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Es wird eng in den Städten: Demografen gehen davon aus, dass im Jahr 2050 etwa 2,5 Milliarden Menschen auf dem afrikanischen Kontinent leben werden. istock

Bevölkerungswachstum

Die Weltbevölkerung steigt besonders in Afrika rasant an – Städte wachsen unkontrolliert

  • Tobias Schwab
    vonTobias Schwab
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Prognosen zufolge soll sich die Bevölkerung in Afrika bis zum Jahr 2100 verdoppeln. Das bringt schwere Konsequenzen mit sich. Einige Staaten zeigen jedoch, wie sich mit Bildung und Gleichberechtigung die Zukunft gestalten lässt.

  • Die Weltbevölkerung steigt vor allem in Afrika rasant an
  • Eine große Weltbevölkerung wird die Menschen vor größere Probleme stellen
  • In Afrika verfolgt man Strategien, um sich für die Zukunft zu wappnen

Die Überweisung nach Uganda ist erst ein paar Stunden her, da schickt Brenda Nakaboke schon eine Nachricht über Whatsapp: „I am so happy und very grateful“, schreibt sie ihren beiden Förderern in Deutschland. Und hängt noch ein paar Fotos ihres neuen Laptops an, das die 22-Jährige kurz zuvor in Entebbe gekauft hat. Das Geld dafür hatten ihre Förderer per Smartphone auf Brendas Mobile-Money-Konto überwiesen. Und jetzt, schreibt Brenda noch, werde sie sich an die Seminararbeit setzen, deren Abgabetermin näher rückt.

Der Weg an die Universität war für Brenda Nakaboke, Älteste von sechs Geschwistern, alles andere als vorgezeichnet. Doch ihr Leben nahm eine unerwartete Wendung, als sie vor fast acht Jahren zwei deutschen Rucksackreisenden in Entebbe begegnete. Auf deren Frage, was sie denn später einmal werden wolle, antwortete die damals 14-Jährige keck: Journalistin. „Liest Du denn Zeitungen?“, wollten die Traveller wissen. „Na klar“, sagte Brenda – und präsentierte zum Beweis einen Stapel ugandischer Blätter.

Weltbevölkerung wird bis 2100 vor allem in Afrika wachsen

Das Gespräch beindruckte die Deutschen derart, dass sie beschlossen, das Mädchen zu fördern. Jetzt finanzieren sie ihr das Studium an der Nkumba University. Samt Zimmer in einem Hostel, damit Brenda sich aufs Lernen konzentrieren kann. Denn in der engen Behausung mit fünf Geschwistern würde sie nur schwer Ruhe finden.

Wäre Brenda den beiden Deutschen vor acht Jahren nicht über den Weg gelaufen, würde sie wahrscheinlich noch immer täglich in Entebbe in einem aus Brettern gezimmerten Shop stehen und ihrer Mutter, die die siebenköpfige Familie alleine durchbringen muss, beim Verkauf von Biskuits, Bananen und Bier an Soldaten einer benachbarten Kaserne helfen. Sie wäre vielleicht auch längst verheiratet und hätte heute selbst schon zwei, drei eigene Kinder zu versorgen. Und das wäre vermutlich erst der Anfang.

Durchschnittlich 5,3 Kinder bekommen Frauen in Uganda nach Angaben des United Nations Population Fund (UNFPA). In Angola waren es im vergangenen Jahr 5,5, in der Demokratischen Republik Kongo 5,8 – und im bitterarmen Niger lag die Geburtenrate sogar bei 7,1. Dass die Weltbevölkerung pro Sekunde immer noch um zwei Erdenbürger wächst, liegt vor allem an Afrika.

Brenda Nakaboke.

UN-Statistiker berechnen die Weltbevölkerung für das Jahr 2100

Der globale Chefbuchhalter dieser Entwicklung ist Frank Swiaczny. In New York leitet er bei den Vereinten Nationen ein Team von Statistikern und Demografen, das die Datenbank der UN mit allem füttert, was mehr als 235 Länder und Territorien an Geburts- und Sterbestatistiken liefern. „Die Angaben werden von uns qualitätsgeprüft, so weit wie möglich verifiziert und homogenisiert“, erklärt der 53-Jährige.

