Sagen, was Sache ist: Bürgerinnen protestieren.
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Sagen, was Sache ist: Bürgerinnen protestieren.

Editorial

Zukunft hat eine Stimme

  • Thomas Kaspar
    vonThomas Kaspar
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Wir feiern Jubiläum: Seit 75 Jahren sucht die Frankfurter Rundschau gezielt die Mutigen und gibt ihnen eine Stimme.

Liebe Leserinnen und Leser,

die erste Nummer unserer Zeitung müsste wenigstens zehn Seiten Umfang haben, um mit der Fülle von Stoff fertigzuwerden, den die Weltchronik zur Zeit bietet. Aber wir haben nicht genug Papier!“ So endet die erste Ausgabe der Frankfurter Rundschau am 1. August 1945 auf der vierten Seite. Und tatsächlich hielten die Leserinnen und Leser eine neue Weltchronik in Händen. Die FR entstand aus dem Mut und der Energie der 121 ersten Mitarbeiter, 102 Männern und 19 Frauen.

Die Frankfurter Rundschau erschien als erste Zeitung im amerikanischen Sektor, für achteinhalb Monate als einzige in Frankfurt. Der legendäre Karl Gerold befestigte später das Fundament, das die sieben Gründungsväter geschaffen hatten. Generationen von Journalistinnen und Journalisten machten in der Folge die FR zu der linksliberalen Stimme in Deutschland – unsere Verantwortung bis heute.

Eine Zeitung dient Menschen, sie berichtet für sie und über sie, sie zeigt deren Handlungen und die daraus erwachsenden Konsequenzen. Menschen und ihr Mut stehen deswegen im Mittelpunkt der großen Serie zum 75. Jubiläum. In den nächsten drei Monaten blicken wir zurück und schauen gleichzeitig voraus.

In „75 Lektionen Mut“ stellen wir Ihnen Tag für Tag Menschen vor, die je zu ihrer Zeit erfunden, gegründet und geforscht haben, und vor allem jene, die unbeirrt für Gerechtigkeit und Solidarität eingetreten sind. Wie Frankfurts Kommandant Erich Löffler, der die Stadt 1945 vor noch größerer Zerstörung bewahrt hat und an den wir in der ersten Lektion Mut erinnern.

Mahatma Gandhi, Simone de Beauvoir oder Rosa Parks, sie alle haben Geschichte geschrieben, die wir für Sie ebenso erzählen wie die von Fritz Bauer und den Auschwitz-Prozessen oder die legendären Theaterinszenierungen in Frankfurt und viele mehr. Wenn wir nach vorne schauen, fragen wir: Welche Megatrends werden unsere Welt prägen? Was bedeutet es etwa, wenn in China die Hälfte der Männer ihr Genom registrieren lassen? Wie ist eine gerechte Welt möglich, wenn sich unsere Städte immer schneller verändern, unsere Beziehungen, ja unsere Realität?

Wir stellen Ihnen Frauen und Männer vor, die sich aufmachen, die Welt zu verändern, die sich gegen die Mächtigen in Politik und Wirtschaft stellen. Menschen wie Hanna Helmke, die Konzerne dazu bringt, klimafreundlicher zu werden. Wie Claudine Nierth, die Vorschläge für eine lebendigere Demokratie entwickelt.

Seit 75 Jahren sucht die Frankfurter Rundschau gezielt die Mutigen und gibt ihnen eine Stimme. Wir werden es weiter tun, in der Zeitung, in digitalen Angeboten und im Internet. Und immer im engen Dialog mit Ihnen, liebe Leserinnen und Leser.

Zukunft hat eine Stimme: die Frankfurter Rundschau.

Ihr Thomas Kaspar

Chefredakteur