1. Startseite
  2. Über uns

Erweitert

Uns auf Google folgen

Das neue FR-Feuilleton

Das Wort Feuilleton kommt aus dem Französischen und ist die Verniedlichungsform von Feuille, das Blatt. Das "Blättchen" ist eine Dreingabe, ein Zusatz. Im Rahmen einer weit in das 19. Jahrhundert zurück reichenden Tradition war damit der ,kulturelle und unterhaltsame' Teil einer Zeitung benannt, all das also, was sich nicht in die Form der übrigen Berichterstattung fügen wollte. Diese klare Unterscheidung ist uns im Laufe der Zeit, vor allem aber in den letzten 30 Jahren, abhanden gekommen. Mittlerweile beherbergt das Feuilleton - der Unterhaltung keineswegs abgeneigt und der Kultur nach wie vor verpflichtet - eine große Vielfalt von Themen und Fragestellungen. Hier wird insbesonder die Kultur großgeschrieben, und das ist in einem ganz buchstäblichen Sinne zu verstehen: KULTUR umfasst die Gesamtheit einer Lebensform, in allen ihren Bereichen, etwa so wie man von der Kultur der Azteken oder von Sprachkultur spricht.

Wer nun befürchtet, dass bei einem so weiten Begriff der Kultur auch die feuilletonistische Beschäftigung mit Bakterienkulturen oder der Esskultur möglich, ja sogar zwingend wird, der fürchtet nicht ganz verkehrt. Nicht nur in dieser Zeitung hat sich das Feuilleton längst aus seinem Nischendasein befreit. Als politisches oder politisierendes, als so genanntes Debattenfeuilleton bewegt es sich nicht mehr nur innerhalb der traditionellen Sparten wie Literatur, Theater, Musik, Kino oder Architektur, sondern beschäftigt sich seit geraumer Zeit mit so disparaten Themen wie Gentechnologie, Sozialstaat oder Irakkrieg. In diese Richtung hat sich das Feuilleton der Frankfurter Rundschau fortentwickelt, immer um die Balance zwischen Debatten- und Spartenfeuilleton besorgt, in der Spannung zwischen KULTUR und Kultur.

Das wird auch in Zukunft so sein. Denn nur so erhält das Feuilleton seine lebendige Façon. Kein Feuilleton ohne Rezension, ohne Kritik, gründliche Berichterstattung und gewissenhafte Bewertung. Feuilleton ist eine mitlaufende Beobachtung zu gesellschaftlichen Prozessen. Dazu gehört aber auch die Neugier auf Themen, die außerhalb des etablierten Rezensionsbetriebs liegen. Neben dem Debattenfeuilleton wollen wir uns in Zukunft vor allem in unserem neuen Angebot am Donnerstag, es wird FR Plus Kultur heißen, auf sechs Seiten und in Farbe um eine Erweiterung unseres Kulturbegriffs bemühen. Das Plus bezieht sich insofern nicht auf ein quantitatives Mehr, so als ob das Feuilleton dem bloßen Seitenumfang nach jetzt nur größer werden soll. Für uns gilt vielmehr das Motto: Entdecke die Möglichkeiten!

Mit FR Plus Kultur bieten wir ein, was die Formen und die Inhalte angeht, erweitertes Angebot, eine Variation, eine Spielart des bisherigen Feuilletons. Im Spannungsfeld von Hochkultur und Pop werden wir uns auch weiterhin bewegen. Allerdings stehen uns mit FR Plus Kultur andere Möglichkeiten der Aufmachung und der Gestaltung zur Verfügung. FR Plus Kultur bedeutet eine qualitative Erweiterung des Feuilletons. Dabei werden unseren Lesern vertraute Formen hier durchaus wiederzufinden sein, etwa Marcia Pallys Flatiron Letter, die Gerichtsreportage oder die CD-Kolumne "Extrasilber". Aktuelle Kinofilme werden in Zukunft in FR Plus Kultur besprochen, begleitet von einer Liste der am jeweiligen Donnerstag anlaufenden Filme. Ein bisschen nützlich wollen wir schon sein...

Darüber hinaus aber werden wir die Möglichkeiten haben, mit FR-Plus Kultur endlich auch diejenigen Themen angemessen zu präsentieren, für die uns im bisherigen Feuilleton der Platz fehlte. So können Reportagen oder auch Rezensionen etwa über Architektur umfassend bebildert werden. Generell gilt es, die KULTUR immer wieder neu zu erkunden, Lebenswelten zu entdecken: KULTUR und Kultur geht uns alle an, wir leben in ihr. Aufs Ganze gesehen wird das erweiterte Feuilleton der Frankfurter Rundschau in seiner neuen Gestalt das bleiben, was immer war, nämlich eine Dreingabe, unvermeidlich und unverzichtbar zugleich. FR