Aus all den eingesammelten Daten modelliert Swiaczny mittels komplexer Rechenoperationen die alle zwei Jahre veröffentlichte UN-Prognose zur weltweiten Bevölkerungsentwicklung. Die Botschaft der jüngsten Projektion vom Sommer 2019: Bevölkern derzeit fast 7,8 Milliarden Menschen die Erde, werden es in zehn Jahren bereits 8,5 Milliarden sein, 2050 dann schon 9,7 Milliarden und ein halbes Jahrhundert später schier unfassbare elf Milliarden.

Aber das war’s dann auch mit den steilen Kurven nach oben. Um 2100 herum, davon gehen die UN-Experten aktuell aus, wird eine Zeitenwende erreicht. Ist die Menschheit seit Jahrtausenden gewachsen, wird sie dann schrumpfen. Und dieser Prozess hat auf dem halben Erdball schon längst eingesetzt, bilanziert Swiaczny. Die magische Zahl dazu lautet 2,1. So viele Kinder müssen Frauen im Schnitt kriegen, damit Staaten ihre Bevölkerungszahl stabil halten. Und unter dieses Reproduktionsniveau sind laut UN bereits fast die Hälfte aller Länder gesunken. Selbst auf dem asiatischen Kontinent liegt die Rate bereits bei 2,1.

Weltbevölkerung: UN-Statistiker rechnen für 2100 mit vier Milliarden in Afrika

Aber Afrika! Gebären Frauen weltweit im Schnitt 2,47 Kinder, sind es in der Subsahara-Region 4,8. Bis 2050 sagen die Statistiker der UN deshalb für unseren Nachbarkontinent eine Verdoppelung der Bevölkerung auf dann 2,5 Milliarden Menschen voraus. Am Ende des Jahrhunderts kalkulieren sie mit rund vier Milliarden.

Ein solches Bevölkerungswachstum würde auch eine Industrienation wie Deutschland überfordern. Für viele Länder Afrikas aber, wo es an Hospitälern, Schulen, Wohnungen fehlt, wo Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen haben, wo formelle Jobs Mangelware sind, droht ein Desaster. Mit Folgen auch für die gewaltig überstrapazierten natürlichen Ressourcen, denen schon jetzt auch der Klimawandel zusetzt.

Das Wachstum der Bevölkerung lässt einerseits den Migrationsdruck Richtung Europa steigen, es führt aber vor allem dazu, dass afrikanische Städte wuchern. Millionen von jungen Menschen fliehen bereits jetzt in die heimischen Metropolen – auf der Suche nach Jobs und in der trügerischen Hoffnung auf ein besseres Leben. Die Geschwindigkeit der Urbanisierung Afrikas sei unvergleichlich in der Geschichte, schreiben die Wissenschaftlerinnen Julia Bello-Schünemann und Ciara Aucoin vom Institute for Security Studies in Südafrika in ihrem Report „African Urban Futures“. Mit beispiellosen Herausforderungen: Schon jetzt haust die Mehrheit der Stadtbewohner in Slums oder informellen Siedlungen mit oft katastrophaler Infrastruktur. Und vor allem die werden sich mit der wachsenden urbanen Bevölkerung weiter ausdehnen, prognostiziert die Afrikanische Entwicklungsbank.

Weltbevölkerung: Städte in Afrika wachsen unkontrolliert

In seinem Bestseller „Planet der Slums“ hatte der US-Stadtforscher Mike Davis diese Entwicklung schon 2006 als „Urbanisierung ohne Urbanität“ beschrieben. Denn anders als vor Jahrzehnten in Europa etwa Manchester oder Berlin wachsen afrikanische Städte unkontrolliert – ohne Entwicklung und weitgehend ohne Industrialisierung. Die Beschäftigungskrise in den Städten, so Davis, sei eine ähnlich massive Bedrohung wie der Klimawandel.

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Doch wie dieser apokalyptischen Vision entgehen? Wie den fatalen Kreislauf aus hoher Geburtenrate, Verteilungskonflikten und schleppender Entwicklung durchbrechen? „Schwierig“, sagt Aida Schreiber, die seit fast 15 Jahren in der Rhein-Main-Region lebt, sich aber gemeinsam mit ihrem deutschen Mann in ihrer Heimat Mali und im Nachbarland Niger engagiert. Sie wollen dort vor allem für Frauen eine Perspektive schaffen. Zehn Kinder hat ihre Mutter in Bamako zur Welt gebracht, drei davon sind früh gestorben. Aida Schreibers älteste Schwester hat sieben Kinder geboren, die nächst jüngere schon fünf.

