Ab ins Getümmel von Kalbach
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Integratives Spiel- und Sportfest in Kalbach: In dem Frankfurter Stadtteil wird gesportelt und gespielt, und Preise für Vereine, die Inklusion fördern, gibt es obendrein.
So recht wissen Markus und Tobias noch nicht, wohin es als Nächstes gehen soll. Sie stehen inmitten dieser imposanten Sporthalle in Kalbach, in der zum 24. Mal das Integrative Spiel- und Sportfest stattfindet. Mit ihrer Gruppe der Lebenshilfe Darmstadt sind die beiden behinderten Herren dafür extra nach Frankfurt gekommen – dem Anlass entsprechend selbstverständlich in sportlicher Kleidung; Markus im klassischen Trainingsanzug, Tobias im Trikot der Fußballnationalmannschaft. „Zu Hause spiele ich immer Fußball“, sagt der 28-jährige Darmstadt-Fan. Er tue das jeden Freitagabend für eine Stunde. In Kalbach allerdings gibt es diesen Sport ausnahmsweise einmal nicht. Stattdessen werden 15 Stationen geboten, an denen sich die Menschen austoben können. Doris Kuch vom TSV Bonames, der die Veranstaltung zusammen mit dem Rollstuhl-Sportclub Frankfurt organisiert, erklärt: „Es geht um die Bewegung mit Spaß, ganz ungezwungen, ob mit oder ohne Behinderung.“ Das wird auch in den Vereinen im Rhein-Main-Gebiet unterstützt, von denen fünf im Rahmen der Schlappekicker-Aktion 2015 in Kalbach mit einer finanziellen Honorierung bedacht werden.
Tobias und Markus haben währenddessen ihr nächstes Ziel gefunden: das Luftkissen. Die Schuhe werden von den Füßen gerissen, Markus gibt noch schnell seine Brille dem Betreuer, dann geht es rauf auf das Sprungkissen. Sie hüpfen ein wenig umher, links, rechts, und schon geht es wieder runter. „Normalerweise jogge ich, das macht mehr Spaß“, resümiert der 46-jährige Markus. Dann geht es weiter: zum Tischtennis.
Die Warteschlange an der Station ist etwas länger, es gibt viele, die sich einmal an der Platte ausprobieren wollen. Fünf Minuten später und die beiden Sportbegeisterten dürfen die Schläger in die Hand nehmen. Es mache Spaß, sagt Tobias, aber so richtig überzeugen kann auch der Sport ihn nicht. „Lass uns mal Rollstuhl fahren“, schlägt er stattdessen vor – Markus lehnt ab: „Nee, ich habe gesunde Beine, da möchte ich lieber laufen.“
Der achtjährige Adam sitzt im Rollstuhl, seit dem Alter, in dem er eigentlich hätte laufen können. Sport sei dennoch sein liebstes Schulfach, er habe sogar ein Rollbrett-Zertifikat, sagt seine Mutter Assita und erzählt weiter: „Jedes Jahr kommen wir hierhin, Adam freut sich schon die ganze Woche auf den Tag.“ In der Sporthalle zieht es den kleinen Jungen zum Rollstuhl-Parcours. Viele Meter über Hindernisse, vorbei an Pylonen, auf die Rampe hoch und wieder hinunter. „Das ist richtig schwer wegen der Rampe“, sagt Adam, der dennoch glücklich strahlt, die Runde geschafft zu haben.
Seine Augen schweifen durch die Halle. Überall rennen Kinder umher, sie klettern, turnen, springen. Es gibt in luftiger Höhe eine Kletterwand, an Geräten kann die Geschicklichkeit trainiert werden, auch Basketball in Rollstühlen ist möglich. Adam guckt – und sprintet mit seinem Rollstuhl davon. „Er hat irgendwas entdeckt“, sagt seine Mutter, da ist der Junge schon längst irgendwo in dem Tumult verschwunden.
Weniger schnell zeigt sich da Dieter, ein 77-jähriger Frankfurter, der mit seinem Enkel nach Kalbach gekommen ist. Eigentlich habe er nur zuschauen wollen. Jetzt sitzt er im Rollstuhl. Vor ihm der Parcours. Etwas unbeholfen manövriert er sein Gefährt eher gegen denn über die Hindernisse. Aber irgendwie schlängelt er sich durch. Im Ziel angekommen, fehlen ihm erst einmal die Worte. „Es war so schwierig. Ich hatte die ganze Zeit Angst, nach hinten umzukippen. Und von der Koordination her war es auch nicht leicht“, sagt der Großvater. Eine gute Erfahrung sei es aber dennoch gewesen.
Das findet auch Winfried Walter. Er ist einer von vielen ehrenamtlichen Helfern mit den gelben T-Shirts, die an den Stationen die Leute betreuen. Für ihn ist es das erste Mal bei dem Sportfest: „Ich habe Zeit und mir geht es gut, davon möchte ich auch etwas abgeben“, sagt der Rentner mit Blick durch die große Halle, an deren Längsseite sich eine Tribüne erstreckt.
Die unzähligen angereisten Menschen haben sich dort mit ihren Sachen ausgebreitet, Jacken liegen herum, Essensboxen, Flaschen, Schuhe – und mittendrin sitzt Markus, der Läufer aus Darmstadt. Zwei Stunden hat er sich bewegt, ist mit seinem Betreuer noch auf der kurzen Rennbahn gelaufen, jetzt gönnt er sich eine Pause. Und Tobias? Der steckt noch irgendwo drinnen im sportbegeisterten Getümmel.
