Bieten nachhaltige Sportklamotten an: Christoph Behroz (l.) und Rouven Kneipp.
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Bieten nachhaltige Sportklamotten an: Christoph Behroz (l.) und Rouven Kneipp.

Textil-Startup

Das Trainingshirt aus Holz

  • Helen Schindler
    vonHelen Schindler
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Die junge Marke Vidar Sports will zeigen, dass Sportklamotten auch nachhaltig sein können. Bekannten Marken werfen die Gründer „Greenwashing“ vor.

Sportkleidung aus Holz, nachhaltig und fair hergestellt: Das ist der Anspruch von Vidar Sports. Hinter der noch jungen Modemarke aus Frankfurt stehen Rouven Kneipp und Christoph Behroz. Mit dem Modegeschäft hatten die beiden bis vor kurzem nichts zu tun: Kneipp, 33, hat einen IT-Background, Behroz, 35, kommt aus dem Marketingbereich. Doch die beiden teilen zwei Dinge: die Liebe zum Sport und die Leidenschaft für Nachhaltigkeit.

Die Idee, nachhaltige Sportkleidung herzustellen, sei Kneipp und Behroz vor knapp eineinhalb Jahren in einer Frankfurter Eckkneipe nach einem Tennisspiel gekommen, erzählen sie. „Wir haben uns gefragt, warum es kaum nachhaltige Sportkleidung gibt – und angefangen, zu recherchieren.“ Denn was bei Alltagskleidung inzwischen immer mehr Einzug erhält – ökologische Materialien und faire Produktion – sei bei Sportklamotten noch die Ausnahme. „Das Problem ist, dass Stoffe wie Biobaumwolle sich für Sportkleidung nicht uneingeschränkt eignen, weil die Anforderungen höher sind als die an Alltagskleidung: Sie muss elastisch, reißfest, atmungsaktiv und langlebig sein“, erklären die zwei Gründer. Deswegen bestehe herkömmliche Sportkleidung fast immer aus Polyester.

Modeserie

Vom 5. bis 9. Juli 2021 findet die erste Frankfurt Fashion Week statt – pandemiebedingt allerdings als rein digitale Veranstaltung.

Im Januar 2022 sollen dann erstmals die Messen Premium, Seek, Neonyt und The Ground sowie die Laufstegpräsentationen in der Mainmetropole ausgerichtet werden. Aber kann Frankfurt Mode?

In unserer Serie stellen wir regelmäßig lokale Designerinnen, Modemacher und Ladenbesitzerinnen vor. Sportmarkengründer, Handtaschendesignerinnen und Schuhmacher sind ebenso dabei wie Fashion-Influencer-innen. jkö/rose/hsr

Vidar Sports: Der Stoff Lyocell ist leicht, robust und atmungsaktiv

„Plastik beziehungsweise Polyester ist aus unserer Sicht kein nachhaltiges Material.“ Daran ändere sich auch nichts, wenn recyceltes Polyester verwendet werde. „Polyester gibt bei jeder Wäsche Mikroplastik ins Wasser ab, welches letztlich in der Natur und damit auch unserem Grundwasser landet“, so Behroz und Kneipp. „Dazu wird sie meist irgendwo in Südostasien gefertigt und fliegt um den halben Globus, bevor sie bei uns ankommt.“ Behroz und Kneipp setzen deshalb auf den Stoff Lyocell, der aus Holzfasern besteht. Er wird aus natürlichem Eukalyptusholz aus nachhaltiger Forstwirtschaft gewonnen. „Dieser Stoff bringt alles mit, was man beim Sport braucht“, versichern die beiden. Er sei extrem leicht, robust und atmungsaktiv. „Außerdem hemmt die Naturfaser die Geruchsbildung beim Schwitzen“, betont Kneipp. „Du kannst sie vollschwitzen, lässt sie trocknen und kannst sie dann wieder anziehen.“ Und natürlich sei der Stoff biologisch abbaubar. Hergestellt wird die Sportkleidung in einer kleinen Manufaktur in Portugal, versendet wird plastikfrei. Zehn Prozent des Gewinns von Vidar Sports gehen an karitative Projekte.

Bekannten Sportmarken werfen Behroz und Kneipp „Greenwashing“ vor. Denn diese verwendeten meist recyceltes Polyester und verkauften das den Konsumentinnen und Konsumenten als nachhaltig. „Solche Kampagnen reichen den großen Marken, auch wenn das oft Mogelpackungen sind und keine Transparenz den Kundinnen und Kunden gegenüber herrscht.“ Würden große Marken auf Tencel umsteigen, würden Behroz und Kneipp das begrüßen und nicht als Konkurrenz sehen, sagen sie.

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Seit September vergangenen Jahres ist die erste Kollektion von Vidar Sports verfügbar: drei Sportshirts für Männer und zwei Sporttops für Frauen; alle Teile kosten 44,95 Euro. Gekauft werden können diese im eigenen Onlineshop und im Avocadostore. „Die Sachen kommen sehr gut an“, sagt Behroz. Aktuell entstünden die ersten Prototypen für kurze Sporthosen für Frauen und Männer, im Herbst solle es Kapuzenpullis geben. Perspektivisch sei für die beiden auch der lokale Einzelhandel reizvoll. „Aber weniger im klassischen Sporthandel, mehr in Concept Stores.“