Anne Schwarz und Marius Müller leiten seit März die Stabsstelle Digitalisierung.
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Anne Schwarz und Marius Müller leiten seit März die Stabsstelle Digitalisierung.

Offenbach

Smart City: Die Mülltonne soll sich melden, wenn sie voll ist

  • Timur Tinç
    VonTimur Tinç
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Zwei digitale Vordenker:innen treiben Offenbachs Wandel zur Smart City voran. Ganz bei Null müssen sie nicht anfangen

Laptops, Smartphones, Videokonferenzsoftware und elektronisches Bezahlen: „Das“, sagt Marius Müller, „ist die Spitze des Digitalisierungs-Eisbergs“, die jeder Mensch sehen könne. Seit dem 1. März leitet er mit Anne Schwarz die Stabsstelle Digitalisierung der Stadt Offenbach. Beide sind mit einer halben Stelle angestellt. Zusammen sollen sie eine „nutzerzentrierte Vision für eine Digitalstadt erarbeiten“, beschreibt es Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD).

Deshalb schauen sich Müller und Schwarz vor allem die „unsichtbare Digitalisierung“ an, die unter der Spitze des Eisbergs im Wasser schwimmt. „Da geht es um Sachen wie Datensouveränität, Datensicherheit oder ein digitales Arbeits-Mindset in der Verwaltung“, erklärt der 27-Jährige. Dafür brauche es Leuchtturmprojekte wie Mülltonnen, die einem Computer melden, das sie geleert werden müssen, und dann kommt sofort die Müllabfuhr.

Die Stadt braucht einen Masterplan Smart City, sagen die Fachleute

„Digitalisierung ist mehr als das Ausdrucken meines Bewohnerparkausweises“, sagt Schwenke. Wenngleich dieser Schritt enorm wertvoll für die Bürgerinnen und Bürger ist und den Beschäftigten sehr viel Zeit spare, müsse die Stadt einen Masterplan Smart City entwickeln.

Müller und Schwarz sollen mit einem Budget von 50 000 Euro in erster Linie Fäden zusammenführen, bestehende Ansätze und Konzepte bündeln sowie Netzwerke auf- und ausbauen. Bürger:innen, Verwaltung, aber auch Unternehmen sollen davon profitieren.

Politisch engagiert beim „Zentrum für digitalen Fortschritt“

Kennengelernt haben sich die beiden über ihr digitalpolitisches Engagement im Verein „D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt“. Bei einer Veranstaltung in Erfurt haben sie festgestellt, dass sie beide aus dem Rhein-Main-Gebiet kommen: Müller aus Seligenstadt, Schwarz aus der Wetterau. Als die Ausschreibung der Stadt Offenbach kam, „hab ich das in unsere Vereinsgruppe gepostet“, erzählt Schwarz. Die 40-Jährige wollte aber keine ganze Stelle haben, weil sie Zwillinge im Alter von zwei Jahren hat. „Darauf hat sich Marius gemeldet und gesagt: Warum machen wir das nicht zusammen?“, berichtet Schwarz.

So kam es zur Tandem-Bewerbung und letztlich zur Tandem-Stelle. Die Schwerpunkte von Schwarz sind Transformationsprozesse und Governance. Seit 2008 war sie als Beraterin in der Privatwirtschaft, aber auch für Nichtregierungsorganisationen tätig. Müller arbeitet mit einer halben Stelle bei der Deutschen Bahn im Bereich künstliche Intelligenz und Plattformen.

Seit 2019 hat Offenbach eine Digitalisierungs-AG

Seit 2019 gibt es in der Stadt eine sogenannte Digitalisierungs-AG. Gerade in Corona-Zeiten seien besonders die digitalen Angebote im Bürgerbüro sehr gefragt gewesen, berichtet Martina Fuchs, Amtsleiterin des Bürgerbüros. Bis Ende des Jahres muss das gesamte Angebot laut Onlinezugangsgesetz auch digital abrufbar sein. „Da sind wir auf einem guten Weg“, sagt Fuchs.

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Für Müller und Schwarz geht es im ersten Schritt darum, sich einen Überblick zu verschaffen. „Wir haben in den letzten zwei Wochen mit diversen Kommunen telefoniert“, berichtet Schwarz. Was wird dort bereits genutzt? Was ist dabei gut und was ist dabei schlecht gelaufen? In Deutschland, so Müller, gebe es viele kleine Dienstleistungen, die in Städten angestoßen worden sind, die auch auf Offenbach übertragbar wären. Zum Beispiel die Bereitstellung von Daten auf Plattformen, Open Data, wie etwa dynamisches Parken, wie das in Hamburg, Frankfurt und München bereits geschieht. Aber auch in Offenbach starte man nicht bei null. Es gibt die digitalen Leitlinien, das Zukunftskonzept Innenstadt und den Masterplan 2030.

Das neue Digitalisierungs-Tandem soll auch Fördermittel einholen. Zum einen für die Stadt und ihre Tochtergesellschaften. Aber auch in Kooperation mit der Wirtschaftsförderung für Unternehmen, um dort Digitalisierungsprozesse anzustoßen.