Felix Kläres, Schüler und Gründer von 3Dforyou
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Felix Kläres: „Man muss für seine Idee brennen, damit die Kunden einen ernst nehmen.“

Gründer mit 14

Von der Idee bis zum 3D-Druck

Felix Kläres ist 16 Jahre alt und führt bereits sein eigenes erfolgreiches Unternehmen. Inspiriert von seinem Hobby, dem Bau von Modellflugzeugen, bietet er kleinen und mittelständischen Betrieben einen technischen Rundum-Service an.

Von Christina Brummer

Per Video-Call oder Telefon?“, fragt Felix Kläres, als man sich zum Gespräch verabreden will. „Damit ich weiß, ob ich mich frisieren muss.“ Frisiert und im schwarzen Hemd erscheint der 16-Jährige Ober-Ramstädter schließlich vor dem Bildschirm. Die mediale Aufmerksamkeit, sie scheint für ihn langsam zur Routine zu werden: Mit nur 14 Jahren gründete er im vergangenen Jahr sein eigenes Unternehmen 3dforyou, einen 3D-Druck-Service.

Sein Hobby, der Flugzeugmodellbau, brachte ihn zum 3D-Drucken

„Technikaffin war ich eigentlich schon immer“, erinnert sich Kläres. „Mit zehn habe ich schon angefangen zu programmieren.“ Sein Hobby Flugzeugmodellbau brachte ihn schließlich zum 3D-Drucken. Kläres wollte seine Flugzeuge individueller gestalten, doch auf dem Markt gab es dazu keine Angebote. Also entschied sich Kläres zusammen mit seinem Vater, einen 3D-Drucker anzuschaffen.

Die Modelle, die ein solcher Drucker bauen kann, kommen in verschiedenen Bereichen, wie etwa der Medizintechnik oder dem Prototypenbau zum Einsatz. Mit der klassischen Druckerpresse hat die 3D-Druck-Technik, trotz des Namens, wenig gemein. Beim 3D-Drucken wird der Werkstoff verflüssigt und nach einem digitalen Bauplan in einer bestimmten Form Schicht für Schicht aufgebaut oder aus einer Masse oder einem Pulver herausgeschmolzen. Grenzen gibt es bei dieser Technik kaum, bis auf die Größe des Druckers. Großformatige Exemplare stellen inzwischen jedoch schon Gebäude her. Bei Kläres spielt sich das 3D-Drucken noch im Modellformat ab. Das Potenzial der Technologie war für ihn jedoch Grund genug, um sein Hobby in ein Unternehmen zu verwandeln.

Wer mit Felix Kläres spricht, wird kaum merken, wie jung er ist. Der 16-Jährige in ihm blitzt nur manchmal durch, etwa als sein Handy im Videocall klingelt: „Ich muss da kurz rangehen“, sagt er, verschwindet, ein paar Minuten später ist er zurück vor der Webcam. „Da sagt man jedem Bescheid, dann rufen sie dich doch an“, bemerkt er und grinst.

„Vieles stand noch wortwörtlich in den Kinderschuhen“, sagt Kläres

Doch schnell ist Kläres wieder zurück in seiner Unternehmerrolle. Er spricht von Kundenzufriedenheit, Outsourcing und seiner Zielgruppe: kleine und mittelständische Unternehmen. Ihnen möchte Kläres einen Rundum-Service liefern, von der Idee zum fertigen Modell.

Dass Kläres’ Alter dabei so selten durchscheint, liegt auch an seiner Wortwahl, denn das Metaphernspiel vieler Start-up-Gründer kommt ihm schon treffsicher über die Lippen: „Als ich mit 14 gegründet habe, stand vieles noch wortwörtlich in den Kinderschuhen, da musste vieles professionalisiert werden“, sagt er. Bei aller Seriosität, die er ausstrahlt, manchmal, so scheint es, muss er noch selbst über seine Wortwahl grinsen.