„Über Familienplanung zu reden, ist ein Tabu“, erzählt Aida Schreiber. Wenn sie das Thema nur anschneide, könnten ihre Schwager richtig böse werden. „Das wird als Gotteslästerung gesehen.“ Kinder, so wird der 33-Jährigen dann erklärt, kommen eben, sie seien ein Geschenk. „Und für viele sind sie auch ein Statussymbol und eine Absicherung fürs Alter.“ Es mache sie traurig und wütend zugleich, wenn dann die Ressourcen fehlten, um den Kindern etwas mit auf den Weg zu geben: Wenn Mädchen schon mit zehn verheiratet und früh schwanger werden; wenn Jungen Vieh hüten oder auf dem Acker schuften müssten, anstatt die Schule zu besuchen, wie sie es bei den Besuchen in den Dörfern Malis und des Niger immer wieder erlebe. „Die haben dann nichts, woraus sie eine bessere Zukunft aufbauen könnten.“

Weltbevölkerung: Familienplanung ist in Afrika ein Tabuthema

Tizta Tilahun Degfie, Forscherin vom African Population and Health Research Center (APHRC), beschreibt in der Studie „Lagging Fertility Transition in Sub-Saharan Countries“ gemeinsam mit Kollegen genau das als Treiber eines anhaltenden Bevölkerungswachstums: die Ungleichheit der Geschlechter, ein niedriges Bildungsniveau, die frühe Heirat und der fehlende Zugang zu Verhütungsmitteln.

Aida Schreiber hat in ihrer malischen Familie aber auch ein anderes Beispiel – und das ist im Grunde das zukunftsweisende Gegenmodell: Eine weitere ihrer Schwestern ist mit einem Mann verheiratet, der viel Wert auf Bildung legt. Sie hätten sich zwar auch für vier Kinder entschieden, verfügten aber auch über die finanziellen Ressourcen, um die Mädchen und Jungen auf gute Schulen zu schicken und ihnen später ein Studium zu ermöglichen. „Die lernen in Bamako gerade schon die dritte Fremdsprache“, erzählt Aida Schreiber. Um die Zukunft dieser Nichten sei ihr jedenfalls nicht bange. „Das werden selbstbewusste Frauen.“

Aida Schreiber.

Die dann eines Tages hoffentlich ihr Recht auf eine reproduktive Selbstbestimmung wahrnehmen können, Zugang zu modernen Methoden der Familienplanung und berufliche Chancen haben werden – allesamt Ziele, die auch die UN-Entwicklungsagenda 2030 den Staaten vorgibt. Dass dann die Geburtenraten – ohne Zwangsmaßnahmen wie die Ein-Kind-Politik in China – automatisch sinken, ist vielfach historisch belegt.

Weltbevölkerung: Einige Länder in Afrika versprechen Erfolg

Und auch in Subsahara-Afrika gibt es bereits Länder, die einen Erfolg versprechenden Pfad eingeschlagen haben, wie eine Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung zeigt. Äthiopien, nach Nigeria das Land mit der zweitgrößten Bevölkerung, gehört dazu. Dort ist seit Mitte der 1990er Jahre die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau von rund sieben auf jetzt etwa vier gesunken. Eine rasante Entwicklung, die ihresgleichen sucht.

Grund für diesen Sprung ist eine Strategie, die die Regierung in Addis Abeba seit 1995 verfolgt, erklärt Studienmitautorin Alisa Kaps. Tragende Säulen dabei: die Förderung der Landwirtschaft, der Ausbau des Gesundheitssystems und Investitionen in die Bildung. Gemeinsam mit internationalen Partnern errichtete die Regierung in jeder Gemeinde eine Gesundheitsstation und bildete mehr als 40 000 Frauen zu Gesundheitshelferinnen aus. Die betreuen seither Mütter vor und während der Schwangerschaft und behalten auch die Kleinkinder im Auge.

