kurt Kreyling, „dafür haben wir engagierte Übungsleiter.“ 

Mit dem Preisgeld vom Schlappekicker will der Verein seine Werbung für die Inklusion und Integration über die Fördervereine der Schwalbacher Schulen verstärken, es sollen neue Geräte und Hilfsmittel beschafft werden, „und wir werden Kindern mit körperlichen, geistigen und finanziellen Einschränkungen die Startgelder bei unserem nächsten Schwalbacher Volkslauf, ,Sport gegen Armut‘ am Sonntag, 28. Juni 2020, erlassen und ein Laufshirt schenken“, sagt Kreyling. 

FIPS: Förderung in Psychomotorik

Der Verein Förderung in Psychomotorik Kindersport Wiesbaden (FIPS) bietet Kindern im Alter von drei bis 15 Jahren mit und ohne Bewegungsauffälligkeiten und mit und ohne körperliche und geistige Beeinträchtigungen seit 30 Jahren die Möglichkeit, ihre Bewegungsfähigkeit zu entdecken und weiterzuentwickeln. Die individuell auf die Bedürfnisse und Fähigkeiten des Kindes abgestimmte Bewegungsförderung erfolgt unter Anleitung von ausgebildeten Motopädinnen, Sportpädagogen und Heilpädagoginnen in Kleingruppen im ganzen Stadtgebiet. Der Verein wurde 1989 von Eltern gegründet, um eigenen und anderen Kindern in einer fröhlichen, leistungsfreien Umgebung Bewegungsstunden in Gruppen anzubieten. FIPS hat in Wiesbaden rund 90 aktive Mitglieder und ist Mitglied im Landessportbund Hessen und im Hessischen Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband. Seit zwölf Jahren kooperiert der Verein mit einer Schule für Lernförderung. Ziel des Vereins ist es, sein Angebot so zu gestalten, dass es allen Familien zugänglich ist. 

Den Spendenscheck vom Schlappekicker möchte FIPS dazu nutzen, die materielle Ausstattung des Vereins zu verbessern.

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