Nach dem Schulunterricht geht es für Milan von dem Bussche meistens in die Werkstatt.
+
Nach dem Schulunterricht geht es für Milan von dem Bussche meistens in die Werkstatt.

Recycling

3-D-Druck: Ein echter Daniel Düsentrieb

Weil Milan von dem Bussche das Material für 3-D-Drucker zu teuer war, beschloss er, es einfach selbst aus Plastikmüll herzustellen. Es ist nicht die erste erfolgreiche Geschäftsidee des Schülers.

Von Konrad Schröter

Den ersten Interview-Termin musste er absagen: „Sorry. Maschine kaputt gegangen gerade. Können wir verschieben? Tut mir mega leid“, schreibt der 17-jährige Milan von dem Bussche Anfang Juni. Ein paar Tage später klappt es – und der Jungunternehmer aus Oppenheim in Rheinland-Pfalz erzählt von seiner Leidenschaft: 3-D-Druckern.

Zunächst waren sie nur Geräte zur Prototyp-Herstellung in Start-ups. Im April 2014 dann die Revolution: „Baubeginn für weltweit erstes Haus aus dem 3-D-Drucker“, titelte die Website 3d-grenzenlos. Heute gehört es fast zum Mainstream, dass auch in Deutschland Häuser gedruckt werden – ein großer Fortschritt in der Baubranche. Auch die Frankfurter Rundschau hat über einige Druck-Projekte berichtet.

Bei allem Respekt vor der Drucktechnik: Genauso wichtig ist das Filament, also das Material, das in den Drucker gefüllt werden muss. Und das ist teuer, wie Milan von dem Bussche festgestellt hat. Also entschied er, selbst welches herzustellen. Aus Plastikmüll.

Milan von dem Bussche produziert Rohmasse für den 3-D-Druck aus Plastikabfällen

Plastikmüll gibt es genug. Milan beschloss, Flaschendeckel für die Produktion zu verwenden, die er zum Beispiel von örtlichen Schulen bekommt, auch an den Produktionsabfällen mehrerer Firmen darf er sich bedienen. In der heimischen Garage angekommen, wird der Müll geschreddert, zu Granulat verarbeitet und getrocknet. Das Granulat wird anschließend eingeschmolzen, durchgemischt und in eine Düse gefüllt. Dieser Zaubertrank wird als Faden mit zwei Millimetern Durchmesser und 180 Grad Temperatur ausgepresst, später auf 30 Grad heruntergekühlt. Eine eigens programmierte Durchmesserregulierung passt die Dicke des Filaments an, das nun sauber und verkaufsbereit auf eine Spule gewickelt wird. Ein bisschen erinnert Milan an Daniel Düsentrieb, jenen verrückten Erfinder aus den Donald-Duck-Comics, der mit seinen Kreationen Entenhausen regelmäßig ins Chaos stürzt – aber auch begeistert. „Manchmal sitze ich einfach vor der Produktion und schaue, wie sich die Motoren bewegen“, gibt Milan zu und lacht.

Vor drei Jahren hat er den Grundstein für den Erfolg gelegt. Mit einem Schulfreund begann er, Handyhüllen mit dem 3-D-Drucker herstellen. Damit konnten sie als Team Qi Tech den bundesweiten Wirtschaftswettbewerb „Jugend gründet“ gewinnen. Die Handyhüllen-Produktion wurde zwar eingestellt – zu unflexibel waren die Produkte – doch beim Experimentieren mit dem Drucker blieb ein Problem: „Wir mussten immer wieder Filament kaufen und hatten viele Prototypen. Irgendwann haben wir dann auf Recycling gesetzt. Auch, um Kosten zu sparen“, erklärt Milan.

Auch die Maschinen werden beim Start-up Qi Tech selbst zusammengeschraubt

Doch die Produktion von Qi Tech ist nicht perfekt: „Es funktioniert noch nicht, das Filament mit höherer Geschwindigkeit aufzuwickeln. Ab 10 Metern pro Minute wird es wacklig“, erzählt der Gründer. „Das ist ziemlich frustrierend, wenn man alles gibt und keine Lösung findet.“

Eher nebenbei erzählt er im Interview von der Tochterfirma Qi Tech Industries. Hier werden die Maschinen zusammengeschraubt, die zur Filament-Produktion genutzt werden. Denn ein großer Teil der Produktionsgeräte ist selbst konstruiert und programmiert worden. So kommt es, dass auch Qi Tech Industries schon Abnehmer:innen gefunden hat – auch wenn die Herstellung gerne mal einige Monate dauert: „Unsere Kunden mussten manchmal viel mitmachen“, sagt der Jugendliche.

Lesen Sie auch: Die 34-jährige Marie Langer führt den weltgrößten Hersteller für industrielle 3-D-Drucker, EOS

Die nächsten Ziele sind, aus der Garage in eine eigene Halle umzuziehen und höhere Geschwindigkeiten bei der Herstellung zu ermöglichen, um nicht nur den Umsatz, sondern auch das Vertrauen der Kundschaft zu steigern. „Das Schönste ist, wenn man bis Sonntagnacht um drei arbeitet und es dann endlich funktioniert“, erzählt Milan von den besten Momenten seiner Leidenschaft.

Ach ja, was bedeutet der Name Qi Tech eigentlich? „Das ist die Abkürzung für Quite interesting Technologies“, erklärt der Gründer. Ziemlich interessant, in der Tat.