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Ob Auto, Lastwagen oder Schiff: Wie Solarmodule die Reichweite vergrößern könnten

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Von: Thomas Magenheim-Hörmann

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Jona Christians, Navina Pernsteiner und Laurin Hahn wollen die Technik des Kleinwagen Sion auch auf Transportern einsetzen.
Das Gründungsteam Jona Christians, Navina Pernsteiner und Laurin Hahn will die Technik des Kleinwagens Sion auch auf Transportern einsetzen. © Sono Motors

Sono Motors kooperiert mit dem Nutzfahrzeugbauer MAN. Dabei soll es aber nicht bleiben: Das Start-up aus München will die gesamte Verkehrsbranche mit Photovoltaik ausstatten.

Thomas Hausch wirkt zufrieden. „Wir haben ein neues Geschäftsfeld aufgebaut“, sagt der Strategiechef des Jungunternehmens Sono Motors aus München. Und zwar: Die Lizenzierung von Sono-Solartechnologie für andere Fahrzeughersteller - wobei die Gefährte nicht unbedingt auf Straßen unterwegs sein müssen. Auch Züge oder Schiffe sind für die sehr spezielle und patentgeschützte Sono-Solarmodultechnik denkbar.

Den Beginn machen die Münchner mit dem Großkonzern MAN. Mit ihm wurde eine Absichtserklärung unterzeichnet, die in Machbarkeitstests zur Verwendung der Sono-Technik beim elektrischen MAN-Transporter eTGE münden soll. Seitens MAN ist der Erwartungshorizont klar umrissen.

„Ziel ist es, zu erfahren, wie viel Energie durch die Photovoltaik-Technik über das Jahr gewonnen werden kann“, erklärt MAN-Strategiechef Dennis Affeld. Danach könne man dann bewerten, ob sich die Technologie für typische Kundinnen und Kunden des Lieferfahrzeugs rechnet und zugleich die Umwelt schont.

Solar-Paneele für die elektrische Lastwagenflotte: Bis zu 35 Kilometer zusätzlich an einem sonnigen Tag

Mathieu Baudrit ist optimistisch. „Unsere Technologie ist skalierbar“, sagt der Teamleiter für Solarintegration bei Sono Motors. Bis zu 35 Kilometer mehr Reichweite an einem sonnigen Tag sei durch Solarzellen auf der Karosserie beim eTGE machbar. Baudrits Optimismus leitet sich aus den Erfahrungen des ersten Sono-Modells namens Sion ab, das derzeit fertig entwickelt und ab 2023 in den ehemaligen Saab-Werken im schwedischen Trollhättan vom Band laufen soll. Eine solche Reichweitenverlängerung wäre nicht schlecht für den Elektrotransporter, dessen Batterie aktuell 115 Kilometer schafft. Wenn dann noch Heizung oder Klimaanlage laufen oder der eTGE als typischer Lieferwagen mit Kühlaggregat unterwegs ist, dürfte es mit den 115 Kilometern eng werden. „Mit unseren Solarmodulen können wir die Reichweite erhalten“, verspricht Baudrit.

Entweder also übernehmen die flexibel formbaren Sono-Paneele den Zusatzverbrauch oder sie sorgen dafür, dass der Transporter weiter fahren kann ohne nachzuladen . Die eigentliche Frage ist, um wie viel teuerer ein eTGE dadurch wird und ob sich das für Käuferinnen und Käufer wirtschaftlich lohnt. Ab Sommer soll das nun etwa ein Jahr lang getestet werden.

Das Start-up

Sono Motors wurde 2016 von Laurin Hahn, Jona Christians und Navina Pernsteiner gegründet. Das Solarzellenauto Sion mit einer Reichweite von 250 Kilometern kostet inklusive Batterie 25 500 Euro. Bei durchschnittlichem Wetter sorgen die Solarzellen auf dem Dach für eine zusätzliche Reichweite von 15 Kilometern.

