Kinderleicht: die Roboter lassen sich ganz einfach zusammenstecken. Robo Wunderkind
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Kinderleicht: die Roboter lassen sich ganz einfach zusammenstecken.

Robo Wunderkind

Spielend zum IT-Profi - Dieser Roboter macht Kinder digital fit

  • Daniel Baumann
    vonDaniel Baumann
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Jedes Kind sollte programmieren können, findet Anna Iarotska. Deswegen hat sie Robo Wunderkind gegründet. Ihre Roboter vermitteln Kindern wichtige Fähigkeiten für das 21. Jahrhundert: Kreativität, technisches Verständnis, Probleme lösen.

Es macht klick, es macht klack, und dann surrt es. Schwungvoll flitzt der kleine, bunte, erst gerade zusammengesteckte Roboter mit den kindlichen Augen über den Boden. Aber nicht irgendwie und irgendwohin, sondern genau nach Plan. Oder präziser: So, wie ihn Anna Iarotska soeben programmiert hat. Nur ein paar schwungvolle Bewegungen auf dem iPad waren nötig, um die richtigen Befehle auszuwählen: Vor dem Losfahren ein Biiip zur Warnung, dann 20 Zentimeter nach vorne und eine Kurve einschlagen. Kinderleicht.

Roboter für Kinder: Lehrmaterial und kreative Freiheit

Und kinderleicht soll es auch sein. Die kleinen bunten Roboter sollen Kindern schließlich Lust auf Technik machen und ihnen das Programmieren quasi nebenbei vermitteln. Das scheint zu funktionieren. Anna Iarotska, die Gründerin des Wiener Start-ups Robo Wunderkind, zeigt stolz Fotos von teils spektakulären Konstruktionen, die Kinder mit ihren Bausätzen angefertigt haben, darunter: ein Katzenfütterungsautomat, der auf Kommando des Vierbeiners Brekkies ausspuckt. Da der Roboter mit Lego-Steinen kompatibel ist und um LED-Display, Lichtsensor und Bewegungsmelder ergänzt werden kann, können vielfältige Konstrukte gebaut werden.

Wenn sich Bildungspolitiker fragen, wie man den Kleinsten Technikbegeisterung vermitteln kann: Hier scheint ein vielversprechendes Produkt zu sein. 500 Kindergärten und Schulen haben sich nach Angaben der Gründerin inzwischen die Roboter angeschafft und sie in den Unterricht integriert. Mehr als 12 000 Exemplare hat Robo Wunderkind insgesamt verkauft – und wurde mit Preisen überhäuft, darunter: Start-up des Jahres in Österreich und Finalist bei Start-up Battlefield auf der renommierten Tech-Konferenz Disrupt in San Francisco.

Anna Iarotska, Gründerin von Robo Wunderkind, will zur digitalen Emanzipation beitragen.  

Vielleicht aber am wichtigsten: Die Education Alliance Finland, die Lernmethoden auf ihren pädagogischen Wert überprüft, hat den Roboter in diesem Jahr zertifiziert. Die Prüfer lobten die Vielseitigkeit des Produkts: Anleitung für die Kinder über Lehrmaterial, aber auch kreative Freiheit. Neues, aber auch Wiederholung. Individuelles, aber auch gemeinsames Arbeiten. Die Liste der für das 21. Jahrhundert wichtigen Lernziele, die der Roboter erfüllt, nimmt fast kein Ende. Mehr als 60 Punkte zählen die Prüfer auf, darunter das Verständnis von Algorithmen, Denken in Zusammenhängen, Programmierfähigkeiten, strategisches Verhalten, Kreativität, Kritikfähigkeit und Problemlösungskompetenz.

Schulen sehen Roboter noch mit Skepsis

„Wir wollen Kinder bereits im jungen Alter erreichen, um ihnen zu vermitteln, dass wir Menschen dafür verantwortlich sind, wie Technologie voranschreitet“, sagt Iarotska. „Kinder werden dadurch zu selbstbestimmten Entwicklern, anstatt blinde Konsumenten, die passiv beschallt und gesteuert werden.“ Die 35-jährige gebürtige Ukrainerin, die an der London School of Economics and Political Science studiert hat, möchte, dass Kinder neugierig auf Informatik, Mathematik und Technik werden.

Bei den Schulen stößt die Gründerin allerdings oft noch auf Skepsis. Sie stellt Berührungsängste bei vielen Schulleitern und Lehrern fest. Darüber hinaus sei viel Engagement der Lehrer notwendig, um an einer Schule digital ausgestattet zu werden. Dabei sind die Roboter für eine öffentliche Einrichtung durchaus nicht sehr teuer: Die Sets gibt es für 180 bis 250 Euro.

Roboter begeistern auch Erwachsene

Im Markt für Spielzeug, das die technische Bildung fördert, ist Robo Wunderkind nicht alleine. Auch andere Firmen machen in diesem Bereich immer mehr Angebote. Lego hat das Lernkonzept Wedo 2.0 herausgebracht und die Berliner Firma Kinematics die Tinkerbots. Mit beiden können Kinder ebenfalls eigene Roboter bauen und programmieren.

Schwung in das Thema bringen die Eltern. Sie überlegen sich zunehmend, wie sie ihr Kind auf eine Welt vorbereiten können, die ganz neue Fähigkeiten erfordert. Anna Iarotska und ihr Mitgründer Yuri Levin sehen sich im Wettbewerb gut aufgestellt. Es gebe derzeit kein anderes Produkt am Markt, das Robotik und Programmieren verbinde und darüber hinaus für Kinder zwischen fünf und zehn Jahren geeignet sei, sagen sie.

Wobei, was heißt schon Kinder? Wer sich nur ein paar Minuten mit dem kleinen, bunten Roboter beschäftigt, kann sich auch als Erwachsener schnell dafür begeistern. Anna Iarotska erzählt eine Anekdote: Nachdem ein Wiener Rechtsanwalt die Roboter für seine Kinder gekauft hatte, wollte er, dass auch die Anwälte seiner Kanzlei die kleinen Kumpanen kennenlernen. Es soll nicht lange gedauert haben, bis die Herren mit Schlips begeistert spielten.