Johannes Gassner und Jan Kaye, Gründer des Bettwäsche-Labels Oomay
+
Gut gebettet: Johannes Gassner und Jan Kaye (rechts)

Oomay

Schlafen in Eukalyptus

  • Judith Köneke
    vonJudith Köneke
    schließen

Johannes Gassner und Jan Kaye wollen die Nächte nicht nur angenehmer gestalten, sondern auch nachhaltiger. Mit Bettwäsche aus einer Textilfaser aus Eukalyptus.

Man verbringt so viel Zeit im Bett, mehr als ein Drittel seines Lebens genau genommen. Jan Kaye und Johannes Gassner kann die Bettwäsche deshalb gar nicht wichtig genug sein. Sie wünschen sie sich weich, hautverträglich, atmungsaktiv, nicht zu teuer und ansprechend designt. Darüberhinaus soll sie nachhaltig und sozialverträglich hergestellt sein. Weil die beiden Studienfreunde am Markt nichts finden konnten, was ihren Ansprüchen genügt hätte, haben sie die Firma Oomay gegründet und sind selbst ins Bettwäsche-Geschäft eingestiegen.

Bald wurden die beiden Gründer auf eine Textilfaser aufmerksam, die in der Nachhaltigkeitsszene schon seit einiger Zeit für Furore sorgt. Sie kann mit Eukalyptus, Buchenholz oder auch Stoffabfällen gefertigt werden und ist unter dem Namen Lyocell bekannt. Auch große Textilhersteller wie H&M haben immer mehr Ware aus der Faser im Angebot.

Eukalyptus benötigt sehr viel weniger Wasser als Baumwolle

Für den 29-jährigen Kaye ist Eukalyptus der Stoff des 21. Jahrhunderts. Für die Bettwäsche von Oomay wird laut den Gründern deshalb nichts anderes verwendet. Eukalyptus brauche sehr viel weniger Wasser als die Baumwoll-Pflanze, so Kaye. Pro Bettwäsche-Set spare man so rund 60 Badewannen Wasser ein, das sind fast 11 000 Liter. Das Holz der Eukalyptusbäume wird keinen Koalas in Australien geklaut, sondern kommt aus als nachhaltig zertifizierter Forstwirtschaft in Europa. In Österreich wird es von der mit Umweltpreisen prämierten Firma Lenzing verarbeitet: Erst wird das Holz zerkleinert und in Wasser eingeweicht, damit sich die Cellulose löst. Anschließend wird diese mit einem ungiftigen Lösemittel erhitzt. Es entsteht eine zähflüssige Masse, die dann mithilfte von Spinndüsen zu Fasern verarbeitet wird.

Wenn die Fasern das Werk von Lenzing verlassen, werden sie im Fall von Oomay direkt zum Hersteller in Portugal transportiert, der daraus die Bettwäsche fertigt. Die bekommt dann noch Knöpfe aus Kokosnuss und eine recyclebare Verpackung.

Kaye und Gassner wollen es besser machen als die Textilriesen

„Wir haben uns viel mit der Textilindustrie und ihren oft intransparenten und dreckigen Praktiken befasst“, sagt Oomay-Gründer Kaye. Studien zeigen seit langem auf: Der Ressourcenverbrauch im Baumwollanbau ist enorm, beim Färben von Stoffen wird oft viel Chemie eingesetzt, die Näherinnen in Ländern wie Bangladesch sind schlecht bezahlt und ihre Arbeitsplätze unsicher, und die Konsumenten werden dazu erzogen, häufig Neues zu kaufen und Altes wegzuwerfen.

Das Start-up mit Sitz in Nürnberg ist nicht das erste, das Bettwaren aus Lyocell auf den Markt bringt. Auch Firmen wie Allnatura haben solche Produkte im Angebot. Außerdem gibt es auch Unterwäsche, Blusen, Leggins oder Sportfunktionskleidung aus der nachhaltigen Faser. Die Vorherrschaft der Baumwolle konnte sie bislang allerdings noch nicht brechen. In der abgelaufenen Anbausaison wurden laut Zahlen des US-Landwirtschaftsministeriums weltweit mehr als 120 Millionen Baumwollballen geerntet. Nur viermal waren es mehr in den vergangenen 15 Jahren.

Aktiv werden

PROJEKT: Die Frankfurter Rundschau gibt Kreativrebellinnen, Ideen-Vulkane und Fortschrittmachern eine Stimme - mit „Zukunft hat eine Stimme“. Ideen können ab sofort vorgestellt werden unter www.fr.de/meinezukunft.

WAS TUN: Die Welt im Schlaf verändern.

WEITERLESEN: Die Webseiten des Südwind-Instituts und von Inkota bieten Informationen zu den Missständen in der Textilbranche. FR

Die Oomay-Gründer bieten ihre Bettwäsche zu rund 100 Euro für das kleine Set und 145 Euro für das große Set an. Damit treffen sie mit eher gehobenen Preisen auf eine Kundschaft, die für Bettwäsche tendenziell nicht besonders viel Geld ausgibt, wie der gebürtige Mühlheimer Kaye verwundert festgestellt hat. Für ein paar Sneaker werde oft mehr gezahlt. Dabei verbringe man in Bettwäsche jede Nacht.

Da beide Gründer in Kopenhagen studiert und gelebt haben, wollten sie ihrer Firma einen skandinavischen Touch geben. Darum sei das Design eher minimalistisch mit klassischen Farben. Der Name Oomay bedeutet übersetzt so viel wie „Die Extra-Meile gehen“, das bisschen mehr Anstrengung.

Oomay finanziert sich über Crowdfunding - sehr erfolgreich

Finanziert wurde die Unternehmung durch eine Crowdfunding-Aktion auf der Plattform Startnext. Ihren ersten Zielbetrag hatten die Gründer schon nach vier Tagen zusammen. Das zweite Ziel von 30 000 Euro ist inzwischen mit mehr als 53 000 Euro weit übertroffen. Die Unterstützer erhalten nun als Erste ihre Bettwäsche.

„Es lief sehr gut, besser als erwartet“, sagt Kaye. Die Aktion helfe, das Konzept zu prüfen. Klar sei auch geworden, „die Leute haben Interesse“. Ab Ende August sollen die Produkte auch über die Website von Oomey für alle bestellbar sein.