Mittels roter Kreise zeigt die Technik von Ororatech Brände an - hier am Kilimandscharo in Tansania.
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Mittels roter Kreise zeigt die Technik von Ororatech Brände an - hier am Kilimandscharo in Tansania.

Waldbrände

Der Feuermelder aus dem All

  • Thomas Magenheim-Hörmann
    vonThomas Magenheim-Hörmann
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Thomas Grübler entdeckt mithilfe von Satelliten Waldbrände in der ganzen Welt, solange sie noch klein sind. Die Technologie hat das Potential, ein echter Gamechanger zu sein.

Wir sind das Orakel aus dem Orbit“, sagt Thomas Grübler, Mitgründer der 2018 aus der Taufe gehobenen Firma Ororatech. Damit ist der Name des kleinen, aber ambitionierten Jungunternehmens auch schon fast entschlüsselt. Ororatech stehe für Orbital Oracle Technologies, erklärt der 29-jährige Österreicher. Das Orakel liefert in diesem Fall aber nur schlechte Nachrichten, die aber zu Gutem führen sollen. Denn Ororatech sammelt und verknüpft Wärmebilder von um die Erde kreisenden Satelliten zu einem globalen Frühwarnsystem für Waldbrände. Die Münchner konkurrieren dabei mit teils archaischen Instrumenten wie Wachtürmen oder Flugzeugen und Drohnen, bieten ihre Dienste aber billiger, zeitgenauer und verlässlicher als diese an.

„Kürzlich haben wir nachts einen Waldbrand in Argentinien entdeckt“, erzählt Grübler. Die Wachtürme waren um diese Zeit nicht besetzt. „Bis zum nächsten Tag wäre der Brand riesig geworden“, sagt der Firmengründer. Weil Ororatech schnell Alarm schlagen konnte, sei das Feuer noch klein gewesen und habe rasch gelöscht werden können.

Waldbrände früh zu entdecken, spart enorm viel Geld

Die effektive Waldbrandüberwachung ist in Zeiten von Erderwärmung eine drängende Herausforderung. Allein die versicherten Schäden durch Feuer im Forst haben sich nach Statistiken der Assekuranz zuletzt auf jährlich 20 Milliarden Euro summiert, wobei die wenigsten Wälder versichert sind. Statistisch sorgen Waldbrände zudem für ein Zehntel aller globalen Emissionen des Klimakillers CO2.

Wenn Brände früh entdeckt und im Keim erstickt werden können, rettet das also große Werte und trägt zum Klimaschutz bei. „Ororatech ist sehr vielversprechend und eines der New-Space-Vorzeigeunternehmen in Deutschland“, findet Rainer Horn. Der Raumfahrtexperte ist Partner bei der Beratungsfirma Space Tec, die auch einen Investmentarm hat. Über den ist Space Tec am Münchner Start-up beteiligt. Ororatech sei nicht nur technologiegetrieben, sondern habe auch rasch ein Verständnis für Märkte und Kunden entwickelt, lobt Horn.

Die Bayern hätten es als Erste geschafft, Wärmedaten bestehender Satelliten auf einer Plattform zu kombinieren und diese leicht verständlich zugänglich gemacht. Zwei Jahre nach Gründung schon weltweit Abo-Kunden zu haben, würden nicht viele schaffen. Wer auf die Twitter-Seite von Ororatech geht, kann Wälder in Kalifornien oder am Kilimandscharo brennen sehen.

Thomas Grübler.

Das Start-up

Ororatech wurde 2018 als Ausgründung der Technischen Universität München von den beiden Elektroingenieuren Thomas Grübler und Rupert Amann, dem Informatiker Florian Mauracher sowie dem Betriebswirt Björn Stoffers gegründet. Als Studenten haben sie Satelliten mitentwickelt und mit Wärmebildern eine begehrte Anwendungsnische für Aufnahmen aus dem All gefunden.

