Die Gründer des Solarunternehmens Ecoligo Martin Baart und Markus Schwani
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„Jede Woche kommen neue Projekte herein.“ Ecoligo-Gründer Martin Baart (l.) und Markus Schwaninger.

Ecoligo

Wie zwei Gründer die Energiewende exportieren

  • Joachim Wille
    VonJoachim Wille
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Sonne satt - doch kaum Solaranlagen. In Afrika ist die Energiewende noch nicht angekommen. Martin Baart und Markus Schwaninger vom Unternehmen Ecoligo wollen das ändern

Martin Baart hat eine Vision: Er exportiert die „German Energiewende“ in Entwicklungs- und Schwellenländer, wo die Umstellung von Öl, Kohle und Gas auf „Erneuerbare“ bisher nicht so recht in Gang gekommen ist. „Auf jedem Gewerbe- und Industriedach dort wird eine Solaranlage installiert sein“, sagt der gelernte Elektroingenieur. Die Stromkosten für die Unternehmen sinken, das Klima sowie die Umwelt profitieren, und für die Crowdinvesting-Finanziers in Deutschland springt eine ordentliche Rendite heraus.

Baart hat vor vier Jahren das Start-up „Ecoligo“ gegründet, um diese Vision, zusammen mit seinem Geschäftspartner Markus Schwaninger, voranzubringen. Die beiden lernten sich 2013 auf einer Solarkonferenz in Kenia kennen – und dachten gemeinsam über Lösungen für das Problem nach: Obwohl in Afrika die Bedingungen für die Solarenergie dank vieler Sonnenscheinstunden eigentlich perfekt sind, kommt deren Nutzung vielerorts nicht in Fahrt. Das Elektrizitätssystem wird in Ländern wie Ghana, Kenia, Nigeria oder Südafrika zu großen Teilen aus Kraftwerken gespeist, die ganz klassisch Kohle, Erdöl und Erdgas verbrennen.

Mächtige Unternehmen bremsen die Energiewende in Afrika

Sonnenstrom kann zwar inzwischen praktisch überall so preiswert produziert werden, dass er billiger ist als Strom aus dem Netz. Die Anlagenkosten sind in den vergangenen 20 Jahren auf ein Zehntel gesunken. „Trotzdem sind Solaranlagen in Subsahara-Afrika eine Seltenheit“, berichtet der 35-Jährige. Eine Ausnahme bilden Minianlagen mit Batterien in Regionen, in denen es kein Stromnetz gibt. Nur: „Die reichen gerade mal aus, damit Familien abends Licht haben und das Handy aufladen können, aber sonst: weitgehend Fehlanzeige.“

Das Nyaho Medical Center in Accra (Ghana) nutzt mit Hilfe von Ecoligo Solarenergie.

Warum die Energiewende in Afrika so schleppend läuft, wurde dem Ecoligo-Gründer und seinem Kompagnon schnell klar. In einigen Ländern wie Nigeria oder Südafrika gibt es eine mächtige Industrie der fossilen Brennstoffe, die die Erneuerbaren bremst. Doch nicht nur dort, sondern praktisch überall ist das Bewusstsein nur wenig verbreitet, dass Solarkraftwerke inzwischen auch einen wesentlichen Teil des Strombedarfs von Industrieanlagen, Gewerbeunternehmen, Banken oder Hotels decken können – und das bei günstigeren Kosten als bei der Elektrizität aus dem Netz. „Hier braucht es Aufklärung.“

Ecoligo hilft den Unternehmen bei der Finanzierung von Solaranlagen

Das Haupthindernis allerdings liegt in der Finanzierung der Anlagen. „Markus und ich waren oft gemeinsam auf Geschäftsreise in Ostafrika, um potenzielle Kunden aus dem Mittelstand und lokale Unternehmen zu treffen, die Solaranlagen bauen können“, erzählt Baart. Doch das Interesse der Kunden war fast gleich null. Sie konnten die Investitionssummen selbst nicht aufbringen, und eine Bankfinanzierung war, bei horrenden Zinssätzen von deutlich über zehn, in manchen Ländern auch mehr als 20 Prozent, zu teuer.

