Moanah bietet umweltfreundliche Reinigungsmittel an
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Fertig machen zum Putzen: Modell mit Reinigungsmittel von Moanah

Moanah

So wird Putzen eine saubere Sache

  • Judith Köneke
    vonJudith Köneke
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Wenn das Leben dir Zitronen gibt – mach Putzmittel daraus! So wie Felix Kleinherz und Salman Armankan, die mit ihrer Firma natürliche Reinigungsmittel in nachhaltigen Verpackungen anbieten.

Man nehme die Schale einer Zitrone, zwei bis drei Zweige Rosmarin, 250 Milliliter Tafelessig und doppelt so viel Wasser. Daraus lässt sich laut einer Anleitung im Internet ein prima Badreiniger mischen. Wer kein Putzmittel kaufen will, findet unzählige solcher Anleitungen im Netz. Doch obwohl Nachhaltigkeit im Trend liegt, greifen wohl die meisten Menschen noch immer zu den herkömmlichen Produkten aus den Drogerie- oder Supermarktregalen.

Rund 1,1 Millionen Euro wurden im Jahr 2019 in Deutschland nach Angaben des Industrieverbands Körperpflege und Waschmittel (IKW) für Reinigungsmittel ausgegeben. In Mengen sind das rund 220 000 Tonnen Haushaltsreiniger und 260 000 Tonnen Spülmittel in einem Jahr, rechnete das Umweltbundesamt zusammen.

Felix Kleinherz und Salman Armankan.

Die Mutter von Salar Armakan, die als Putzkraft arbeitet, hat ihr Reinigungsmittel hingegen schon immer selbst hergestellt. Das könnten doch viel mehr Menschen machen, dachte sich der 34-Jährige. Gleichzeitig ließe sich so jede Menge Plastik sparen und auf aggressive Chemikalien verzichten. Also fing Armakan an zu recherchieren und holte sich einige Monate später seinen Kumpel Felix Kleinherz mit ins Boot.

Start-up aus Mannheim

Nach einer rund einjährigen Entwicklungsphase in Zusammenarbeit mit einem pfälzischen Chemie-Betrieb und einigen Tests unterschiedlicher Rezepturen hat das Mannheimer Start-up Moanah im Juni dieses Jahres seinen Online-Shop eröffnet. Auch seine Mutter war mit den Produkten zufrieden, erzählt Armakan. Die Corona-Pandemie hatte den Start allerdings ein wenig verzögert.

Das Unternehmen Moanah, was auf Hawaiianisch „Ozean“ bedeutet, bietet ein Granulat abgepackt in kleine Beutel an. Verbraucherinnen und Verbraucher füllen das Gemisch bloß noch mit Wasser auf und bekommen so einen fertigen Reiniger. Dazu gibt es Glasflaschen zur Wiederverwendung. Die Auswahl reicht von Bad-, über Glas-, bis zum Allzweckreiniger.

Sobald die Konzentrate aufgebraucht sind, können sie per Brief nachbestellt werden. Das Starterset mit drei Flaschen, und jeweils zwei Sticks der drei Reiniger kostet 39 Euro. Die 3er, 6er und 9er Sets des abgepackten Granulats gibt es ab 4,90 Euro.

„Gängige Putzmittel bestehen bis zu 90 Prozent aus Wasser und erzeugen viel Müll“, sagt Gründer Salar Armakan. Abgesehen von den Verpackungen würden jedes Jahr allein in Deutschland 55 Tonnen Mikroplastik in Wasch-, Putz- und Reinigungsmitteln eingesetzt, viel zu viel, das müsse nicht sein, findet er.

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WAS TUN: Einfach gar nicht mehr putzen wäre natürlich auch eine Option. Für alle, denen bei diesem Gedanken unwohl wird, gibt es mittlerweile aber auch zahlreiche Anbieter natürlicher Putzmittel. Zudem finden sich online Rezepte für die eigene Herstellung – übrigens nicht nur für Badreiniger und Spülmittel, sondern auch für Produkte der Körperpflege wie Seife oder Zahncreme. Und dann sind da noch die fertigen Naturprodukte wie Waschnüsse oder Wascherde aus dem Bioladen.

