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Mehr Lebensqualität durch ganzheitliche Therapie

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Prof. Dr. med. Elke Jäger
Prof. Dr. med. Elke Jäger, Chefärztin der Klinik für Onkologie und Hämatologie im Krankenhaus Nordwest. © Thorsten Jansen / Krankenhaus Nordwest

Interdisziplinär und mit neuesten Behandlungsansätzen gegen Krebs.

Vor zehn Jahren wurde das Interdisziplinär-Onkologische Zentrum (IOZ) am Krankenhaus Nordwest erstmals durch die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) zertifiziert. Es schließt insgesamt sieben Fachzentren ein. Krebspatient:innen werden hier fachübergreifend auf höchstem medizinischem Niveau behandelt. Wie wichtig ist der interdisziplinäre Ansatz bei der Krebsbehandlung?

Krebs ist eine komplexe Erkrankung, die ganzheitlich betrachtet werden muss, was nur unter Einbeziehung verschiedener Disziplinen möglich ist. Zudem entwickelt sich die moderne Krebstherapie rasant weiter. Ständig eröffnen sich neue Möglichkeiten, zum Beispiel durch die Entwicklung neuer zielgerichteter Medikamente, so dass die Behandlungsentscheidung zu einer immer größeren interdisziplinären Herausforderung wird. Daher müssen die verschiedenen Fachrichtungen eng zusammenarbeiten und sich austauschen, um die individuell beste Therapie für den einzelnen Patienten zu finden. Das IOZ bietet diese moderne und interdisziplinär aufgestellte Behandlungsstruktur. Die Tumorboards der verschiedenen Krebszentren, beraten hier eine individuell maßgeschneiderte Therapie für jeden einzelnen Fall.

Frau Prof. Jäger, Sie leiten das zertifizierte onkologische Zentrum, in dem alle (Krebs-) Erkrankungen des blutbildenden Systems mit neuesten Therapieansätzen behandelt werden. Ein wesentlicher Teil Ihrer Arbeit ist die Forschung im Bereich Tumorimmunologie. Welche Rolle spielt die Immuntherapie heute im Portfolio der Krebsbehandlung?

Eine sehr wichtige. Wir sehen die hier häufigeren und selteneren Krebserkrankungen in den verschiedensten Stadien – von Lungenkrebs oder Gallengangkrebs bis hin zu weniger häufigen Krebsarten der Haut oder des Bindegewebes. Bei fast allen kann die Immuntherapie eine sehr potente Behandlungsoption darstellen, sofern sie passt. Der klinische Einsatz der sogenannten Checkpoint-Inhibitoren hat die Perspektiven zahlreicher, in Europa häufiger Tumoren entscheidend verbessert. Darunter versteht man eine Medikamentengruppe, die Immunreaktionen gegen Krebszellmerkmale auslöst und aufrechterhält. Krankheiten wie Lungenkrebs oder das Nierenzellkarzinom galten noch vor wenigen Jahren im fortgeschrittenen Stadium als praktisch nicht behandelbar.

Durch die Checkpoint-Inhibitoren – ob allein oder in Kombinationen mit Chemo- und Strahlentherapie - haben sich die Behandlungsaussichten so verbessert, dass aus einer ursprünglich in kurzer Zeit tödlich verlaufenden eine chronische Krankheit wurde, mit der die Patienten zunehmend länger zurechtkommen – und dies selbst bei Patienten, bei denen es bereits zu Metastasen gekommen ist.

Zur Prüfung, welche der neuen Medikamente gut wirken könnten, werden heutzutage individuelle Biomarkerprofile des Tumors beschrieben.

Kursangebote der Klinik für Onkologie und Hämatologie

Terminvereinbarungen: Tel. 069-76 01 45 22 / Mo.-Fr.: 8.30-16.00 Uhr

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Lebensverlängerung ist ja nicht alles – wie sieht es mit der Lebensqualität aus?

Die Lebensqualität ist das Hauptziel jeder Behandlung. Für den Patienten ist die Krebserkrankung der größte Feind, der klein gehalten werden muss. Dies darf aber nicht mit unangemessenen Maßnahmen geschehen, und daher muss die Behandlung für jeden einzelnen exakt maßgeschneidert und verträglich sein. Und das schließt viele Facetten des Lebens ein.

Sie haben in ihrer ärztlichen Laufbahn eine Vielzahl von Projekten angestoßen, und dies nicht nur in medizinischer Hinsicht. Gerade in Sachen Lebensqualität haben Sie enorm viel bewegt. Unter anderem unterstützen Sie das Projekt „Genussvoll essen – Gestärkt gegen Krebs®“ und initiierten bereits 2006 am Krankenhaus Nordwest die Integration von Bewegungstherapie in die Onkologie. Welche Bedeutung hat Sport in der Krebstherapie?

Mehr als 700 qualitativ hochwertige Studien belegen, dass regelmäßige körperliche Aktivität, speziell in Form von strukturierter, bedarfsorientierter Sport- und Bewegungstherapie, ein hochwirksamer Verbündeter im Kampf gegen den Krebs ist. Insbesondere das sonst nur schwer zu behandelnde Fatigue Syndrom lässt sich bei gut 80 Prozent aller Patienten mit fortgeschrittener Krebserkrankung signifikant verbessern, was zu einer deutlichen Steigerung der Leistungsfähigkeit und der Lebensqualität führt. Zudem wird die Therapie in der Regel besser vertragen und es kommt auch weniger zu Rückfällen als bei inaktiven Patienten. Das Sportprogramm sollte allerdings individuell gestaltet und früh begonnen werden. Am Krankenhaus Nordwest haben wir hierfür ein eigenes Institut für Sport- und Bewegungstherapie gegründet. Wir bieten ein vielfältiges Sportprogramm bis hin zu speziellen Sportreisen.

Das Angebot reicht von Kraftausdauertraining, Nordic Walking, Pilates, Indoor-Rudern bis hin zum Rudern auf dem Main, das seit 2010 in Kooperation mit dem „Ruderclub Fechenheim“ angeboten wird. Viele Patienten sind regelmäßige Mannschaftsteilnehmer bei den über das ganze Jahr hinweg an verschiedenen Orten in ganz Deutschland stattfindenden Benefiz- Regatten der „Stiftung Leben mit Krebs“.

Abgerundet wird unser ganzheitlicher Therapieansatz auch durch ein Angebot in Zusammenarbeit mit dem Städel Museum. Die Patienten können an einem Kursprogramm mit Bildbetrachtungen, Diskussionen und künstlerischem Praxisteil teilnehmen. Außerdem ist die individuelle psychoonkologische Begleitung integraler Bestandteil unseres Behandlungskonzeptes, sowohl für stationäre als auch ambulante Patienten. Darüber hinaus analysiert ein Spezialisten-Team den Ernährungszustand sowie das Essverhalten unserer Patienten und erstellt dann einen individuellen Maßnahmenplan.

Prof. Dr. med. Elke Jäger
Chefärztin der Klinik für Onkologie und Hämatologie
Krankenhaus Nordwest
Steinbacher Hohl 2-26
60488 Frankfurt
Telefon (069) 7601 - 3320 | Fax (069) 7601 – 3919

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