Dass es für ein erfolgreiches Business mehr braucht als einen 3D-Drucker, erkannte der heute 16-Jährige schnell. Für ein fertiges Modell muss man zunächst die digitalen Modelle am Computer erzeugen, die beste Drucktechnik bestimmen, das Material wählen und schließlich das Endprodukt nachbearbeiten.

Hessischer Gründerpreis

Felix Kläres war in diesem Jahr der jüngste Bewerber beim Hessischen Gründerpreis. Zwar hat er es nicht ins Halbfinale geschafft, das am kommenden Mittwoch stattfindet. Trotzdem konnte er die Ausrichter mit seinem Unternehmergeist beeindrucken. Verliehen wird der Hessische Gründerpreis am 27. November in Kassel. Die Frankfurter Rundschau ist langjähriger Partner des Preises und fördert damit Zukunftsmacherinnen und Ideen-Vulkane. (FR )

„Mit meinem globalen Zulieferernetzwerk kann ich für meine Kunden ganz andere Konditionen bekommen“, erklärt Kläres dabei mit einem Hauch von Stolz. In der ersten Zeit ging es ihm hauptsächlich darum, seine Produkte und Techniken zu verbessern und zu lernen. „Der Kunde hat eine Idee, bekommt am Ende sein Modell und ich kümmere mich um all die Probleme“, fasst Kläres sein Geschäftsmodell zusammen.

Das Business anzumelden, dauerte lange, das Vormundschaftsgericht musste zustimmen

Dass er heute überhaupt in der Position ist, sich Unternehmer nennen zu können, war jedoch nicht immer klar. Wer minderjährig ein Unternehmen gründen möchte, braucht zunächst einmal neben einer Idee einen langen Atem. Sehr komplex, so empfand Kläres seine Gründung, Betonung auf dem „sehr“. Er habe sich jedoch bewusst nicht für den Weg des geringsten Widerstands entschieden und wollte das Unternehmen nicht auf seine Eltern anmelden. „Ich will vor meiner eigenen Tür kehren.“

Dass die Tür zu seiner Firma bislang trotzdem noch ins Haus seiner Eltern führt, stört ihn nicht. „Ich habe wirklich tolle Eltern, die mich sehr unterstützen“, sagt Kläres. Die Erlaubnis seiner Eltern für die Gründung sei daher kein Problem gewesen.

Schwerer zu bekommen war allerdings das grüne Licht vom Vormundschaftsgericht. „Normalerweise kann man ein Gewerbe in einer Stunde anmelden“, erzählt Kläres. „Bei mir hat es am Ende fast ein Jahr gedauert, bis ich die Erlaubnis hatte.“

Es kommt nicht aufs Alter an, sondern auf die Hartnäckigkeit

Minderjährige Gründer müssen in Deutschland nachweisen, dass sie gut aufs Unternehmertum vorbereitet sind: Ein Businessplan muss vorgelegt werden und Einzelgespräche beim Vormundschaftsgericht werden angesetzt. „Ich würde das nicht als Rückschlag bezeichnen, weil ich in der Zeit vieles gelernt habe: Was ist die DSGVO, warum brauche‘ ich ein Impressum, wie schreibe ich Rechnungen?“

Wer mit dem 16-Jährigen übers Unternehmen spricht, der merkt, dass es meist gar nicht aufs Alter ankommt, sondern auf die Hartnäckigkeit und ein gewisses Durchhaltevermögen. „Man muss für seine Idee brennen, damit die Kunden einen ernst nehmen. Man muss aber auch hart zu sich selbst sein“, räumt Kläres offen ein.

Neben 3dforyou stemmt er nicht nur im Leistungssport Gewichte, sondern auch noch alles, was mit Schule zusammenhängt, 2023 will er sein Abitur machen, danach Medizintechnik studieren. Da heißt es, Prioritäten setzen. „Schule steht bei mir an erster Stelle, um den zweiten Platz streiten sich Unternehmen und Sport“, erzählt er.

Wie es nach dem Studium mit 3dforyou weitergeht, ist noch offen. „Vor drei Jahren hätte ich nicht gedacht, dass ich ein Unternehmen führe, wer weiß, was in den nächsten drei Jahren passiert.“