„Raum von Wert“: Lukas Wagner, Bastian Amberg und Katja Becker (v.l.n.r.).
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„Raum von Wert“: Lukas Wagner, Bastian Amberg und Katja Becker (v.l.n.r.).

Wohnen auf kleinem Raum

Perfekt fürs Tiny House: Möbel zum Einklappen

  • Judith Köneke
    VonJudith Köneke
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Ein Frankfurter Innendesignteam konzipiert platzsparende Wohnraumkonzepte. Mit ihrer Treppe Klapster haben sie bereits Preise gewonnen.

Mit einem Handgriff ist die Treppe aus dem Weg. Lukas Wagner demonstriert, wie einfach es funktioniert. „Klapster“ heißt das platzsparende Modell, das er mit seinen Kollegen des Innendesignteams „Raum von Wert“ erfunden hat. Durch die Schwenkbewegungen der Stufen um 90 Grad könne die Treppe, wenn man sie nicht brauche, vertikal Richtung Wand geklappt werden, erklärt Wagner. Und tatsächlich schiebt sie sich puzzleartig ineinander, dass nur ein paar Zentimeter hervorstehen. Das Herausziehen geht genauso schnell, im Nu hat man eine stabile Treppe vor sich.

Es gibt drei verschiedene Modelle, sagt Wagner und zeigt auf die Stiegen, die zu Anschauungszwecken an die Wand montiert wurden. Bei der Comfort-Variante helfen Drehstäbe, die Einklappbewegungen so einfach zu machen, sagt Wagner. Wer will, kann einen Handlauf aufstecken. „Slim“ ist besonders für Dachböden oder Zwischenebenen geeignet, und hat ein modulares Stecksystem zur Einstellung der Steigung. Das Modell Ultralight ist noch schmaler und gut für Hochbetten oder Tiny Houses. Die Treppen lassen sich an die Deckenhöhe anpassen, Steigungswinkel und Länge frei wählen. Ab 1550 Euro bekommt man das leichte Modell, die große ab rund 3000 Euro. Auch die Montage sei sehr einfach und schnell, sagt Wagner. In einer halben bis Dreiviertelstunde lasse sich die Treppe aus den vorgefertigten Bauteilen zusammenbauen.

Klapster ist das Flaggschiff des Start-ups, das Wagner (31) gemeinsam mit Bastian Amberg (34) und Katja Becker (31) 2015 gegründet hat. Die Anfangsidee für die Treppe ist schon älter, damals waren Wagner und Amberg Mitbewohner. Da der Platz in ihrer WG knapp war, suchten sie nach einer kreativen Möglichkeit. „Darin haben wir sehr viel Potenzial gesehen und haben gemerkt, dass das Thema platzsparendes Wohnen immer wichtiger wird“, sagt Katja Becker, die beide seit mehr als zehn Jahren kennt.

„Klapster“ und Co: Wenig Raum so effizient nutzen wie möglich

Sie alle bringen unterschiedliche Kompetenzen mit. Amberg ist Architekt, kommt aber aus einer Schreinereifamilie und verfügt ebenso über Kenntnisse des Holzhandwerks, erklärt Becker. Wagner habe den technischen Hintergrund und sie selbst studierte BWL und arbeitete bereits in der Werkzeugbranche.

Nun entwickelt das Trio beispielsweise Wohnraumkonzepte im Micro-Living-Bereich – also auf kleinstem Raum. „Wir planen etwa Pendler- oder Studentenappartements für Kunden“, sagt Becker. Aber auch Raum-im-Raum-Lösungen oder Co-Working-Spaces. Zudem entwerfen sie modulare und multifunktionale Möbel, die sich wegschieben lassen, dreh- oder schwenkbar sind. „Der gleiche Raum könnte etwa die unterschiedlichsten Funktionen erfüllen, auf die Tageszeit abgestimmt“, erläutert Becker.

Gerade in Zeiten von Corona würden smarte Lösungen fürs Home-Office an Bedeutung gewinnen. Gerade arbeiten sie mit einem Kunden an einem Regalsystem. Ihnen gehe es immer darum, wie man wenig Raum so effizient wie möglich nutzen könne, beschreibt Amberg.

In teuren, engen Städten werden „Micro-Living“ und Tiny Houses zum Trend

Und die Gründer haben einen Nerv der Zeit getroffen. Der Bedarf und die Aufträge wachsen, so Becker. Kein Wunder: Die Wohnungsnachfrage in urbanen Gebieten wird immer größer. Genauso wie der Platzmangel. Hohe Mietpreise sind die Folge. Dazu kommt der Trend zum Minimalismus, der sich auch in der Tiny-House-Bewegung zeigt. So reagieren auch immer mehr Firmen mit Einrichtungssystemen und Apartments auf die Ansprüche der Menschen.

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Seit Anfang 2019 ist „Raum von Wert“ in den „Tatcraft-Studios“ in der Gwinnerstraße im Industriegebiet von Seckbach zu Hause. In den Werkstatträumen, wo sich Kreative einmieten und austoben können, arbeitet das Team aus sechs Festangestellten an neuen Ideen. In einem Holz-Kubus, den sie designt haben, steht ein Schreibtisch, an Maschinen können sie experimentieren oder Prototypen fertigen. Ihre Aufträge, etwa die Treppe, vergeben sie an Schreinereien.

Die Konzepte des jungen Unternehmens kommen auch bei Experten gut an. „Raum von Wert“ belegte den ersten Platz beim diesjährigen Frankfurter Gründerpreis, er ist mit 12 500 Euro dotiert. Und 2019 wurde „Klapster“ von einem Fachportal als „Treppe des Jahres“ ausgezeichnet.