Die Start-up-Gründer Michael Zierlein (links) und Sebastian Hennig.
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Die Start-up-Gründer Michael Zierlein (links) und Sebastian Hennig.

Start-up LateBack

Digitale Ideen für den Nahverkehr

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Es ist ein Ärgernis, das viele Nutzer des öffentlichen Verkehrs kennen: Erst ist die Bahn zu spät, und dann ist es für die Kunden auch noch kompliziert, die Preiserstattung zu bekommen. Das Frankfurter Start-up LateBack ändert das.

Begonnen hat es vor einem Jahr. Da brachten Sebastian Hennig (24) und Michael Zierlein (31) die kostenlose „LateBack“-App für Verspätungen im Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) auf den Markt. Sie ermöglicht, innerhalb von 30 Sekunden den Antrag zur Mobilitätsgarantie noch während der Fahrt auszufüllen und abzuschicken. Inzwischen funktioniert die App auch für das Gebiet der Hamburger Verkehrsvertriebe (HVV) und neuerdings auch im Fernverkehr der Deutschen Bahn. Und das soll erst der Anfang sein.

LateBack ermöglicht Preiserstattung noch im Zug

Das Frankfurter Start-up sieht sich auf einem guten Weg. Mobilität sei neben der Energie eines der Zukunftsthemen. Öffentlicher Nahverkehr eine nachhaltige Form, die Leute zueinander zu bringen, sagt Zierlein. „Wir wollen das attraktiv gestalten, einen Mehrwert für die Gesellschaft bringen.“ Dazu gehört für die beiden Gründer und langjährigen ÖPNV-Nutzer auch, den Menschen möglichst einfach zu ihren Rechten zu verhelfen, wenn etwas mal nicht so klappt – etwa bei Verspätungen. Aus eigener Erfahrung wissen sie: Die Aussicht, bei schlechter Leistung Geld zurückzubekommen, befriedet erregte Gemüter und steigert die Zufriedenheit.

Das hat auch der RMV erkannt. Er war im Nahverkehr der erste große Verbund der Republik, der eine freiwillige Mobilitätsgarantie eingeführt hatte. Bei Verspätungen von mehr als zehn Minuten gibt es den Ticketpreis zurück. Lange ging das lediglich am PC, vor wenigen Monaten erst kam die Handyvariante hinzu – allerdings auch hier erst nach Ankunft. Dem Erfolg von „LateBack“ tut das keinen Abbruch: Mehr als 30 000 aktive Nutzer hat die App inzwischen. Erstattungen in Höhe von mehr als einer halbe Million Euro konnten sie sich am RMV-Schalter abholen.

Die Deutsche Bahn erstattet bei Verspätung ab einer Stunde 25 Prozent des Ticketpreises, bei mehr als zwei Stunden die Hälfte.

Im Nahverkehr gibt es bei manchen Verkehrsverbünden freiwillige Mobilitätsgarantien. Der RMV gewährt sie bei Verspätungen von mehr als zehn Minuten, beim HVV sind es 20. jur

www.lateback.de

Der zweiwöchige Busstreik in Hessen habe den Bekanntheitsgrad noch einmal erhöht. „Er wächst jeden Monat“, sagt Hennig. Und das fast einzig über Mundpropaganda. Für Werbung haben die Frankfurter Newcomer kein Geld.

Bislang war das Start-up für die beiden Gründer ein Nebenjob. Hennig hat seit kurzem seinen Bachelor in Informatik von der Technischen Universität (TU) Darmstadt in der Tasche, Zierlein hat Sport und Betriebswirtschaft studiert und arbeitet noch bis Jahresende im Onlinemarketing. Inzwischen gibt es für „LateBack“ so viel zu tun, dass die beiden den Sprung in die Selbstständigkeit wagen. Firmensitz bleibt erst mal das Büro im vierten Stock des „WeWork“ in der Taunusanlage – ein Hochhaus, das jungen innovativen Unternehmen aus der Finanz- und Technologiebranche die für einen Start notwendige Infrastruktur bietet. Der Vorteil sei die Flexibilität, sagt Zierlein: „Wir müssen uns nicht mit langen Mietverträgen binden.“

LateBack will den öffentlichen Nahverkehr komfortabler machen

Der Service für Verspätungen im RMV und HVV bleibt auch künftig werbefrei und für Nutzer kostenlos. Die Daten würden auch nicht verkauft, versichern die Gründer. Die Antragstellungen bei den Verbünden läuft digital. Die Deutsche Bahn handhabt die Fahrgastrechte allerdings noch analog. Sie verlangt ein Formular aus Papier. „LateBack“ füllt es aus, schickt es ab und nimmt für diesen Service 50 Cent pro Antrag. Beim Fernverkehr gebe es auch andere Anbieter auf dem Markt, doch die seien teurer, sagt Zierlein und fügt selbstbewusst hinzu. „Außerdem gestaltet niemand den Prozess so einfach wie wir.“

Bleibt die Frage, wie das Start-up Geld verdient. Dadurch, dass es sich mit seiner kostenlosen App als Experte für digitale kundenfreundliche Lösungen in der Mobilitätsbranche einen Namen macht. Diese Rechnung scheint aufzugehen. Mit dem RMV etwa stehen die beiden Gründer bereits in Kontakt. Auch andere Verbünde und Dienstleister haben ihr Interesse bekundet.

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„Wir haben fast monatlich neue Projekte“, sagt Hennig. „Während wir Pendlern dabei helfen wollen, ihre Rückerstattungsanträge so einfach wie möglich abwickeln zu können, entwickeln wir für Verkehrsverbünde digitale Lösungen, die dabei helfen sollen, interne Prozesse zu optimieren und zu automatisieren.“ So arbeite das Start-up derzeit an einer Verkehrsstromanalyse für Hamburg, die darüber Aufschluss geben soll, welche Verbindungen und Verkehrsmittel besonders gefragt sind.