Übung mit dem Fitnessband von Straffr
+
Für Fortgeschrittene: Übung mit dem Straffr-Band.

Straffr

Ein Fitnessband, das mitdenkt

  • Judith Köneke
    vonJudith Köneke
    schließen

Flexibel, schlau, kostengünstig: Mit einem innovativen Sportprodukt will das nordhessische Start-up Straffr den Menschen regelmäßiges Workout schmackhaft machen

Fitnessbänder gibt es schon lange und in großer Zahl. Sie sollen klassische Kraftübungen wie Kniebeugen intensivieren, aber auch Stretching ist möglich. Ein Kasseler Start-up will die Bänder nun ins digitale Zeitalter holen. Das Produkt von Straffr solle zugleich Fitnessstudio und Personal Trainer to go sein, sagt Gründer Stefan Weiß. „Unsere Zielgruppe umfasst Menschen, die sportlich affin sind und nach einem smarten Fitnessgerät suchen.“ Die sich eine Lösung wünschten, die sich ihrem Lebensstil anpasst. 2019 gründete der 31-Jährige gemeinsam mit Torben Hellmuth und Hanno Storz deshalb Straffr.

Beruflich oft unterwegs und dabei viel Zeit in Hotels verbracht, hatten die Gründer das Problem von zu wenig Bewegung im Alltag selbst erlebt. „Wir hatten keine Zeit für sportlichen Ausgleich“, sagt Weiß. Die gängigen Lösungen wie etwa die App Freeletics seien ihnen zu einseitig gewesen. „Und wir haben das Feedback vermisst.“

Die Gründer von Straffr: Thorben Hellmuth, Stefan Weiss und Hanno Storz

Das bekommen die Kunden und Kundinnen von Straffr nun. Das zwei Meter lange Gummiband ist mit einem elektrisch leitfähigen Kunststoff ausgestattet. Es misst Geschwindigkeit, Kraft und Wiederholungszahl automatisch. Die Daten werden mittels eines elektronischen Clips am Band an eine App übermittelt. Über 50 Übungen sollen während des Workouts möglich sein. Diese wurden von Physiotherapeuten und Fitness-Trainern erstellt. Zudem gibt es eine Videoanleitung.

Das Fitnessband von Straffr kontrolliert, wie schnell und mit wie viel Kraft Übungen ausgeführt werden

Doch wie wird kontrolliert, dass man die Übungen richtig ausführt? Die Messungen sagten schon auch etwas über die Qualität aus, erläutert Weiß. Denn die häufigsten Fehler seien, dass Bewegungen zu langsam oder zu schnell ausgeführt würden und das Band nicht stramm genug sei. Dem könnten sie so vorbeugen. Aber ob der Sportler oder die Sportlerin nun den Rücken bei der Liegestütze gerade hält oder bei Squads das Knie nicht über den Fuß hinausgeht, das erkenne auch Straffr nicht.

Gerade in Corona-Zeiten machen immer mehr Menschen ihr Workout zu Hause. Sie müssen notgedrungen aufs Wohnzimmer ausweichen, machen Yoga oder Sportübungen allein oder mit Online-Videos. Das Fitness-Start-up Peloton etwa gilt mit seinen Spinningrädern für zu Hause als Homeoffice-Profiteur.

Straffr hat harte Konkurrenz: Immer mehr elektronische Geräte helfen beim Sport

Belebt Corona das Geschäft? Das könne sein, sagt Weiß, aber auch vor der Krise hätten viele Menschen extrem wenig Zeit gehabt, um mehrmals die Woche ins Fitnessstudio zu gehen oder mit einem Personaltrainer zu trainieren. Mit ihrem Produkt könne man zwischendurch mal ein paar Übungen machen. Direkte Konkurrenz zu Straffr sieht Weiß nicht. Doch der Fitnessmarkt ist heiß umkämpft. Fitnessstudios, Personal-Trainer oder Apps buhlen um die Gunst der Menschen.

Immer mehr elektronische Gadgets sollen dabei helfen, optimal Sport zu treiben. Das Plankpad etwa, ein Holzbrett mit Schaumstoffauflage, kombiniert ein Fitnessgerät mit Spielen und Workouts auf dem Smartphone oder Tablett. Es soll den gesamten Körper trainieren. Die Fitteryou Mat, eine smarte Matte mit einer dazugehörigen Coaching-App, kennt die Trainingsziele, Verletzungen und Gewohnheiten seiner Nutzerinnen und Nutzer und übernimmt für sie die komplette Trainingsplanung.

Straffr-Gründer Weiss: „Für dieses Jahr sind wir im Grunde ausverkauft“

Aber keiner sei, so Gründer Weiß, so vielseitig und kostengünstig wie Straffr. Ihr Band, das in zwei verschiedenen Stärken erhältlich ist, verkaufen die Nordhessen für jeweils rund 100 Euro. Im Doppelpack sind sie für 180 Euro erhältlich.

Bei der TV-Show „Die Höhle der Löwen“ warben die Gründer von Straffr um ein Investment von 300 000 Euro, im Gegenzug hätten sie 20 Prozent ihrer Firmenanteile abgegeben. Hier kam es zwar zu keinem Deal, aber es habe ihrem Produkt viel Aufmerksamkeit beschert, erläutert Weiß. „Neben unseren eigenen Mitteln und mehreren Fördergeldern haben auch Business Angel in uns investiert“, so der Wirtschaftsingenieur. Gerade seien sie in Gesprächen mit weiteren Geldgebern.

Das Interesse sei da, es gebe mehrere tausend Vorbestellungen, mit einem Umsatz ungefähr im sechsstelligen Bereich. „Für dieses Jahr sind wir im Grunde ausverkauft.“ Ab Ende November soll ausgeliefert werden.