Die Ecoligo-Gründer fanden einen Ausweg. Sie bringen die Finanzierung mit. Ecoligo sammelt das nötige Geld in Deutschland per Crowdfunding ein, lässt die Anlage von geprüften Firmen bauen und sorgt auch für die Wartung. Das jeweilige Unternehmen vor Ort kauft während der Laufzeit des geschlossenen Vertrages – zwischen fünf und 15 Jahren – den erzeugten Strom und zahlt die Anlage nach und nach ab. Danach geht sie in das Eigentum des Unternehmens über und liefert den Strom dann fast zum Nulltarif.

Die Kunden von Ecoligo kommen aus den unterschiedlichsten Branchen

Inzwischen hat Ecoligo 44 Projekte mit einem Volumen von sechs Millionen Euro finanziert. Nicht nur in ostafrikanischen Ländern, sondern auch in Costa Rica, Kenia und Ghana. Neuerdings expandiert das Unternehmen, dessen Zentrale in Berlin sitzt, auch nach Asien, ein Büro in Vietnam ist schon aufgebaut. „Jede Woche kommen neue Projekte herein.“

Die Kunden sind aus ganz unterschiedlichen Branchen. Dazu zählen eine Blumenfarm in Kenia, eine Universität und ein Krankenhaus in Ghana, eine Shoppingmall in Kenia, ein Hotel in Costa Rica. Trotz der Corona-Krise hat das Unternehmen seit März Verträge für neue Projekte unterzeichnen können – eine Fair-Trade-Schokoladenfabrik in Ghana, Kenias erstes schwimmendes Solarsystem und eine Zwei-Megawatt-Anlage in Vietnam, die bisher größte von Ecoligo.

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Baart ist zufrieden, dass die Idee eingeschlagen hat. „Die Nachfrage ist hoch, die Sache spricht sich herum. Die ersten Projekte haben ja gezeigt, dass es funktioniert“, sagt er. „Die Unternehmen müssen nichts investieren und sparen noch dazu bei den Stromkosten.“ Sie zahlten im Schnitt rund 20 Prozent weniger für die Elektrizität. Scheint keine Sonne, kommt der Strom weiter wie bisher aus dem Netz, zum alten Tarif. Denkbar ist allerdings, dass Ecoligo künftig auch eine Versorgung mit Batteriespeicher für den Ökostrom anbietet, um solche Zeiten überbrücken zu können.

Die Investoren erhalten bei Ecoligo fünf Prozent Zinsen - aber nicht ohne Ausfallrisiko

Das Interesse der Crowdfunding-Anleger sei, trotz Corona, groß, berichtet Baart. Ecoligo hat inzwischen über 1400 Investoren, die Spanne reicht vom Kleinanleger, der ein paar Hundert Euro gegeben hat, bis zu institutionellen Investoren, die mit 50000 Euro dabei sind – der Schnitt liegt bei 1500 Euro. Das Unternehmen lockt mit einer Verzinsung des Kapitals von fünf Prozent – in Zeiten von Nullzins auf dem Sparbuch ziemlich attraktiv. Auch wenn Baart offensiv einräumt: „Es gibt ein Ausfallrisiko.“

Allerdings lege man größten Wert auf Absicherung. Man überprüfe die Kunden und Solar-Installateure genau, zudem gehört das jeweilige Solarkraftwerk ja Ecoligo. Will sagen: Geht ein Kunde doch einmal pleite, kann die Anlage dann abgebaut und weiterverkauft werden. Zudem wurden die Auswirkungen von Corona auf den Geschäftserfolg der Kunden und Partner analysiert, um keine Überraschungen zu erleben.

Die Nachfrage nach grünen Investments steige grundsätzlich weiter, und viele Anleger wollten ihr Geld auch gerne in konkrete Projekte stecken, berichtet Baart. Wegen Corona sei das Interesse nur zwei Wochen geringer gewesen, seither aber wieder wie vorher. Ecoligo hat zudem einen Garantiefonds eingerichtet, um die Crowdinvestoren vor möglichen Ausfällen zu schützen. Baart ist zuversichtlich: „In fünf Jahren soll Ecoligo über 1000 Unternehmen mit Öko-Energie versorgen und Marktführer bei der nachhaltigen Energieversorgung von Unternehmen in den Sonnengürtelregionen der Erde sein.“