Knapp 30 Hightech-Spezialisten beschäftigt das Jungunternehmen derzeit. Dafür, dass erst 1,6 Millionen Euro an Investoren- und Fördergeldern geflossen sind, kann Ororatech schon einiges aufweisen. Eine Plattform für Waldbranderkennung ist aktiv. Mit staatlichen wie privaten Wald- und Plantagenbesitzern oder dem Versicherer Axa gibt es erste zahlende Kunden. Eine neue Finanzierungsrunde läuft und steht kurz vor dem Abschluss. tma

Den Begriff New Space erklärt Rechtsanwalt Ingo Baumann, dessen Kölner Kanzlei BHO Legal auf Raumfahrt spezialisiert ist. „New Space ist ein Sammelbegriff für technologischen Fortschritt, Gründertum, private Investitionen und neue Anwendungen in der Raumfahrt“, sagt er. Bekanntester Vertreter ist die Raumfahrtfirma Space X von US-Milliardär Elon Musk. Aber auch hierzulande seien in den letzten fünf Jahren etwa 80 Raumfahrtfirmen entstanden, die auf Miniaturisierung, Serienfertigung sowie Digitalisierung setzen und damit die branchenüblich hohen Kosten drastisch senken, erläutert Baumann.

Ororatech ist ein typischer Vertreter dieser jungen Weltraumwilden. „Wir haben erkannt, dass man mit relativ einfacher Technik – wir nutzen Smartphone-Komponenten – Kleinsatelliten bauen kann“, sagt Grübler. Denn bei der Auswertung von Wärmedaten bestehender Satelliten soll es nicht bleiben. Die Bayern wollen ab 2021 eigene Minisatelliten in den Erd-orbit schicken. „Sie sind kleiner als eine Schuhschachtel“, sagt der Firmengründer. Das Innenleben hat es aber in sich. Ororatech hat winzige Infrarotkameras erfunden und mit künstlicher Intelligenz (KI) ausgestattet, die Waldbrände automatisch erkennt und Warnmeldungen absetzt.

Die Wälder Kaliforniens mit Drohnen zu überwachen, wäre deutlich teurer

Kosten würden die Nanosatelliten mit einer halben Million Euro pro Stück ein Hundertstel herkömmlicher Groß-Satelliten, betont Grübler. Sie könnten auch binnen zwei Jahren und damit zehn Mal so schnell entwickelt werden. Es sollen einmal 100 Nanosatelliten im Erdorbit kreisen und Waldbrände ab zehn mal zehn Metern Größe binnen 30 Minuten kostengünstig melden.

Wolle man die Wälder Kaliforniens rund um die Uhr mit Drohnen brandüberwachen, koste das so viel wie ein Ororatech-Satellitennetz für die gesamte Erde, schwärmt Grübler. „Wir haben das beste System“, glaubt er.

Einen ersten Minisatelliten wollen die Bayern Ende 2021 von der internationalen Raumstation ISS starten. „Die Technik muss sich im Weltraum bewähren“, sagt Horn. Grübler denkt schon weiter. 2023 will er ein erstes Netz aus 14 Nanosatelliten im Orbit haben, was mit Bau und Start 7,5 Millionen Euro koste. Dann soll sein Waldbrandmeldeservice auch die Gewinnzone erreichen.

Wärmebilder aus dem All sind aber auch anderweitig nutzbar. Damit können Bodenverdunstung und Dürre gemessen werden, die Hitzeentwicklung in Städten und industrielle Aktivität. „Wir haben während Corona gesehen, wie Stahlwerke nicht mehr als Hitzequelle aufscheinen“, erzählt Grübler. Die Fabriken hatten ihre Produktion eingestellt, heißt das. „Mit Wärmebildern von Industrieanlagen kann man zeitnah konjunkturelle Entwicklungen abschätzen“, erklärt Horn. Und Grübler glaubt, Wetterprognosen per Satellit „bauernhofgenau“ liefern zu können. Man könnte seine Pläne hochfliegend nennen.