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Eine Probe für das Schauspiel-Vordiplom an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt.
Eine Probe für das Schauspiel-Vordiplom an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt. © Peter Jülich

Die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst bringt ihre Studierenden mit Musik, Tanz und Dramatik auf die Bühne.

Von Palti Talesnikov

Von außen scheint das moderne Gebäude der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HfMDK) äußerst ruhig. Nur sehr wenige Studierende stehen vor der gläsernen Eingangstür. Auch beim Betreten der großen, hellen Eingangshalle ist keine Musik zuhören. Überall sitzen Gruppen von Studenten und Studentinnen, plaudern, essen und genießen die freie Zeit zwischen ihren Vorlesungen.

Doch die entspannte Atmosphäre täuscht darüber hinweg, welcher Organisationsaufwand in diesen Räumen betrieben wird. Denn die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst ist mit über 500 öffentlichen Terminen jährlich einer der großen Kulturveranstalter des Rhein-Main-Gebiets.

Somit ist sie nicht nur eine Universität und Ausbildungseinrichtung, sondern auch ein Ort für den Austausch zwischen Dozent, Student und Publikum. Ein Ort der Vermittlung und der ersten Bühnenerfahrung. Ein Ort der Kommunikation, Begegnung und Interaktion. Grund genug sich die Hochschule etwas genauer anzusehen. Für diesen Artikel sprach ich mit Mitgliedern des AStAs sowie der Leiterin des Künstlerischen Betriebsbüros.

Um zu sehen, was die Studierenden mit der Unterstützung ihrer Lehreinrichtung schaffen können, muss man an der HfMDK, mit ihrem Sitz in der Eschersheimer Landstraße 29, nicht lange suchen. Schon in der hohen, weißen Eingangshalle springen die Besucher gleich bunte Plakate zu den verschiedenen Aufführungen, Konzerten und auch Partys, veranstaltet vom AStA, dem Allgemeinen Studierendenausschuss der Hochschule, an. Der AStA, zuständig für die Vertretung der studentischen Interessen sowohl innerhalb der Hochschule als auch gegenüber hochschulexternen Organisationen, gibt auch mir einen Einblick in die Beteiligung der Studierendenschaft an Konzerten und Auftritten.

Emil Riedel, Mitglied des AStAs, studiert Cello im künstlerischen Hauptfach, spielt im Hochschulorchester, beteiligt sich an den freien Projekten der Hochschule und organisiert nebenbei Studierendenpartys mit musikalischer Ausrichtung von Klassik über die Musik der 1920er Jahre bis hin zu Hip Hop. „Die Möglichkeiten, sich zu beteiligen, sind hier groß“, sagt Emil nach dem Schluss der AStA-Sitzung in dem kleinen Büro des Studierendenausschusses.

Es gibt mindestens zwei bis drei Orchesterprojekte pro Semester. Dazu kommen noch kleinere Projekte, welche meist von einer Lehrkraft und ihrer Klasse ausgerichtet werden, und dann in gemeinsamer Planung und Durchführung entstehen. Auch solche „Klassenkonzerte“ finden mehrmals im Semester statt und sind, wie auch die Orchesteraufführungen, für ein öffentliches Publikum zugänglich. Der Besetzung sind dabei keine Grenzen gesetzt, erzählt Emil und beginnt aufzuzählen: „Kammermusikkonzert, Trio oder Solo, es war schon alles dabei!“. „Jeden Abend gibt es eine Aufführung oder ein Konzert“, versichert er. Denn nicht nur öffentliche Konzerte werden durchgeführt: „Oft treffen sich die Studierenden in Gruppen, setzen sich zusammen und musizieren.“

Und auch eine Vermittlung der Studierenden für Unternehmen und Privatkonzerte gibt es. Die Schauspielerinnen und Schauspieler proben und zeigen Szenen aus Stücken oder Monologe. Tänzerinnen und Tänzer haben mindestens vier Auftritte im Jahr, für welche sie sich im täglichen Training vorbereiten. Ein Highlight ist der „Tanzmarathon“, ein Abend, der mehrere Stücke und Ensembles in einer großen Vorstellung vereint.

´„Es ist ein riesiges Angebot“, sagt Emil. Und das glaube ich ihm, nachdem ich einen Blick auf das Programm für den nächsten Monat geworfen habe. „Zwar ist es nicht immer einfach, man muss manchmal bis zu sechs Stunden am Tag für diese Aufführungen üben – aber es lohnt sich!“, wirft sein Mitstudent Lukas ein: „Denn die Erfahrungen, welche man vor einem Publikum macht, sind unbezahlbar.“

„Eben diese Erfahrungen wollen wir unseren Studierenden bieten“, erzählt Daniela Kabs aus dem Künstlerischen Betriebsbüro. Alle Veranstaltungen, ob öffentlich oder privat, an welchen Studierende teilnehmen, werden von ihr organisiert. „Die Studierenden sollen ein Gefühl der Förderung erhalten, Erfahrungen mit der Öffentlichkeit machen, ihren eigenen Radius ausbauen und sich vor allem auf die persönliche Betreuung der HfMDK verlassen können“, sagt sei.

Die Künstlervermittlung spielt bei diesen Prozessen eine große Rolle, denn so sammeln die Studierenden die meiste praktische Erfahrung. Eigens dafür wurde die neue Vermittlungs-Homepage eingerichtet. „Mein Traum wäre es, den gesamten Entwicklungsprozess zu digitalisieren“, sagt Daniela Kabs, „und wir sind auf einem guten Weg dorthin.“

Das Jahr 2018 war sehr erfolgreich: 590 Veranstaltungen wurden durchgeführt, darunter 165 öffentliche Veranstaltungen ohne Eintritt und 14 Großveranstaltungen. Erst wenn man bedenkt, dass hinter jedem Konzert rund 44 Organisationsschritte liegen, lässt sich der Aufwand hinter den Veranstaltungen erahnen. Auch im Jahr 2019 sind viele Events vorgesehen, neben den traditionellen Konzerten soll es auch neue Kooperationen und Gastauftritte bekannter Künstler geben.

Nach den beiden Interviews verlasse ich die Hochschule mit einer Fülle an Informationen und Eindrücken. Obwohl mir nun bewusst ist, dass an diesem Ort der Kreativität auch viel organisiert und gearbeitet wird, verdrängt dieses Wissen nicht die entspannte Atmosphäre, die in dem Hochschulgebäude herrscht. Auch abends ist die hohe Eingangshalle hell beleuchtet und hat (trotz der wenigen Studenten) ihre einladende Wirkung nicht verloren. Ich freue mich schon, hierher für künftige Konzerte zurückzukehren.

Der Autor ist Schüler der Begemann Schule in Frankfurt.

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