Schlappekicker-Preis für Inklusion verliehen: Beim Hockey vergisst Jessica die Behinderung
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Die Schlappekicker-Aktion vergibt in ihrem Jubiläumsjahr mehrere Preise für die Förderung besonderer, inklusiver Sportprojekte.
Ein erblich bedingter Gendefekt hat bei Daniel Bauer schon früh zu einer heftigen Muskelatrophie geführt. Bis er sechs Jahre alt war, konnte er noch laufen, dann sind die Beine rapide schwächer geworden, der Muskelschwund war unaufhaltbar. Seitdem ist der 33-Jährige auf einen Rollstuhl angewiesen. Sein Bruder David (31) muss das gleiche Schicksal tragen.
Heute frönen die Brüder einem rasanten Sport mit viel Tempo und Technik, spielen beide im Verein und im Nationalteam. David ist der Kapitän, Vize-Europameister sind sie geworden, der Traum ist die WM 2026 in Finnland.
In Deutschland sind die „Black Knights“ das Maß im Powerchair-Hockey-Sport. Die schwarzen Ritter vom ERHC Dreieich, bei denen nur Vollgas zählt. Mit einer Hand wird der Ball geschlagen, mit der anderen der Elektro-Rollstuhl gelenkt, das erfordert höchste Konzentration auf dem Spielfeld. Die Knights sind achtmal Deutscher Meister geworden, haben internationale Turniere gewonnen. Im Tor steht Jessica Trommer, sie liebt die Schnelligkeit des Spiels. Und „dass man dabei seine Behinderung vergisst“. Alle Teams spielen gemischt, „wir lassen jeden mitspielen“, sagt Vereinschef Günter Keller.
Der ERHC Dreieich bietet schwerstkörperbehinderten Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen die Chance, Mannschaftssport auf hohem Wettkampfniveau auszuüben. Er ist einer von fünf Preisträgern, die vom „Schlappekicker“ für ihre Ideen im Bereich „Inklusive Sportprojekte“ ausgezeichnet wurden. Der Sportkreis und die Schlappekicker-Aktion hatten die Vereine am Sonntag in die Sportfabrik Fechenheim eingeladen. David und Daniel Bauer waren live dabei.

Zur Eröffnung mit einem Auftritt des inklusiven Internationalen Turn- und Tanzvereins ITTV Frankfurt und seinen französischen Gästen aus Savigny sur Orge war auch Oberbürgermeister Mike Josef gekommen. Der Sportkreis-Vorsitzende Roland Frischkorn sprach bei der Begrüßung von einem „wunderbaren Anfang mit bewegenden Minuten“. Steffi Diefenhardt vom ITTV, Preisträger 2024, traf den Punkt: „Wir sind international, inklusiv, mehr geht nicht.“
So voll war die Tribüne noch nie wie nun im Jubiläumsjahr der Schlappekicker-Aktion, unter den Gästen viele Menschen aus Sport und Politik. „Der Sportkreis und der Schlappekicker zusammen, das kann nur was Gutes werden“, so OB Mike Josef, längst bekennender Schlappekicker-Fan. „Ihr führt Menschen zusammen, über Brücken hinweg. Dank an all die Vereine und Menschen, die seit Jahrzehnten an den Gedanken glauben, dass zum Sport auch Inklusion gehört.“

Menschen wie Claudia Jesiek. Im Club mit dem schönen Namen „Ohne Norm in Form“ (ONiF) gilt sie als der gute Geist des Vereins, verriet Harald Stenger bei der Vorstellung, seit acht Jahren ist sie die Frau für alles. ONiF aus Gießen hat seit dem Start vor 30 Jahren einfache Ziele. Gemeinsam Sport zu machen bringt Spaß, dient der Förderung der Gesundheit, stärkt Selbstbewusstsein, macht unbeschwert, weil Gefühle geteilt werden. Dies inklusiv zu denken, war damals „der Zeit voraus und eine frühe und kluge Entscheidung“, so der stellvertretende Schlappekicker-Vorsitzender Harald Stenger.
Heute hat ONiF 148 Mitglieder, etwa ein Drittel sind Menschen mit zum Teil erheblichen Behinderungen vom Down-Syndrom bis zu psychischen Erkrankungen. Basketball, Schwimmen, Spinning und Eltern-Kind-Sportgruppe gehören zum Programm, die Philosophie des Yoga passt zu allen Sportarten. „Du musst nichts, du kannst alles, jeder Körper ist einzigartig und dadurch auch anders gelenkig.“ Man trifft sich auch zu Rätsel-Wanderungen und zu Foto-Touren.

„Ohne Norm in Form“ ist einer der allesamt würdigen Preisträger. Alle erhalten im Jubiläumsjahr 75 Jahre Schlappekicker ein um 750 Euro erhöhtes Preisgeld von jeweils 3750 Euro. Dass in den Vereinen das Preisgeld in gute Hände kommt, dafür verbürgen sich Menschen wie Günter Keller und Claudia Jesiek.
Oder Typen wie Matthias Körner, der sich um die neue Abteilung Golf im Rollstuhl-Sport-Club RSC Frankfurt kümmert. Weil da einer ankam nach einer Oberschenkel-Amputation und angefragt hat, ob da nicht was ginge in dem Verein, der schon Abteilungen für Tischtennis, Rugby, Tanzen, Curling, Handbike, Schwimmen, Tennis und Basketball im Portfolio habe.
Hat sich Matthias Körner gedacht, das könnte doch funktionieren, Golf ist ja der Sport, in dem das jeweilige Handicap eine wichtige Rolle spielt. Auch hier das klare Zeichen: „Das Leben geht weiter.“ Jeder kann Golf spielen, wie er ist, Wettkampf auf Augenhöhe, jeder kann gewinnen.

Spenden
Der Schlappekicker hilft seit 75 Jahren Sportlerinnen und Sportlern, die unverschuldet in Not geraten sind.
Zudem fördert die FR-Aktion Sportvereine und -initiativen, die sich in besonderer Weise gesellschaftlich engagieren.
Spendenkonto:
Schlappekicker-Aktion
IBAN: DE52 5001 0060 0007 0136 06
BIC: PBNKDEFF

Weitere Preisträger in diesem Jahr sind TuS Griesheim, der nach dem Konzept Ping Pong Parkinson nun inklusives therapeutisches Schwimmen in sein Programm aufgenommen hat und mehrere Kurse anbietet. Der SC Opel Rüsselsheim, ein reiner Fußballverein, will unter dem Motto „SCO bewegt“ sozialer „Mitspieler“ in der Stadt sein. Der Verein plant bereits den dritten Inklusionstag, der in den vergangenen beiden Jahren das Thema zu einem sportlichen Fest in der Stadt gemacht hat. Ein Streetsoccer-Turnier für Toleranz steht bereits, geplant ist außerdem, Feste der Kulturen wie Ramadan, Fastenbrechen, Ostern und Weihnachten gemeinsam zu feiern.