Die Folge: Seit dem Millenniumswechsel hat sich die schwangerschaftsbedingte Sterblichkeit bei Frauen halbiert, ähnlich ist es bei den Säuglingen. Weil mehr Kinder überleben, wünschen sich Paare nun im Schnitt weniger Nachwuchs – und können sich mittlerweile in jeder Gesundheitsstation zu Verhütungsmethoden beraten lassen. Die Nutzungsrate von Kontrazeptiva hat sich seit Beginn der 2000er Jahre verfünffacht. Ergebnis der nationalen Strategie zur Bevölkerungspolitik Äthiopiens ist auch, dass heute fünf Mal mehr Mädchen eingeschult werden als noch 1995 und der Anteil der Frauen, die einer bezahlten Arbeit nachgehen, stark gestiegen ist.

Weltbevölkerung: Staaten in Afrika senken die Geburtenrate

Auch die Staaten Ruanda, Botswana, Senegal oder Ghana setzen auf ähnliche Strategien. „Die Menschen entscheiden sich dann selbst aus freien Stücken für kleinere Familien“, erläutert Alisa Kaps, Expertin für internationale Demografie beim Berlin-Institut. „Es braucht also ein gewisses Maß an Entwicklung, damit die Kinderzahlen zurückgehen und daraus wieder Möglichkeiten für neuen Fortschritt entstehen.“

Alisa Kaps spielt damit auf die „demografische Dividende“ an, die beispielweise die asiatischen Tigerstaaten Südkorea, Thailand oder Singapur aufgrund sinkender Geburtenraten einfahren konnten. Die ökonomische Logik funktioniert so: Fallen die Kinderzahlen und schrumpfen damit die nachwachsenden Jahrgänge, formt sich – bildlich gesprochen – die Bevölkerungspyramide zu einem Bienenkorb. Der Anteil der Menschen, die einer Arbeit nachgehen können, wächst gegenüber den Alten und Kindern, die versorgt werden müssen.

Alisa Kaps.

Die meisten afrikanischen Staaten sind davon noch weit entfernt. Ökonomen gehen davon aus, dass sich das Fenster für einen Entwicklungsschub erst öffnet, wenn auf jede abhängige Person 1,7 Erwerbsfähige im Alter zwischen 15 und 64 kommen. Die UN prognostiziert, dass die Subsahara-Staaten frühestens im Jahr 2035 so weit sein werden, manche sogar erst 2060. Ob es dann gelingt, diese günstige Altersstruktur in einen wirtschaftlichen Aufschwung umzumünzen, der dem Staat dann idealerweise auch höhere Einnahmen beschert, die wiederum in soziale Infrastruktur investiert werden können, um den Lebensstandard der gesamten Bevölkerung zu heben – das hängt vor allem davon ab, dass eine möglichst gut ausgebildete Jugend reguläre und produktive Jobs findet.

Weltbevölkerung: Beschäftigungskrise in Afrika

Wie groß die Herausforderung ist, zeigen Zahlen der International Labour Organization (ILO): So waren im Jahr 2018 von den 737 Millionen Afrikanern im Alter von 15 bis 64 Jahren nur 16,8 Prozent regulär beschäftigt. Die große Mehrheit schlägt sich mit schlecht bezahlten Gelegenheitsjobs ohne jede Absicherung durch oder ackert auf einem kleinen Stück Feld, um zu überleben. Von diesen prekären Verhältnissen sind laut ILO vor allem junge Erwerbsfähige und Frauen betroffen.

Ohne Beschäftigung für Frauen kein positiver Wandel. Das ist das Credo von Aida Schreiber. Auch deshalb hat sie vor sieben Jahren mit ihrem Mann Torsten Schreiber das mehrfach ausgezeichnete Sozialunternehmen Africa Greentec gegründet. In Mali und im Niger elektrifizieren sie Dörfer, die entweder noch nie Strom hatten oder ihn bisher mit schmutzigen Dieselgeneratoren erzeugten. Die Energie, die Africa Greentec liefert, kommt aus Containern, kleinen kompakten Photovoltaik-Kraftwerken, die sauberen Strom produzieren und speichern, Trinkwasser aufbereiten und eine Internetverbindung ermöglichen.

