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Vertrautier-Gründerin Nina Schönrock mit Huhn
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Vertrautier-Gründerin Nina Schönrock mit Huhn

Vertrautier

Therapie mit Tier: Wie traumatisierte Kinder wieder Zutrauen fassen

  • Judith Köneke
    vonJudith Köneke
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Wenn Kinder schlimme Erfahrungen gemacht haben, helfen konventionelle Methoden manchmal nicht mehr weiter. Nina Schönrock und ihr Ehemann Christian Schulte setzen dann auf die Kraft der Tiere - mit erstaunlichem Erfolg.

Sie selbst sei immer wieder erstaunt, was Tiere bewirken können, sagt Nina Schönrock. Wenn sich etwa schwer traumatisierte Kinder plötzlich öffneten und man sie wieder erreichen könne, nachdem sie auf die Tiere treffen. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Christian Schulte führt sie seit gut einem Jahr das Therapiezentrum „Vertrautier“ im hessischen Willingen-Usseln. Ihre Klient:innen sind vor allem Kinder und Jugendliche, sie leiden unter Aggressions-, Angst- oder Bindungsstörungen, manche sind körperbehindert oder haben schwere Gewalt erfahren.

Durch den Umgang mit den Tieren fassten viele oft wieder Vertrauen zu Menschen und ließen Emotionen zu, erläutert die Gründerin. Die 37 Tiere selbst stammen fast alle aus dem Tierschutz und wurden von Schönrock und Schulte jahrelang auf ihre Aufgaben vorbereitet. Ob Hund, Schaf, Ziege, Katze, Pferd oder Hühner, sie sollen alle die menschlichen Therapeut:innen und Pädagog:innen unterstützen, damit es den Patientinnen und Patienten besser geht. Und ihre eigene Geschichte hilft dabei. Das Pferd Bifi etwa wurde misshandelt, Schönrock rettete es vor dem Schlachter.

Die Krankenkassen bezahlen noch nicht für die tiergestützte Ergotherapie von Vertrautier

Acht Jahre lang hatte Schönrock bereits in der Jugendhilfe gearbeitet, auch mit Tieren. Und immer wieder dachte die ausgebildete Ergotherapeutin, dass es einen Ort geben müsste, der allen offen steht. „Wo wir nicht an Träger gebunden sind, wie wir es vorher waren.“ Mehrere Jahre hat das Paar an seiner Idee gefeilt und getüftelt. Einen Ort hatten sie auch gefunden, sie bauten den Hof, der Schönrocks Familie gehört, komplett um.

Die Beiden wünschen sich, dass die Krankenkassen irgendwann die Kosten übernehmen. Das Jugendamt zahlt bislang in einigen Fällen die Therapie. Zudem haben sie einen Lehrauftrag, unterrichten tiergestützte Ergotherapie und halten Vorträge. „Wir hoffen auf zusätzliche Fördergelder, mehr Firmen und Stiftungen die uns unterstützen.“

Mittlerweile könnten sie kostendeckend arbeiten, sagt Schönrock. Aber gerne würde die 36-Jährige noch mehr Menschen helfen und weitere Mitarbeiter:innen einstellen. Geplant ist auch ein Reitplatz und ein Haus im Ort für Klient:innen und deren Familien.

Aber nicht nur Kinder, auch Familien und Erwachsene, die einfach mal rauskommen wollen, sich in einer Lebenskrise befinden oder eine Auszeit brauchen, können einen Termin buchen. Das Paar arbeitet viel, Wochenenden und Urlaub seien rar, erzählt Schönrock. Und auch körperlich sei die Tätigkeit anstrengend. Trotzdem sei ihr Job einer der erfüllendsten Berufe, den sie sich vorstellen könne.

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