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Ein süßer Hund - Tierliebe alleine genügt aber nicht, um in der Tierpflege zu arbeiten.

Mein Frankfurt

Arbeiten im Tierheim

Schmusen und nur Gassi gehen, oder steckt ein richtiges Medizinstudium dahinter?

Von Clara Kremer, Lola Ulbrich und Sophie Wöhrmann

Um im Tierheim arbeiten zu können, reicht es nicht, tierlieb zu sein. Es ist ein harter und außerdem unterschätzter Beruf.

„Sie sollten sich genau überlegen, ob es Ihnen wichtig ist, viel zu verdienen.“ Im Interview erklärt uns die Leiterin des Tierheims in Fechenheim, dass man bereit sein muss, sein Vergnügen dem Beruf zu opfern. Anders als viele junge Menschen denken, welche sich für diesen Beruf interessieren, deckt der monatliche Verdienst nur die Grundkosten ab. Außerdem haben Jugendliche, die sich für diesen Beruf interessieren, häufig völlig falsche Vorstellungen darüber, welche Leistungen als Tierpfleger erbracht werden müssen.

Wir haben nicht erwartet, dass eine dreijährige Ausbildung nötig ist, für die man zumindest einen Hauptschulabschluss braucht. Oft brechen junge Interessenten die Ausbildung schon relativ am Anfang ab, weil sie falsche Vorstellungen über den Beruf haben. Es wäre von großem Vorteil, wenn man gegenüber großen Hunden, kranken Katzen und flinken Ratten angstfrei wäre. Außerdem verlangt die Arbeit im Tierheim kompletten Körpereinsatz.

Auch wenn ein Medizinstudium nicht nötig ist, sollte man sich mit den Körpern der Tiere auseinandersetzen. Außerdem ist die Kenntnis von Krankheiten und psychischen Störungen, welche die Tiere mit sich bringen können, wichtig für alle, die im Tierheim arbeiten. Laut der Leiterin des Tierheims wird man zu einem Mini-Mediziner.

Auch vor Verhaltensauffälligkeiten der Tiere darf man nicht zurückschrecken. So machte die Leiterin an einem Beispiel deutlich, dass es schon Fälle gab, wo Mitarbeiter krankenhausreif gebissen wurden. Dies bedeutet nicht, dass jedes Tier so aggressiv ist, es kommt viel mehr darauf an, wo das Tier herkommt und welche Erfahrungen es bereits gemacht hat.

Dennoch ist uns bei unserem Besuch im Tierheim aufgefallen, dass die engen Käfige aus Metall aggressives Verhalten der Hunde geradezu fördern. Wir finden aber, dass dies kein Grund ist, die Tiere oder das Tierheim zu verurteilen, da das Tierheim so viele Tiere anders nicht beherbergen kann. Ein Gegenbeispiel sind Tiere, die von der Straße kommen oder solche, deren fürsorgliches Herrchen/Frauchen verstorben ist.

Diese betteln mit einem harmlosen, lieblichen und dankbaren Blick nach einem neuen Zuhause. Wir erfahren, dass die Bindung zu den Tieren oft sehr stark ist, da die dort Arbeitenden diese wie ihre eigenen Kinder sehen. Das hängt damit zusammen, dass jeder Mitarbeiter für eine Abteilung zuständig ist, somit immer dieselben Tiere betreut, was zu einer engen Beziehung zwischen Mensch und Tier führt.

Der Aussage der Leiterin zufolge fällt es den Tierpflegern einerseits schwer, wenn ein Tier ein neues Zuhause findet, andererseits sind sie glücklich darüber, dass sich den Tieren neue Möglichkeiten eröffnen. Schließlich ist die Weitervermittlung der Tiere auch das höchste Ziel des Tierschutzvereins/Tierheims in Fechenheim. Der Alltag ist nicht so entspannt und einfach, wie vielleicht in der Vorstellung mancher Leser: vormittags wird geputzt, man kümmert sich um die Einrichtung, so dass weniger Zeit für die Tiere bleibt.

Unser Fazit ist, dass die Tierpflege in allen Bereichen – auch beim Verdienst – hohe Opferbereitschaft, aber auch große Tierliebe erfordert. Der Beruf des Tierpflegers und der Tierpflegerin sollte von uns allen wertgeschätzt werden.

Die Autorinnen sind Schülerinnen der Klasse 9c des Lessing-Gymnasiums in Frankfurt

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