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„Ein Abstieg ist nicht das Ende" – Möller und Günsch motivieren Nachwuchs

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Begehrter Gesprächspartner und jetzt auch Buchautor: Fußball-Weltmeister Andreas Möller (rechts), daneben am Tisch Fifa-Schiedsrichter-Assistent Christof Günsch (links) und der HFV-Vizepräsident Sascha Schnobrich.
Begehrter Gesprächspartner und jetzt auch Buchautor: Fußball-Weltmeister Andreas Möller (rechts), daneben am Tisch Fifa-Schiedsrichter-Assistent Christof Günsch (links) und der HFV-Vizepräsident Sascha Schnobrich. © Rolf Oeser

Weltmeister Andy Möller und Fifa-Schiri-Assistent Christof Günsch zu Gast beim Schlappekicker-Tag der Jung-Schiedsrichter:innen.

Am Anfang läuft alles nach Plan. Vom SV Reggighausen in die internationale Fußballwelt, das war der Traum von Christof Günsch. Er ist engagiert, motiviert, gilt als talentiert und legt einen Lauf hin. Für ihn ist klar, dass er Karriere als Schiedsrichter machen will. Einstieg mit 15 Jahren, mit 21 kommt er in der Oberliga an, pfeift A-Jugend-Bundesliga, zwei Jahre später Regionalliga. Bis zum Abstieg, als er gerade vor dem Bachelor-Abschluss in Politikwissenschaft steht.

Christof Günsch war einer der Gäste der Schlappekicker-Aktion beim Tag der Jung-Schiedsrichter:innen im Haus des Landessportbundes, zu dem der Schlappekicker und der Hessische Fußball-Verband gemeinsam eingeladen hatten. Auf der anderen Seite von Moderator Harald Stenger, Ex-Sprecher der Nationalmannschaft, heute im Schlappekicker-Vorstand aktiv, sitzt Andreas Möller. Der „Frankfurter Bub“, der in seiner Karriere als Fußballer alle Titel gewonnen hat. Vom Kreis- bis zum Weltmeister und dazu noch den Weltpokal. Interessierte Zuhörer:innen sind 50 ambitionierte Mädchen und Jungs aus der gesamten Region, die als Wertschätzung ihres Einsatzes und für weitere Motivation an diesem Tag dabei sein können.

Es gibt viel Gesprächsstoff nach einem Grußwort des HFV-Vizepräsidenten Sascha Schnobrich. Alle dürfen mitreden, Fragen stellen, eine lockere Gesprächsrunde auf Augenhöhe, in der man sich duzt und die später beim Auftritt von Schiedsrichter-Legende und DFB-Lehrwart Lutz Wagner weiter Fahrt aufnimmt. Da werden aktuelle Regelkunde-Videos gezeigt und zur Diskussion gestellt. Und abschließend übt Thorsten Schenk vom HFV-Lehrstab mit freiwilligen Kandidaten bei Rollenspielen das Auftreten auf dem Platz ein, das schon bei der Ankunft auf dem Spielplatz beginnt.

Je höher die Liga ist, in der gepfiffen wird, umso höher sind die Ansprüche an die Referees. In den Gesprächen mit dem Ex-Weltmeister am Ball und dem Mann mit der Pfeife geht es um mentale Stärke, Selbstbewusstsein, um den nötigen Ehrgeiz, die Energie dafür und Disziplin, den Glauben an sich selbst. Wie geht man mit Rückschlägen um? Wie kommt man aus einem Tief?

Andreas Möller
„Glaubt an euch, das ist wichtig“, fordert Andreas Möller die Jung-Schiedsrichter:innen auf. © Rolf Oeser

Energie, Disziplin und Ehrgeiz

Bei Christof Günsch war es der Abstieg nach elf Jahren Aufstieg. Endstation Regionalliga, „worst case“ in seiner Gefühlswelt. Energie, Disziplin, Ehrgeiz haben ihn zurückgebracht, das kommt an bei den jungen Schiris. Zwei Jahre später ist Günsch zurück, pfeift 53 Spiele in sechs Jahren in der zweiten Liga. Den Sprung in die Top-Liga wird er nicht mehr schaffen. „Da hat sich für mich der Weg abgezeichnet, auf die Assistenten-Schiene zu setzen“. Ohne respektlos zu sein: Immer nur Spiele wie Sandhausen gegen Paderborn statt HSV gegen Köln, das wollte er nicht mehr.

Die Frage ist: Was macht einen stark?

„Glaubt an euch, das ist wichtig“, fordert Andreas Möller die Jung-Schiedsrichter:innen auf, nachdem er zuvor fast eine Stunde über interessante Erlebnisse als Profi geplaudert hat. Was macht einen stark? Günsch bezieht klar Position aus Schiedsrichter-Sicht: „Ein Abstieg ist nicht das Ende, die Tür ist immer offen.“ Günsch wechselte an die Seitenlinie, rutschte dadurch sofort eine Klasse höher, assistierte bei 130 Bundesligaspielen und darf „international winken“. Ist jetzt unterwegs zwischen Bologna und Sevilla, Montenegro und Armenien. Denn er gehört seit Anfang des Jahres zur Elite, deren Namen auf der Fifa-Liste der Schiri-Assistenten stehen.

Die Schiene reizt auch Niklas Hahne (16) von TuS Hornau. Dieses Jahr hat er mehr als 80 Spiele gepfiffen, dafür bekommt er von Günsch ein signiertes goldgelbes Schiri-Trikot mit DFB-Logo. Melina Metaxa (21), eine der wenigen jungen Frauen in der Runde, würde auch gerne noch ein bisschen höher pfeifen als bisher Frauen-Gruppenliga, die Profi-Laufbahn wird es wohl nicht. Da sind Ausbildung und mögliches Studium im medizinischen Bereich einfach zu wichtig. Den Tag der Jung-Schiedsrichter:innen findet sie „total spannend.