Bild eines wortbasierten Koordinatensystems des Star-Ups What3words von New York (USA)
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New York, New York - aber wo genau?

Adressen

What3Words das neue Google Maps? Start-up könnte Navigation revolutionieren

  • Isabella Caldart
    VonIsabella Caldart
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Das Start-up What3words teilt jedem Ort auf der Welt einzigartige Wörter zu - und will damit die Orientierung revolutionieren.

Möchten Sie uns im Haus der Frankfurter Rundschau besuchen, können Sie die Adresse Frankenallee 71–81 in Frankfurt in Ihr Navigationsgerät eingeben. Oder aber Sie fahren zu bester.eisbären.beweis – denn auch diese drei Wörter bringen Sie in die Redaktion. What3words heißt das System, das allen Orten auf der Welt eine Kombination aus jeweils drei Wörtern als Adresse zuteilt.

Orte bedeuten in diesem Fall: Quadrate in der Größe von drei mal drei Metern, ein sehr feinmaschiges Raster, das auch Eingänge oder Parkplätze exakt lokalisieren kann. What3words hat somit 57.000.000.000.000 oder einfacher: 57 Billionen dieser Kästchen einzigartige Drei-Wörter-Adressen zugeteilt.

Koordinatensystem von What3words ist in 45 Sprachen verfügbar

Gegründet wurde das Start-up im Juli 2013 von den Briten Chris Sheldrick, Jack Waley-Cohen, Mohan Ganesalingam und Michael Dent. Laut Sheldrick aus dem Frust heraus, dass bei GPS-Angaben mit nur einer einzigen falschen Ziffer Positionen nicht genau geortet werden können.

Unbestreitbar ist, dass es sehr viel weniger Umstände bereitet, sich statt langen GPS-Zahlenkombinationen oder Längen- und Breitengraden drei Wörter zu merken und diese etwa telefonisch zu übermitteln. Inzwischen gibt es what3words in mehr als 45 Sprachen; die Begriffe sind dabei allerdings nicht übersetzt, und so lautet die oben erwähnte Adresse der FR auf Englisch fizzy.gulped.given.

Start-up What3words: Ein wortbasiertes Koordinatensystem

Doch wozu braucht es dieses wortbasierte Koordinatensystem überhaupt? Das Ziel von What3words ist nicht, herkömmliche Adressen zu ersetzen, sondern viel mehr sie zu ergänzen, außerdem Standorten ohne konkrete Anschrift eine eindeutige zuzuweisen. Das ist zum Beispiel hilfreich, um Post in entlegene Gegenden ohne Straße, Hausnummer und Postleitzahl zu schicken. Bisher haben acht Länder ihr Adresssystem auf What3words umgestellt, darunter die Mongolei, Nigeria, die Elfenbeinküste und der pazifische Inselstaat Kiribati.

Oder aber, wenn man sich verirrt, wie die Geschichte einer Gruppe Freund*innen zeigt, die sich in einem Wald im County Durham im Nordosten Englands verlaufen hatte: Zeitungsartikeln zufolge wurden die jungen Engländer:innen vom Notruf dazu aufgefordert, die wenige Megabytes große App herunterzuladen. Sie konnten dadurch ihre genaue Location durchgeben und gerettet werden.

Drei Wörter statt einer komplizierten Adresse: Das ist der Plan von Start-up What3words

Nicht nur im privaten Bereich, auch viele Unternehmen arbeiten mit What3words, darunter Daimler, Airbnb und Lonely Planet. Und die Deutsche Bahn, die mit den Transport- und Logistikdiensten DB Schenker seit 2017 an What3words beteiligt ist. Entsprechend steht auf dem Schild vor der Konzernzentrale am Potsdamer Platz in Berlin auch ihre Drei-Wörter-Adresse: lebendig.webseiten.auflösen.

Die Vorteile im Speditionsbereich sind nicht von der Hand zu weisen: „What3words ist eine fantastische Art, jedem Ort auf dieser Welt eine eindeutige Adresse zu geben, die sich gut kommunizieren lässt“, erläutert ein Bahnsprecher auf FR-Anfrage.

„In Deutschland ist unser Adresssystem recht verlässlich, aber komplexen Fläche wie Firmengelände, Veranstaltungsorte oder Warenlager stellen auch uns vor Herausforderungen. DB Schenker nutzt das System vorwiegend im Landverkehr, besonders für Begegnungsverkehr und im Bereich Messe- und Sportevents.“ In der Praxis bedeutet dies, dass die Fahrer:innen von DB Schenker über eine App neben Informationen zur Fracht und Lieferort auch die Drei-Wort-Adressen erhalten, um sich damit besser und schneller orientieren zu können.

Problematische Konnotationen: Einige Fehler muss What3words noch ausmerzen

Trotz dieser Vorteile hat What3words aber auch einige Kehrseiten. Zu den großen Kritikpunkten vor allem seitens Technikexpert:innen gehört, dass es sich um ein privates Unternehmen handelt und der Code patentgeschützt, proprietär und nicht Open Source ist. Zudem ist das Start-up nicht fehlerfrei und wurde unter anderem vom Bergrettungsdienst Mountain Rescue England and Wales scharf kritisiert, weil es die Retter:innen wiederholt an falsche Orte geschickt hatte.

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Nicht weniger schwierig ist die Tatsache, dass Wörter nicht frei von Konnotationen sind. Auch wenn das System keine beleidigenden Begriffe führt, wird es sehr schnell sehr heikel. So lautet die Adresse der KZ-Gedenkstätte Auschwitz schanze.pokalfinale.jenseits und eins der vielen Quadrate, die auf das Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin verweisen, heißt gar schrei.schwein.abteil. Das zeigt, wie problematisch dieses Koordinatensystem stellenweise ist – What3words kann nicht von allen Menschen und für alle Orte gleichermaßen unbedenklich verwendet werden. (Isabella Caldart)