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Der Boxclub KSC Bensheim erhält den Schlappekicker-Preis 2025 für seine Arbeit mit jungen Menschen

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Coole Jungs, lässige Mädchen: Die Kids üben auch am Boxsack.
Coole Jungs, lässige Mädchen: Die Kids üben auch am Boxsack. © KSC Bensheim

Der Boxclub setzt auf Werte wie Mut und Disziplin. Kinder lernen, ihre Kraft verantwortungsvoll einzusetzen. Ein Projekt mit sozialer Verantwortung.

Nachmittags gegen halb fünf kommt Leben in die Bude. Sechs Jungs und sechs Mädchen fallen ein, coole Jungs, lässige Mädchen, alle um die zehn Jahre alt. Ihr Ziel ist die Trainingshalle eines Boxclubs. Den Trainer begrüßen sie Faust an Faust, ganz freundschaftlich. Wenn Morrison Ostermaier die Kids pünktlich zusammenpfeift, wird es sofort still in der Trainingshalle. Das gehört zum Ritual, klappt auch bei den Jüngsten, die sind gerade mal sechs Jahre alt. Eine Minute Meditation im Schneidersitz mit den Händen auf den Knien, eine Minute Ruhe. Einatmen, Ausatmen, mehr nicht. „Ganz schön lang so ne Minute, wenn man ruhig sein muss“, murmelt einer. Konzentration eben auf das Wesentliche.

Coach Morrison Ostermaier macht heute nicht selbst mit, er geht nach einer Hüft-OP noch an Krücken, ist aber wie immer natürlich da. Seine akzeptierte Autorität leidet darunter nicht. Respekt ist eines der Wörter, die an der einen Seite der Trainingshalle in großen Buchstaben über die ganze Länge an der Wand stehen. Mut, Geduld, Disziplin, Willenskraft, Köpfchen, Zielstrebigkeit und ganz groß Spaß steht da außerdem. Das haben alle schon früh inhaliert.

Es sind die Werte und der Weg, auf den Morrison Ostermaier und die anderen im Team die Kinder führen wollen. Es braucht ein hohes Maß an Empathie, um diesen Weg zu gehen, den Spaß an Bewegung und das soziale Miteinander zu verbinden. „Starke Kinder, sicher zur Schule, sicher durchs Leben“ hat der KSC Bensheim sein Projekt überschrieben. „Werte, die uns erfolgreich machen“, mit dieser Philosophie hat Reginald Schulze, einst „vor ungefähr 50 Jahren westdeutscher Vizemeister im Mittelgewicht“, so der Hausherr und Gründervater lachend, den Club 1999 gegründet. Seit 2006 steht der Leistungssport im Hintergrund, Arbeit aus sportpädagogischer Sicht und soziale Verantwortung stehen jetzt im Fokus. Auch die Erwachsenen kommen in der Mehrzahl zum funktionalen Fitness-Training.

Kinder erfahren, Grenzen zu setzen

Die erste Trainingseinheit am Montagnachmittag gehört den Jüngsten. Nach der Meditation geht es sportlich spielerisch um Vertrauen. In zwei Reihen stehen sich die Kinder gegenüber, bauen zusammen eine Sperre auf. An der Seitenwand großformatige Bilder von Größen des Boxsports: Klitschko, Maske, Cassius Clay, Regina Halmich… Einzeln müssen sie mit erhobenen Armen durch die Sperre, mit Vollgas, mit Vertrauen, dass ihnen keiner weh tut. Nach 20 Minuten des Trainings werden die eigenen Boxhandschuhe für zehn Minuten für weitere Übungen übergestreift, aber trotzdem nicht als Kontaktsport. Danach wieder Fitness ohne Handschuhe.

Faust an Faust - die Begrüßung vor dem Training.
Faust an Faust - die Begrüßung vor dem Training. © KSC Bensheim

Im Boxclub in der Doppelhalle am Stadtrand, die einst ein altes Druckhaus war, steigt keiner unter 14 Jahren in den Ring, um zu kämpfen. Von den 300 Vereinsmitgliedern ist die Hälfte unter zwölf Jahre alt. Es geht darum, sie ganzheitlich, emotional, körperlich und sozial zu fördern, Selbstbewusstsein und Verantwortung zu stärken. Darin sieht der KSC Bensheim die Aufgabe seiner Jugendabteilung. Die professionell ausgebildeten und vom DOSB lizenzierten Trainer:innen des Clubs arbeiten mit modernen Methoden, gehen auf die Bedürfnisse der Kinder mit Umsicht ein und verstehen es, diese in jedem Training aufs Neue zu motivieren.

Gewaltprävention ist ein wichtiges Thema in den Trainings. Kinder erfahren, was es heißt, Grenzen zu setzen, dies auch zu kommunizieren und gegenüber Freunden und nahestehenden Personen zu verteidigen. Sie erleben, dass sie Kraft haben und wie sie diese verantwortungsvoll einsetzen können.

Therapeutisches Boxen auch für Erwachsene

Der KSC hat dabei alle im Blick, weil der Erfolg guter Jugendarbeit nach eigenem Anspruch durch Vielfalt bestimmt wird. Immer am Donnerstag treffen sich inzwischen drei Gruppen „Therapeutisches Boxen“, angeboten wird es in Kleingruppen für Kinder ab sechs Jahren mit ADHS, ADS und psychischen Störungen. Trainiert wird mit einer Psychologin mit Box-Lizenz, Voraussetzung ist ein Anamnesegespräch vorab. Für dieses Projekt ist der Verein 2019 mit dem „Goldenen Stern der Sterne des Sports“ ausgezeichnet worden, unvergessen die Begegnung mit der ehemaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Preisverleihung.

Auch für Erwachsene, die aus der Balance gekommen sind, durch Burnout, Depressionen oder Angststörungen, gibt es das Therapeutische Boxen. Es soll helfen, die eigene Kraft zu finden, Selbstbewusstsein zu entwickeln, Gefühle wahr- und anzunehmen. Das Training findet in kleinen Gruppen von maximal 4 bis 6 Personen statt und läuft über ein halbes Jahr. Nicht selten schicken die Vitos-Kliniken inzwischen Patienten mit einer Empfehlung vorbei. „Wir sind schon etwas außergewöhnlich“, sagt Reginald Schulze. Und bestimmt ein würdiger Empfänger des Schlappekicker-Preises, ausnahmsweise dotiert mit 5750 Euro wegen einer Sonderzahlung von 750 Euro wegen des 75-jährigen Bestehens der Schlappekicker-Aktion, und außerdem wie immer verbunden mit der Überreichung der Schlappekicker-Trophäe bei der großen Feier im Kaisersaal des Frankfurter Römers.