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Lockeres Training mit dem Fußballgott

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Ein ganz besonderer Gast: Alex Meier kickt mit den Kids.
Ein ganz besonderer Gast: Alex Meier kickt mit den Kids. © Renate Hoyer

Die Schlappekicker-Aktion unterstützt das Inklusive Oster-Fußballcamp des SV Sachsenhausen.

Am Anfang heißt der Riese mit dem kecken Zöpfchen noch Herr Meier. Nach den ersten gekonnten Ballberührungen, ein paar sauberen Pässen und knackig platzierten Schüssen aus dem Fußgelenk rufen sie ihn nur noch mit seinem Vornamen. Da ist er einer von ihnen, der Alex mit der schwarzen Schlabberhose, dem grauen Hoodie und den lässigen Sportschuhen ohne Stollen. Das Zusammenspiel klappt intuitiv, da braucht es keine Taktiktafel. An der Basis wird frei heraus gekickt, weiß ja keiner, dass er mit einem „Fußballgott“ zusammenspielt.

Die da mit dem einstigen Fußballgott spielen, der 2015 sogar mal Torschützenkönig der Bundesliga war und viele Jahre draußen im Stadtwald im großen Stadion umjubelter Publikumsliebling von Eintracht Frankfurt, sind internationale Frankfurter Buben zwischen fünf und 17 Jahren, deren Eltern für die letzte Ferienwoche das „Inklusive Oster-Fußballcamp“ des SV Sachsenhausen gebucht haben. Camps dieser Art für Kinder und Jugendliche mit und ohne Handicap veranstaltet der mehr als 125 Jahre alte Verein seit einigen Jahren zwei- bis dreimal pro Saison, treibende Kraft von Anfang an ist Jürgen Medenbach. Die Schlappekicker-Aktion fördert das Projekt in diesem Jahr mit 2000 Euro.

„Wir sind offen für alle“, sagt Alex Radomski, der Vereinsvorsitzende, der auch Jugendleiter und lizensierter Trainer ist und praktischerweise pädagogisch ausgebildet und in dieser Sparte auch beruflich unterwegs ist. Ein knappes Drittel der 26 Camp-Teilnehmer muss mit einem Handicap leben. Im Camp des sich in Sachen Inklusion vorbildlich engagierenden SV Sachsenhausen mit täglich zwei Trainingseinheiten - vormittags und einer weiteren nach dem gemeinsamen Mittagessen im alten Vereinshaus – kümmern sich insgesamt neun Trainer um die Jungs.

Alle freuen sich schon beim Mittagessen riesig auf den Besuch des Ex-Profis im Trainingslager. Auch wenn sie mit ihm kein Bild verbinden, denn das Ende der ereignis- und erfolgreichen Laufbahn des heute 41 Jahre alten Ex-Eintracht-Profis liegt schon ein paar Jährchen zurück. Aber ein Autogramm muss unbedingt sein, noch bevor der erste Ball gekickt wird. Schnell hingeschrieben, egal wohin, auf Kappen, Trikotärmel, aufgetriebene Zettel, ist alles egal. Dazu ein Foto mit Alex Meier für die ewige Galerie, abhaken und endlich Bewegung auf dem Rasen. Jungtrainer Gabriel ist akribisch vorbereitet, er hat zwei Meier-Trikots in schwarz-weiß und schwarz-rot mit (natürlich) der Nummer 14 für die wertvollen Autogramme dabei, sein Kollege Ricardo einen Eintracht-Schal. Beide trainieren im Tagesbetrieb des D-Jugend-Teams, außerdem spielt Ricardo auch in der U 23 seines Heimatvereins und Gabriel gehört zum Betreuerteam der Männer-Mannschaft.

Wertschätzung ist wichtig

Das Spielen mit Alex Meier ist Highlight der Camp-Woche des SV Sachsenhausen. Jeder hat schon ein Trikot bekommen, das ihn mit seiner Aufschrift immer an diese tolle Woche im April 2024 erinnern wird, am Ende gibt es noch einen Pokal und eine Urkunde. „Wertschätzung für alle ist wichtig“, sagt Axel Radomski.

Alex Meier ist der Stargast des Ostercamps unter dem Motto „Inklusion auf dem Fußballplatz“. Der Trainingsplan mit Alex ist schnell geklärt, ein flottes Spielchen über das Kleinfeld soll es sein. „Ich bin immer in der Mannschaft, die den Ball hat“, gibt der Lange vor, der an der Seitenlinie auf und ab trabt. Kein Protest, das haben alle verstanden, davon wird jeder profitieren. Pass in den freien Raum, Rückpass quer genau auf den Schlappen, Direktabnahme und schon zappelt die Kugel im Netz. Lockeres Abklatschen mit Alex, so läuft das hier auf dem Rasen an der Gerbermühlstraße, wo der SV Sachsenhausen seine Fußballheimat hat. Den Buben macht das sichtlich Spaß, endlich einer, der es versteht. Kleine Fußballgötter sind sie doch alle gerne. Eine Stunde nur, aber das ist ok. Dann muss Alex Meier weiter – am Riederwald, im Nachwuchszentrum der Eintracht, wartet die U 16 auf ihren Trainer.

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