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Der gebrauchte Streifen kann in den Kompost.
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Der gebrauchte Streifen kann in den Kompost.

Umwelt

Schwangerschaftstest aus Papier

  • Joachim Wille
    vonJoachim Wille
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Durch Schwangerschaftstests entstehen allein in Deutschland jährlich etwa sechs Tonnen Plastikmüll. Das muss nicht sein, findet Yue Zhao. Die Designstudentin hat eine nachhaltige Alternative aus Papier entwickelt.

Schwanger oder nicht schwanger? Das Ergebnis, das der Schwangerschaftstest liefert, wirkt nachhaltig wie sonst kaum etwas im Leben. Doch der Test selbst ist ein Ex- und Hopp-Produkt. Ein oder zwei Streifen – ist das Ergebnis, negativ oder positiv, erst einmal klar, landet der Test im Müll.

Das behagte der Kieler Designstudentin Yue Zhao gar nicht. „Im Drogeriemarkt ist mir aufgefallen, dass alle dort angebotenen Schwangerschaftstests aus Plastik waren“, sagt die 30-Jährige. In Deutschland entstünden dadurch pro Jahr bei rund 675 000 Schwangerschaften etwa sechs Tonnen vermeidbarer Plastikmüll, hat sie ausgerechnet, weltweit sogar 900 Tonnen.

Die Frage, ob die Tests auch aus einem umweltfreundlicheren Material hergestellt werden können, lag für die Studentin auf der Hand. Die gebürtige Chinesin, die an der Muthesius-Kunsthochschule in der schleswig-holsteinischen Hauptstadt nach einem ersten Studium in ihrem Heimatland für einen Masterabschluss studiert, führte verschiedene Tests durch.

Yue Zhao wurde für ihre Entwicklung mit dem „Bundespreis Ecodesign“ ausgezeichnet.

Der Kunststoff kann durch Recyclingpapier ersetzt werden, so ihr Ergebnis, ohne dass die Zuverlässigkeit leidet. Der Test selbst funktioniert genau wie bei der Plastik-Variante: Das Papier reagiert, wenn sich im Urin der Frau das Schwangerschaftshormon Beta-HCG befindet, allerdings erst nach neun Tagen.

Yue Zhao beschreibt die Vorteile: Papier ist ein nachwachsender Rohstoff, das – von ihr selbst hergestellte – Recycling-Papier hat einen geringen Öko-Fußabdruck, und es ist nach Gebrauch biologisch abbaubar. Es könnte, zumindest theoretisch, auch zum Kompost gegeben oder sogar in der Toilette weggespült werden.

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WAS TUN: Ein reines Frauenthema? Von wegen! Auch abgesehen von Schwangerschaftstests und Hygieneartikeln ist das Badezimmer voll von Plastikprodukten, die nach dem Benutzen im Müll landen. Darüber sollten sich auch die Herren mal Gedanken machen. Von der Zahnbürste aus Bambus bis zum wiederverwendbaren Wattestäbchen gibt es mittlerweile für so gut wie alle Produkte sinnvolle Alternativen. Die Onlineshops naturalou.de und avocadostore.de zum Beispiel bieten ein reiches Sortiment an.

Zhao wurde für ihre Entwicklung beim „Bundespreis Ecodesign“ ausgezeichnet, den Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt ausschreiben. Die neue Produktidee sei „nicht nur umweltschonend, sondern auch weicher und freundlicher in der Anwendung“, urteilte die Jury.

Bei einer Schwangerschaft zeigt der Test einen Baby-Bauch

Zudem hat die Designerin sich Gedanken gemacht, wie das Ergebnis – schwanger oder nicht schwanger – grafisch klarer dargestellt werden kann. Bei einem positiven Test erscheint nicht einfach nur ein zweiter gerader Streifen, sondern, stilisiert, die Silhouette eines Schwangeren-Bauches. „Das kann jede sofort erfassen“, sagt die Studentin.

Der Chinesin ist natürlich klar, dass eine Umstellung der Schwangerschaftstests auf Recyclingpapier nur einen kleinen Teil des weltweiten Plastikproblems lösen kann. Sie meint allerdings: „Es kommt bei allen Produkten nicht nur darauf an, sie funktional und ästhetisch zu gestalten, sondern auch Umwelt und Nachhaltigkeit zu berücksichtigen.“

Designerinnen und Designer in sämtlichen Bereichen hätten auch eine ökologische Verantwortung, meint die Studentin. Das Thema sei unter den jungen Leuten in der Designerausbildung inzwischen gesetzt. Auch ihre Hochschule sieht sich bestätigt. Zhaos Arbeit zeige „die Relevanz nachhaltigen Denkens und Entwerfens im Kontext der Frage, wie gesunde Lebensgrundlagen ermöglicht werden können“, sagt Professor Detlef Rhein, der das Projekt betreut hat.

Der Schwangerschaftstest kostet etwa sechs bis acht Euro

In den letzten Jahren habe sich das Thema Nachhaltigkeit zu einer zentralen Fragestellung im Design entwickelt, so Rhein. Ohnehin hat Yue Zhao viele positive Reaktionen auf ihre Idee bekommen, und auch der Bundespreis gab ihr nun neuen Auftrieb, nach Herstellern für ihren Papier-Test zu suchen. „Denkbar wäre eine Produktion in Deutschland, aber auch in China“, sagt sie.

Yue Zhao schätzt, dass die Öko-Variante des Schwangerschaftstests bei Massenproduktion nicht teurer sein wird als die herkömmliche. Etwa sechs bis acht Euro kostet einer der Papier-Tests. Die Frage ist allerdings, ob die angefragten Hersteller dann schnell genug sind.

In den USA hat ein Unternehmen namens „Lia“ inzwischen ebenfalls einen Schwangerschaftstest auf Papierbasis angekündigt. Angeblich liegt auch bereits eine Genehmigung der staatlichen Gesundheitsbehörden vor. Kaufen kann man den Test allerdings noch nicht.

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