Inseln in der Zeitung
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Reportagen werden auch künftig täglich ihren Platz in der neuen FR finden.
Von CHRISTOPH ALBRECHT-HEIDER
Wer über Reportage schreibt, landet irgendwann sowieso bei Egon Erwin Kisch. Also bringen wir das gleich hinter uns. Von Kisch stammt der Begriff "Der rasende Reporter", eine seiner Textsammlungen aus den 20er Jahren trägt den Titel "Hetzjagd durch die Zeit". Kisch wähnte seinen Beruf untrennbar mit Tempo und hoher Geschwindigkeit verbunden.
Das gilt einerseits für den Tageszeitungs-Reporter - und ein solcher war Kisch in seinen ersten Jahren in Prag -, nach wie vor. Andererseits braucht eine gute Reportage Zeit. Aber darum geht es im Moment nicht, sondern um die neue FR im Tabloid-Format, in dem die Reportage zu den so genannten langsamen Seiten zählt, die sich mit den schnellen zu einem angenehmen Rhythmus verbinden.
Die kompakte FR wird nicht zur "Hetzjagd" durchs Blatt, sondern bietet, wie auch die alte FR, immer wieder Lese-Inseln zum Verweilen an. Und zu denen gehört die Reportage, jene journalistische Textform, die zeitungshistorisch später als Nachricht und Kommentar ihren Weg ins gedruckte Blatt fand, aber spätestens seit den Geschichten eines Egon Erwin Kisch, seit etwa einem Jahrhundert also, fester Text-Bestand guter deutschsprachiger Tageszeitungen ist.
Bisher fanden sich Reportagen im überregionalen Teil der Frankfurter Rundschau auf der Seite RundSchau, der letzten Seite des ersten Buches, mitunter auf der Seite 3 und regelmäßig im Magazin am Wochenende. Künftig wird diese Textsorte stärker gebündelt: Jeden Tag wird es eine Seite für die erzählte Geschichte aus dem In- und Ausland geben. Das variable Tabloid-Layout macht es dabei möglich, dass ein Text auch noch Platz auf der Nachbarseite einnehmen kann.
Die tägliche Reportage-Seite finden Sie meistens in der ersten Hälfte der neuen Frankfurter Rundschau, in der Nähe der Ressorts Politik und Wirtschaft. Reportagen erscheinen aber auch regelmäßig auf der Panorama-Seite in der Mitte der neuen Zeitung. Und sie können an anderen Stellen stehen, wenn sie thematisch dort hingehören, beim Feuilleton zum Beispiel oder im Sport.
Aber sind lange Texte - die Reportage gehört zu den längsten der Zeitung - und das kleine Format kein Widerspruch? Keine Sorge. Generationen von Schülerinnen und Schülern (und nicht nur die) haben die Klassiker der Weltliteratur als Reclam-Bändchen gelesen. Und als Heinrich Maria Ledig-Rowohlt vor 57 Jahren Hans Falladas "Kleiner Mann - was nun?" kleinformatig und ohne harten Einband auf den Markt brachte, da begann damit nicht der Niedergang der Literatur, sondern die Erfolgsgeschichte des Taschenbuchs.