Bezüglich der Klimapolitik verlaufen die Koalitionsverhandlungen schleppend.
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Bezüglich der Klimapolitik verlaufen die Koalitionsverhandlungen schleppend.

Klimabrief von Fridays for Future

Liebe Frau Baerbock, lieber Herr Scholz, lieber Herr Lindner,

Als ich vor zwei Wochen mit dem Zug zum UN Klimagipfel in Glasgow gereist bin, war ich erwartungsvoll ...

Schließlich haben seit der letzten Weltklimakonferenz in Madrid die Extremwetterereignisse drastisch zugenommen. Ein Blick vor die Haustür reicht. Die Flutkatastrophe in NRW und Rhein-Land-Pfalz hat auf schmerzliche Weise deutlich gemacht, was es heißt, wenn die Klimakrise mit voller Wucht zuschlägt.

Der Zustand unseres Planeten ist dramatisch. Doch einen anderen Eindruck erhalte ich, als ich im weit entfernten Glasgow, die ersten Nachrichten zu den Koalitionsverhandlungen sehe.

Der Verlauf ist, insbesondere was die Klimapolitik betrifft, scheinbar besonders schleppend. FDP und SPD haben sich dazu entschieden, 1,5 Grad – anders als noch im Wahlkampf – nicht groß zu schreiben. Die Grünen geben klein bei. Nach all den blumigen Versprechungen eines monatelangen Wahlkampfs, werden immer mehr entscheidende Maßnahmen fallen gelassen. Das soll die neue sogenannte Fortschrittsregierung sein? Und wo ist der versprochene Klimakanzler? Ernsthaft?

Derweil sagt der frühere US-Präsident Barack Obama in Glasgow, wir jungen Menschen hätten „das Recht, frustriert zu sein“. Er ruft uns dazu auf, unsere Wut zu kanalisieren, uns von der Frustration anspornen zu lassen. „Rüstet euch für einen Marathon, nicht für einen Sprint“, so Obama.

Solche Worte sollen vielleicht motivieren. Mich machen solche Aussagen eher wütend. Ehemalige Staatsoberhäupter wie Obama oder scheidende wie Angela Merkel geben uns jetzt Recht und sprechen uns Mut zu. Ich frage mich: Wo bitte wart ihr, als ihr noch eure Ämter innehattet? Wo wart ihr, als ihr noch aktiv etwas verändern konntet? Was bringen die netten Worte, wenn die Taten konträr sind?

In Deutschland bricht eine neue Zeit an. Die 16 Jahre Merkel, in denen die Klimakrise nicht als Krise behandelt wurde, sind passé. Liebe Frau Baerbock, lieber Herr Scholz und lieber Herr Lindner, ich frage Sie: Werden Sie irgendwann zu den ehemaligen Politiker:innen gehören, die zugeben müssen, dass Sie nicht genug getan haben, und deswegen junge Generationen Ihre Untätigkeit ausbaden müssen?

Oder werden Sie, wie Sie es versprochen haben, es als „Fortschrittsregierung“ auch einhalten?

Viele Grüße

Anna Castro Kösel

Hier schreiben alle zwei Wochen Aktivistinnen und Aktivisten der Fridays-for-Future-Bewegung.