Eine Crowdfunding-Kampagne rettete das junge Unternehmen aus München vor dem finanziellen Kollaps.

Ab Herbst 2023 sollen die ersten Autos ausgeliefert werden. Bislang haben rund 13 000 Menschen einen Sion von Sono bestellt. tmh/FR

Kommt dabei ungefähr heraus, was Sono erwartet, soll die Technologie an MAN lizenziert werden. „Das wäre denkbar“, bestätigt man beim Nutzfahrzeughersteller. Dann könne man die Paneele auch bei Bussen oder Lastwagen einsetzen, wo die zur Verfügung stehenden Flächen noch größer sind.

Das ist auch das Ziel von Sono. Aber Hausch denkt weiter. Auch an andere Fahrzeughersteller wolle man lizenzieren. „Wir sind sehr offen dafür, sogar für Lizenzen an andere Elektroautobauer“, betont der Sono-Vorstand. Nicht so viele Autos wie möglich zu verkaufen, treibe Sono und dessen Gründer:innen an, sondern die Vision einer gesunden Umwelt und grüne Mobilität ohne fossile Kraftstoffe.

Sono Motors: Wegen der Nachhaltigkeitsziele überwarf sich das Gründungsteam mit Investoren

„Ich vermute, dass eines Tages mehr Quadratmeter an Sono-Solarzellen lizenziert, als auf unseren eigenen Autos unterwegs sind“, sagt Hausch. Integrierte Photovoltaik für Fahrzeuge aller Art biete niemand so ausgereift und kostengünstig wie Sono, sagt Baudrit, der auf diesem speziellen Feld der Solartechnik langjährige Erfahrung hat. „Seit einem Jahr gibt es viel Interesse daran“, erzählt er. Mit MAN sei man sich nun als erstem Geschäftspartner einig geworden. Exklusiv sei die Kooperation aber nicht. „Der Markt ist groß“, glaubt Baudrit. Es zeichne sich ab, dass viele Städte bald nur noch Elektrofahrzeuge in ihr Zentrum lassen, um Umwelt und Bevölkerung zu schützen. Dann müssten Lieferfahrzeuge ausreichend elektrische Reichweite haben.

„Lizenzgeschäfte können potenzieren, was wir vorhaben“, sagt Hausch zum zweiten Standbein des Jungunternehmens. Wie ernst es die Sono-Gründer:innen mit ihren grünen Visionen meinen, wurde klar, als sie sich Ende 2019 mit Investoren überworfen haben, weil die auf eine gewinnmaximierte Strategie zu Lasten von Nachhaltigkeit gedrängt hatten. Zeitweise drohte dem Start-up deshalb die Pleite. Aber eine bis dahin in diesem Ausmaß in der Autoindustrie nicht gesehene Crowdfunding-Kampagne hat das Blatt gewendet und das Aus verhindert.

Der Sion ist auch als Carsharingauto und als Stromspender entworfen worden

Auch den Corona-Schock hat Sono verdaut. Der Produktionsstart für den Sion musste aber wegen der Pandemiefolgen von diesem Herbst auf 2023 verschoben werden. „Wir sind sehr zuversichtlich, dass es damit klappt“, sagt Hausch zum neuen Datum für den Beginn der Serienproduktion. „Wir haben jetzt 13.000 Reservierungen und diese Kunden wollen wir nicht enttäuschen“, betont er.

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Die Kundschaft von Sono ähnelt wie bei Tesla einer Fangemeinde. Sie haben ihren vorbestellten Sion, der von Anfang auch als Carsharingauto zum Teilen und als Stromspender für eine Welt intelligenter Stromnetze entworfen wurde, mindestens anbezahlt. Das bedeutet 278 Millionen Euro Auftragsbestand und zugleich eine Menge Vertrauensvorschuss. Die Idee des Sion und seiner Macher:innen muss sich aber auch rechnen. Dazu sollen Technologielizenzen beitragen. Mit MAN als potentiell erstem Lizenznehmer ist dafür ein Grundstein gelegt.

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