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Das Surfen im Internet ist schwierig, wenn man nicht gut sieht

Barrierefreies Internet

Trotz Sehschwäche im Netz surfen

  • Paul Siethoff
    VonPaul Siethoff
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Eineinhalb Stunden, um eine Bahnverbindung rauszusuchen? Das muss schneller gehen! Oliver Greiner hat eine App entwickelt, die Menschen mit Sehbehinderung oder Sehschwäche die Internetnutzung vereinfacht.

Für die meisten Menschen bedeutet das Internet schnelle Informationen. Der Weg von A nach B ist mit Google Maps in wenigen Minuten gefunden, eine neue Winterjacke mit wenigen Klicks gekauft. Für Menschen wie Jonas N. ist das etwas anderes. Er hat nur noch eine Sehfähigkeit von fünf bis zehn Prozent und braucht eineinhalb Stunden, um sich eine Bahnverbindung herauszusuchen.

Greiners App soll auch für Nutzerinnen und Nutzer ohne Sehschwäche attraktiv werden.

Das Problem von Jonas N.: Websites sind meist nicht barrierefrei, es fehlt an Tools, die sie zugänglich machen. Oliver Greiner, 23 Jahre alt, hat in Würzburg gemeinsam mit seinem Bruder und zwei Mitarbeitenden eine Idee entwickelt, die das Problem lösen soll: die Software „Eye-Able“, eine Erweiterung für den Browser, die Menschen mit angeborener Sehschwäche und alten Menschen mit Sehschwierigkeiten das Leben leichter machen soll. Ein barrierefreies Internet, das ist das Ziel von Greiner.

Zukunft hat eine Stimme

PROJEKT: Die Frankfurter Rundschau gibt Kreativrebellinnen, Ideen-Vulkanen und Fortschrittmachern eine Stimme – mit „Zukunft hat eine Stimme“. Ideen können vorgestellt werden unter: www.fr.de/meinezukunft

WEITERLESEN:: Mehr Informationen zum Projekt von Oliver Greiner gibt es unter https://eye-able.com/

Bisher gibt es dafür nur vereinzelte, teils veraltete Tools wie Vorleseprogramme für sehbehinderte Menschen oder Erweiterungen wie „Colorblinding“, die Farbenblinden das Surfen erleichtern sollen. Laut Greiner gibt es aber keine Software, die solche individuellen Verbesserungsmöglichkeiten bündelt. Hier kommt Eye-Able ins Spiel. Die Erweiterung, die ab Februar zum Kauf verfügbar sein soll, bietet Nutzerinnen und Nutzern eine breite Palette an Möglichkeiten, Websites zugänglicher zu machen.

Die App Eye-able enthält zum Beispiel einen adaptiven Zoom

Mit wenigen Klicks lässt sich mit der App beispielsweise die Seite der Frankfurter Rundschau anpassen. Hilfreich sind für Menschen mit einer Sehschwäche* besonders der adaptive Zoom, der im Gegensatz zum Browser-Zoom vor allem Textelemente vergrößert, eine Webseiten-Navigation mit Sprachausgabe, bei der nur via Tastatur gesteuert wird, oder Kontrastmodi, die Bilder und farbige Elemente auf der Webseite in sehr kräftige Farben einfärben. Oliver Greiner will aber nicht nur sehgeschwächte Menschen als Kundinnen und Kunden gewinnen: „Eye-Able ist ein Tool für die breite Masse“, sagt er.

Damit spielt er auf Funktionen an, die für alle Anwenderinnen und Anwender nützlich sein könnten. Er meint zum Beispiel einen Blaufilter und den Nachtmodus, die beide die Augen schonen und für Menschen, die spätabends noch vor dem Bildschirm sitzen, hilfreich sind. Als Kunden sieht Greiner auch Webseitenbetreiber. Implementieren diese Eye-Able dauerhaft in ihre Seite, wird sie für jede und jeden barrierefrei. Das ist letztlich auch das Ziel des Gründers: „Barrierefreiheit soll in Deutschland zum Standard werden.“ Oliver Greiner hofft, in fünf Jahren mit Eye-Able auf allen gängigen Webseiten vertreten zu sein. *24vita.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.