Die Wirkungen auf die Entwicklung sollen jetzt wissenschaftlich erforscht werden. Schon jetzt zeigt sich aber, wie vor allem Frauen profitieren, erzählt die Aida Schreiber. „Manche starten ein kleines Business oder können ihr Geschäft jetzt produktiver betreiben.“

Eine Töpferei, die Herstellung von Shea-Butter, ein kleines Restaurant, die Vermarktung von Lebensmitteln, die gekühlt werden können – all das verändert die Welt der Frauen, beobachtet die 32-Jährige. Es mache sie dank eigenem Einkommen und Zugang zum Internet selbstbewusster und unabhängiger von ihren Männern. Und es werde mittelfristig auch dazu beitragen, dass die Zahl der Kinder sinken, ist Aida Schreiber überzeugt. Mit der Folge, dass Eltern sparen und mehr in die Zukunft der Jungen und Mädchen investieren könnten.

Weltbevölkerung: Innovation in Afrika

Von „Leapfrogging“ (Bockspringen) sprechen Forscherinnen wie Alisa Kaps, wenn regional angepasste Innovationen ineffiziente, umweltschädliche und kostspielige Zwischenstufen der Entwicklung überspringen und so das Leben der Menschen verbessern und vereinfachen.

Afrikanische Staaten machen das etwa mit der direkten Einführung der mobilen Telefonie ohne den Umweg über den Aufbau eines Festnetzes vor. Handys und Smartphones sind mittlerweile sprichwörtlich selbst im Busch verbreitet und ermöglichen zum Beispiel große Sprünge auch in der Gesundheitsvorsorge. So trägt MomConnect, ein Informations- und Beratungsservice für Schwangere, in Südafrika dazu bei, die Überlebenschancen von Müttern und Neugeborenen zu erhöhen. Im Inselstaat Kap Verde überbrückt Telemedizin große Entfernungen und den Mangel an Ärzten und Pflegekräften.

Auch in der Landwirtschaft und im Bildungssektor sehen Kaps und ihre Kolleginnen und Kollegen vom Berliner Thinktank bereits eine Reihe von afrikanischen „Leapfrogs“ die Entwicklung vorantreiben. Sie betonen aber, dass zu den Innovationen auch eine gute Regierungsführung, verlässliche Institutionen und eine ausreichende Infrastruktur kommen müssen, um dann eines Tages möglicherweise die demografische Dividende einzufahren.

Länder können diese Chance aber auch weitgehend verstreichen lassen, wie sich bisher in Tunesien oder Ägypten zeigt, die demografisch bereits die besten Voraussetzungen hatten. Dort investierte die Regierung zwar stark in den Bildungssektor, verpasste es jedoch, den Arbeitsmarkt massiv auszubauen, wie Michael Hilbig erklärt, der an der Universität Koblenz-Landau forscht. „Mit den richtigen Politiken ließe sich jetzt zumindest noch eine kleine demografische Dividende abschöpfen.“

Weltbevölkerung: In Afrika gibt es Hoffnung

Brenda Nakaboke, die Studentin aus Entebbe, wird in Uganda schon bald zur Gruppe der gut qualifizierten jungen Menschen zählen. In ihrer Familie ist sie die erste, die es in einen regulären Job schaffen könnte. Keiner ihrer Vorfahren hat je eine weiterführende Schule besucht, geschweige denn eine Ausbildung durchlaufen. Der Traum von einem Journalismus-Studium hat sich zunächst zwar nicht erfüllt, dafür aber steht die 22-Jährige jetzt kurz vor ihrem Bachelor im Fach Tourism Operations.

Und ihr Bildungshunger ist noch nicht gestillt, ihr Aufstiegsdrang noch lange nicht erschöpft. „Was haltet Ihr davon, wenn ich noch ein Masterstudium in Public Relations anschließe?“, hat sie jüngst ihre deutschen Förderer gefragt. Mit einem solchen Abschluss, argumentiert Brenda wohlüberlegt, habe sie dann beste Voraussetzungen, um bei einer „großen Organisation“ zu arbeiten und ihre Tourismus-Expertise eines Tages mit „diplomatischer Arbeit“ zu verbinden.

Auch dabei wollen die beiden Uganda-Liebhaber sie jetzt unterstützen. Denn noch immer – wie damals bei der ersten Begegnung vor acht Jahren am Straßenrand in Entebbe – begeistert sie Brendas Wille.

Und Kinder? Auch da ist Brenda entschieden. Vier möchte sie einmal haben, sagt die 22-Jährige. Ihre Mutter hatte noch sechs Mädchen und Jungen zur Welt gebracht. „Ich könnte auch für sie sorgen und ihnen alles geben, was sie brauchen“, versichert Brenda. Und es schwingt viel Hoffnung mit.

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