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Markus Sauerhammer: „Wir sind so etwas wie die Lobby einer enkelfähigen Zukunft“.
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Markus Sauerhammer: „Wir sind so etwas wie die Lobby einer enkelfähigen Zukunft“.

Speakers Corner

Innovativ ist, was der ganzen Gesellschaft dient

Wer ein Sozialunternehmen führt, wurde in Deutschland jahrelang ausgebremst. Damit sich das ändert, muss die Ampel ihre Versprechen halten, schreibt Markus Sauerhammer vom Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland

Es wurde schon unzählige Male geschrieben, gesagt, gesungen: Wir stehen vor gewaltigen Aufgaben. Der Klimawandel bedroht unsere Lebensweise, weil unsere Lebensweise das Klima bedroht. Ungleichheit treibt Gesellschaften auseinander – ein Prozess, den die Digitalisierung noch verschlimmern könnte, wenn nur große Unternehmen davon profitieren und breite Bevölkerungsteile auf der Strecke blieben. Dazu kommt die Bewältigung der Covid-Pandemie.

Doch Probleme aufzählen, das kann jeder. Lösungen müssen her. Soziale Innovationskraft ist das Gebot der Stunde: Wir brauchen Ideen für eine bessere Zukunft. Nachhaltig, sozial, fair. Schon heute gibt es Menschen, die solche Lösungen parat haben. Social Entrepreneurs gründen, erfinden und schuften, genauso wie klassische Start-Ups. Doch sie arbeiten nicht für den lukrativen Exit, sondern für „gesellschaftliche Rendite“.

Doch in Deutschland wurden sie in der Vergangenheit ausgebremst. Die Politik hat es bislang verabsäumt, Sozialunternehmer:innen jene Rahmenbedingungen zu bieten, unter denen sie ihre Lösungskompetenz entfalten können. Für eine Verbesserung kämpfen wir bei SEND (Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland), dem Verband von über 420 Sozialunternehmer:innen. Ich war die letzten vier Jahren Vorsitzender und leite die politische Arbeit. Wir sind so etwas wie die Lobby einer enkelfähigen Zukunft. Unser Ziel: Eine Gesetzeslage, in der Social Entrepreneurs ihr Potenzial ausschöpfen und Probleme lösen können.

Ampel-Regierung: Rahmenbedingungen für Genossenschaften sollen verbessert werden

Jetzt wurde der Koalitionsvertrag der neuen Regierung beschlossen. Werden die beschlossenen Vorhaben ernsthaft umgesetzt, so könnte dies ein echter Booster für innovative Lösungen unserer großen Herausforderungen werden. Davon profitieren nicht nur die Sozialunternehmer:innen, sondern vor allem unsere Gesellschaft als Ganzes.

Zur Person

Markus Sauerhammer hat zunächst eine Ausbildung als Landwirt gemacht, bevor er das Abitur nachholte, Marketing und Management studierte und „aus Versehen“ gründete. Später arbeitete er bei einer Industrie- und Handelskammer und der Crowdfunding-Plattform Startnext. Heute leitet er die politische Arbeit des 2017 gegründeten Vereins Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland (SEND). Mitglieder sind Firmen wie Africa GreenTec, das Pflege-Start-up Besser zuhause und das integrative Frankfurter Unternehmen Stitch by Stitch. FR

Was wurde konkret beschlossen? Deutschland bekommt eine nationale Strategie für Sozialunternehmen und Soziale Innovationen. Dazu gehört erstmal: Klare Zuständigkeiten. In den Ministerien gibt es Referate für Chemie- Fahrzeug- und Baufirmen, aber bislang keines für soziale Innovation. Das wäre aber dringend nötig, denn Sozialunternehmen haben besondere Bedürfnisse, auf die ein dynamischer Staat reagieren könnte – und sollte.

Auch das Rechtskleid bekommt ein Upgrade. So sollen Rahmenbedingungen für Genossenschaften verbessert und eine neue Rechtsform mit „gebundenem Vermögen“ auf den Weg gebracht werden.

Staatliche Förderung darf nicht mehr nur nach potentiellen Profitmargen verteilt werden

Zudem möchte die neue Regierung die Hemmnisse bei Förderungen und Finanzierung verbessern. Dieser Beschluss war dringend nötig. Beispiel: Die Regierung verpflichtet sich auf Klimaneutralität bis 2040 – ein wichtiger und richtiger Schritt. Doch wie kann es sein, dass klimaschädliche Unternehmen gefördert werden, während jene oft leer ausgehen, die innovative Lösungen für ein nachhaltiges Wirtschaften liefern?

Wenn staatliche Förderungen vor allem nach potentiellen Profitmargen verteilt werden, ist das der falsche Weg. Der Nutzen für die Gesellschaft, die ökologische Wirkung und damit der Beitrag zu einer besseren Zukunft sollten als Kriterien ebenso ins Gewicht fallen. Dafür braucht es andere Instrumente wie zum Beispiel Impact Investing oder Social Impact Bonds, die mit einem ernsthaften Budget hinterlegt sind.

Lesen Sie auch: Die grüne Lobby - Wie der BNW den großen Industrieverbänden Konkurrenz machen will

Auch hier wurde eine Förderung unseres Gemeinwohls durch die Mobilisierung von Guthaben verwaister Konten beschlossen. Das sind etwa Bankkonten, auf die niemand mehr zugreift, weil beispielsweise die Besitzer:innen verstorben sind und die wegen einer fehlenden gesetzlichen Regelung aktuell nach 30 Jahren als Gewinn an die Banken fallen. In Großbritannien wird solches Geld in Sozialunternehmen investiert. In Japan finanziert man damit Lösungen einer alternden Gesellschaft.

Der Koalitionsvertrag birgt viel Potenzial für Sozialunternehmer:innen. Er verankert ein neues Innovationsverständnis, es sind ambitionierte Ziele. Unsere Mitglieder sind motiviert daran mitzuarbeiten, diese zu erreichen. Zu lange hat Deutschland den Status quo verwaltet. Es ist an der Zeit, eine enkelfähige Zukunft zu gestalten!

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