Juliane Ranck und Laura Setzer mit David Deltow und Silas Buese.
+
Juliane Ranck und Laura Setzer mit David Deltow und Silas Buese.

Essbares Frankfurt

„Städter müssen wieder lernen, wie ihr Essen entsteht“

  • Clemens Dörrenberg
    vonClemens Dörrenberg
    schließen

Der Traum der „GemüseheldInnen“: Eine Permakultur-Insel an jeder Frankfurter Straßenecke. Doch erstmal sind die Campus Westend und Riedberg dran

Der Eichblattsalat ragt mit grünen und dunkelroten Blättern aus seinem Beet. In den übrigen Reihen aufgeschichteter dunkler Erde verraten Holzstäbchen, die im Boden stecken, was dort wächst, etwa: „Möhre bunte Mischung“ oder „Spinat Winterriesen“. Laura Setzer sagt: „Als Nächstes sind die Radieschen reif.“ Mit ihrer Frau Juliane Ranck ist sie Gründerin der Initiative „GemüseheldInnen“. Nach ersten Projekten in der Grünen Lunge, nördlich des Günthersburgparks, haben sie zuletzt gemeinsam mit Studierenden der Goethe-Uni hinter dem Seminarpavillon an der Stralsunder Straße eine neue „Permakultur-Insel“ angelegt.

Auch Eichblattsalat wird am Campus Westend angebaut.

Permakultur übertrage „natürliche Ökosysteme und Kreisläufe auf menschliche“, sagt Ranck. Durch diese Form der „städtischen Landwirtschaft“ könne der Klimakrise entgegengewirkt werden. „Städter müssen wieder lernen, wie ihr Essen entsteht“, sagt Setzer zum Grundgedanken der Initiative. Viele Menschen sehnten sich gerade in Pandemiezeiten danach, so die 34-Jährige.

„Die Uni ist der perfekte Ort, um Flächen in der Stadt anders zu gestalten und zu renaturisieren“, findet David Delto. Der 22-Jährige ist Politikwissenschaftsstudent und Mitglied im Asta. Dort gab es schon länger die Idee zum Anlegen einer Permakultur. „Unis sind die Orte, wo Zukunft entwickelt werden sollte“, sagt Ranck.

„So können wir extrem viele Menschen für Ernährung sensibilisieren und Lösungsansätze anbieten“, berichtet Umweltwissenschaftsstudent Silas Büse. Der 27-Jährige kümmert sich am Riedberg mit rund einem Dutzend Studierenden um eine weitere Permakultur-Insel, die sie auf einer 800 Quadratmeter großen ehemaligen Streuobstwiese angelegt haben. Im Westend stehen 2000 Quadratmeter zur Verfügung, von denen bislang knapp ein Viertel genutzt ist.

Die Initiative

Seit einem Jahr gibt es die „GemüseheldInnen“, die sich für eine „essbare Stadt“ einsetzen.

In der Grünen Lunge haben sie herkömmliche Gärten und ihre erste „Permakultur-Insel“ angelegt. Neben den Beeten an der Uni im Westend und am Riedberg gibt es weitere auf einer Fläche von 1600 Quadratmetern im Riederwald.

Weitere Infos unter gemueseheldinnen-frankfurt.de.

Die Komposterde, auf der die „essbaren Inseln“ angelegt worden sind, wurde vom Entsorgungsunternehmen FES gespendet. Sie bildet die fruchtbare Grundlage, in der neben bekannten auch alte Gemüsesorten, wie der Salat Winterpostelein („unglaublich lecker“), Gartenmelde („Spinat-Ersatz“), Hirschhornwegerich („sehr robust“) und die Flügelerbse („sieht hübsch aus und schmeckt“) wachsen sollen. Auf der brachliegenden Fläche hinter einem Wohnblock an der viel befahrenen Adickes-/Hansaallee sei der Boden teils sandig, teils steinig und damit kaum ertragreich, berichtet Ranck.

Als „Mischkulturen“ werden zum Beispiel Zwiebeln und Karotten in ein Beet gepflanzt, weil der „Duft der Zwiebeln“ dem Möhrengemüse lästige Fliegen fern halte. Auch umgekehrt wirkten Karotten positiv gegen Schädlinge der Zwiebel.

Lesen Sie auch: Bei „Du bist hier der Chef“ können alle mitbestimmen, wie Lebensmittel produziert werden

Ähnlich gemeinschaftlich wollen sie auch auf den „Permakultur-Inseln“ zusammenarbeiten und sichtbar werden im Stadtbild. Unterstützt werde das Projekt dabei von vielen Seiten, unter anderem von der Uni-Leitung, vom Ernährungsrat Frankfurt sowie von dem Trägerverein Bionales. Weitere Hilfe von Menschen, die ebenfalls in der Erde wühlen oder sich anderweitig einbringen wollen, sei willkommen, sagt Ranck. Am liebsten hätte sie „an jeder Straßenecke“ eine „Permakultur-Insel“. Bis das so weit ist, wird erst mal geerntet. Im Sommer gebe es körbeweise Gemüse, berichtet Setzer. Zu festen Öffnungszeiten, die am Zaun stehen sollen, könnten sich dann auch Menschen, die nicht mitgeholfen haben, etwas von der Ernte abholen.

Rund 2000 Quadratmeter stehen am Campus Westend zur Verfügung.