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„Und dann fiel das Flutlicht aus“

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Versteigerung für den guten Zweck: Arnd Festerling hält in der Pause des Spiels der Eintracht-Traditionsmannschaft in Walldorf die signierten Fußballschuhe von Mario Götze in der Hand.
Versteigerung für den guten Zweck: Arnd Festerling hält in der Pause des Spiels der Eintracht-Traditionsmannschaft in Walldorf die signierten Fußballschuhe von Mario Götze in der Hand. © Michael Schick

Der Schlappekicker-Vorsitzende Arnd Festerling über das ereignisreiche Jubiläumsjahr 2025, zahlreiche spannende Projekte, die Arbeit im Vorstand - und ein Versprechen

Mit knapp drei Millionen Euro konnte die Schlappekicker-Aktion in 75 Jahren bedürftige Sportlerinnen und Sportler sowie sozial engagierte Initiativen und Vereine unterstützen. Woher die Spenden kommen und wohin sie gehen, sagt Schlappekicker-Vorsitzender Arnd Festerling in unserem Interview.

Herr Festerling, die Schlappekicker-Aktion feierte 2025 ihr 75-jähriges Bestehen. Wie fällt Ihr persönliches Fazit des Jubiläumsjahres aus?

Wir blicken auf ein tolles Jahr zurück. Wir  hatten ein sehr gutes Sammelergebnis 2024 und die Spenden haben sich  direkt in unseren Hilfen 2025 niedergeschlagen. Alle Vereine und Initiativen, deren Projekte wir unterstützen, erhielten einen „Jubiläums-Aufschlag“ – wie etwa die fünf Vereine, die wir beim Inklusionsfest für ihre herausragende Arbeit für Menschen mit Handicap ausgezeichnet haben. Bei dem Fest mit mehr als 100 Teilnehmenden und Gästen zeigte sich übrigens auch, dass unsere Inklusionsallianz gemeinsam mit dem Sportkreis Frankfurt immer mehr Vereine erreicht und bei ihrer Arbeit unterstützt. Auch die Förderung von sechs Sonderprojekten haben wir 2025 aufgestockt. Und schließlich konnten wir bei der Jubiläumsfeier im Römer den KSC Bensheim als würdigen Schlappekicker-Preisträger auszeichnen und ihm mit dem Jubiläums-Zuschlag eine zusätzliche Freude bereiten.

Das Jahr war aber nicht ganz frei von Pannen.

Der Flutlichtausfall beim Benefizspiel der Eintracht-Traditionsmannschaft? Ja, ausgerechnet als Frankfurts Oberbürgermeister Mike Josef seinen Einsatz an der Seite vieler Ex-Profis im Tradi-Team hatte, fiel kurz nach der Pause das Flutlicht aus. Beeindruckend, in welch toller Atmosphäre das Spiel von Schiedsrichter Lutz Wagner mit einem Elfmeterschießen im Halbdunkel zu Ende gebracht wurde. Unser Schirmherr Karl-Heinz Körbel witzelte, dass die Walldorfer so ihre Niederlage in Grenzen halten wollten – es war ein Abend, der unvergesslich bleiben wird. Das gilt auch für unseren Museumsabend auf Einladung der Eintracht im Stadion mit Sebastian Rode und Simon Rolfes als prominenten Interview-Partnern, oder unser alljährlich mit dem HFV ausgerichtetes Seminar für Jung-Schiedsrichterinnen und -Schiedsrichter mit Andreas Möller und dem hessischen Fifa-Schiedsrichter-Assistenten Christof Günsch.

Zu einem Fazit gehört für Vereine, die von Spenden leben, auch immer die Frage nach dem finanziellen Stand der Dinge…

Gerade im Jubiläumsjahr haben viele Schlappekicker-Freundinnen und Freunde großzügig gespendet. Wir stehen kurz vor dem Ende der Sammlung 2025 wieder vor einem beachtlichen Ergebnis. Dank dieser Bereitschaft haben wir in den 75 Jahren geschätzte drei Millionen Euro geben können an unverschuldet in Not geratene Sportlerinnen und Sportler sowie Vereine und Initiativen, die sich um die gesellschaftliche Verantwortung des Sports verdient machen.  Allein seit 2017 konnten wir rund 500.000 Euro sammeln und damit etwa 80 Vereinen helfen

Wie erklären Sie sich diese Spendenbereitschaft?

Das hat in erster Linie natürlich etwas damit zu tun, wen wir unterstützen, dass wir uns mit einem klaren regionalen Bezug in der Welt des Sports bewegen. Wir garantieren, dass das Geld nach unserem besten Wissen im Sinn der Spenderinnen und Spender verwendet wird. Wir entscheiden in jedem einzelnen Fall im Vorstand erst nach persönlichen Gesprächen und Besuchen vor Ort, ob und wofür wir Spendengeld weitergeben. Dafür stehen wir, das ist unser Versprechen. Und nach einem Jahr muss die Verwendung der Spende schriftlich dokumentiert werden.

Neben Vereinen und Initiativen unterstützt der Schlappekicker auch Personen?

Früher war das unsere zentrale Aufgabe: Der Sozialstaat steckte in den Kinderschuhen und häufig war Kriegsversehrten schon mit einem Eimer Kohlen zum Heizen existenziell geholfen. Aber auch heute gibt es Menschen, die dringend der Unterstützung bedürfen. Einige aus dem Bereich des Sports unterstützen wir: den Hessenmeister Johannes Hablik, der sich 2002 während eines Wettkampfs bei einer Bodenübung so schwer verletzte, dass er seither querschnittgelähmt ist. Der Fußballer und Trainer Felix Mack ist nach einem unglücklichen Sturz ebenfalls querschnittgelähmt, Dietmar Roth nach einem Schlaganfall schwer beeinträchtigt und der nach einer Hirnblutung stark eingeschränkte Hessenauswahl-Spieler Peter Fischer benötigt Unterstützung für Rehamaßnahmen. Ihnen allen helfen wir, so gut wir es eben können im Rahmen des jährlichen Schlappekicker-Etats.

Wie geht es weiter mit der Hilfsaktion im Jahr 2026?

Ich sag‘ mal scherzhaft: Business as usual. Wenn wir Anfang Januar einen Überblick über die eingegangenen Spenden haben, schauen wir uns um, wo Geld gebraucht wird. Dann entscheiden wir im Vorstand. Einiges haben wir schon jetzt im Auge: Schwimmkurse für Tafelkinder wollen wir wieder unterstützen, genauso das ID-Fußballteam des Hessischen Behindertensport-Verbandes, um nur zwei Projekte zu nennen. Spätestens vor den Sommerferien steht dann unser Gesamtkonzept, wobei wir natürlich immer noch eine finanzielle Reserve für aktuelle Notfälle bereithalten.