WEITERLESEN: Die Zeitschrift „Vital“ trägt auf ihrer Internetseite vital.de einige Rezepte für Allzweckreiniger zusammen, das Onlinemagazin für Nachhaltigkeit smarticular.net listet zudem Anleitungen zum Selbermachen von Wasch- oder Spülmittel auf. Auf Utopia gibt es zudem Rezepte für Cremes, Shampoo und Seifen. Die Anleitungen finden Sie über die Suchfunktion der jeweiligen Webseite. FR

Zusätzliche 232 00 Tonnen gelöste Polymere werden als Enthärter und Schmutzabweiser in die Mittel gegeben, hat der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) analysiert. Außerdem schaden viele der Inhaltsstoffe der Gesundheit. Sämtliche Reinigungsmittel belasten das Abwasser mit Chemikalien, gibt auch das Umweltbundesamt an. Aber die Produkte unterschieden sich im Hinblick auf die Umweltschädlichkeit durchaus.

Die in den Mitteln enthaltenen Tenside seien inzwischen vollständig biologisch abbaubar, so das Amt. Andere Inhaltsstoffe wie Phosphonate, Konservierungsmittel, Duft- und Farbstoffe könnten hingegen nicht oder nicht vollständig abbaubar sein, sich in der Umwelt und in Organismen anreichern, Gewässerorganismen schädigen.

Und was steckt in den Granulaten von Moanah? Sie bestünden grob gesagt aus Zitronensäure, umweltfreundlichen Tensiden sowie Natron und je nach Mittel etwas gegen Kalk oder um Fett zu lösen, erklärt Armakan. Sein Partner und er hätten sich gegen Tabs entschieden, weil diese auch Mikroplastik abgeben können und zudem weitere Hilfsmittel zum Binden benötigen.

Das Vorurteil, nachhaltige Putzmittel seien nicht so effektiv, wollen die Gründer revidieren und fordern dazu auf, ihre Alternative einfach mal auszuprobieren. Das Unternehmen Moanah ist nicht das einzige, das umweltfreundliche Produkte und Verpackungen anbieten, die zudem auch noch cool aussehen.

Viele Investoren sind interessiert

Eine Reihe deutscher Start-ups versucht sich im Reinigungsmittelgeschäft, das von großen Konzernen dominiert wird. Die Firmen Everdrop, Ecotab und Biobaula verkaufen Tabs, die in Bad und Küche zum Einsatz kommen, Kaëll aus Düsseldorf vertreibt flüssige Konzentrate, die sich mit Wasser strecken lassen.

Investoren scheinen interessiert, Everdrop und Ecotab sollen laut des Online-Portals Gründerszene bereits einen sechsstelligen Betrag eingesammelt haben. Und eine große Anzahl von Kundinnen und Kunden hätten bereits bestellt. Soweit sind Moanah zwar noch nicht. Aber die jungen Unternehmer sind sich sicher, einen Nerv getroffen zu haben. „Es kommt gut an“, sagt Armankan über seine Produkte.

Noch arbeiten die beiden Gründer Vollzeit in anderen Jobs, ihr Projekt verfolgen sie nebenbei. „Wir sind eine Weile jeden Morgen um 5.30 Uhr aufgestanden – zu unserem ersten Meeting“, erzählt Armankan. Er selbst hat seinen Job bei einer Bank in Zürich allerdings bereits gekündigt und will sich auf Moanah konzentrieren.

Gerne würden die Gründer ihre Produkte irgendwann im Laden sehen, „aber nicht überall, nur da wo es Sinn macht.“ Weitere Produkte sind ebenfalls in Planung. Alles, was im Haushalt Müll vermeiden und nachhaltiger sein könnte, sagt Armakan.