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Alles unter Kontrolle: Mit einem Basalthermometer und einer App lassen sich die fruchtbaren Tage berechnen.
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Alles unter Kontrolle: Mit einem Basalthermometer und einer App lassen sich die fruchtbaren Tage berechnen.

Femtech

Per App den Zyklus verfolgen

  • Paul Siethoff
    VonPaul Siethoff
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Innovative Produkte für die Gesundheit von Frauen – das ist weltweit ein riesiger Markt. Die Digitalisierung treibt das Wachstum der Femtech-Branche, in der auch in Deutschland oft Gründerinnen den Ton angeben.

Produkte wie Basalthermometer und Zyklus-Tracking-Apps sind für viele Frauen längst keine böhmischen Dörfer mehr. Weit weniger bekannt ist dagegen, dass die jungen Unternehmen und Start-ups hinter diesen Produkten zu einer Branche gehören, die aktuell rasant wächst. Die Rede ist von Femtech. Das steht für Female Technology – technologische Lösungen, die auf verschiedenste Weise die weibliche Gesundheit und das Wohlsein von Frauen fördern sollen. 2019 hat der Femtech-Markt weltweit knapp 19 Milliarden US-Dollar umgesetzt – und erwartet wird ein Boom der Branche: Die kanadische Marktforschungsagentur Emergen Research schätzt, dass der Markt bis 2027 auf 60 Milliarden US-Dollar wachsen könnte.

Während die erfolgreichsten Start-ups im Femtech-Business aus den USA kommen, gibt es auch in Europa eine wachsende Zahl an jungen Unternehmen, die sich mit innovativen Produkten und intelligenten Lösungen hervortun. Das bekannteste europäische Unternehmen ist dabei Clue. Bereits 2012 gegründet, waren die Clue-Leute Pionier:innen im doppelten Sinne. Zum einen hat das Start-up aus Berlin eine App entwickelt, mit der Frauen ihren Zyklus und Eisprung auf simple Weise tracken können. Zum anderen hat Clue die Branche auch sprachlich geprägt: Der Begriff „Femtech“ geht auf Clue-Mitgründerin Ida Tin zurück. Sie führte das Wort 2016 in Verhandlungsgesprächen ein, in denen meist männliche Investoren saßen.

Im deutschsprachigen Raum ist Clue heute aber nicht mehr allein: Es gibt etliche Mitbewerber, die verschiedene Zyklus-Tracking-Produkte herausgebracht haben – wie das Hamburger Unternehmen Ovy. Auch hier können Frauen ihren Zyklus mithilfe einer App besser nachverfolgen. Der Unterschied zu Clue ist aber, dass bei Ovy Bluetooth zum Einsatz kommt. Gründerin Lina Wüller sieht darin das Alleinstellungsmerkmal ihres Start-ups: „Wir sind die einzige App, die die Protokollierung des menstruellen Zyklus’ auch mit Bluetooth-Hardware verbindet“, sagte sie 2017 gegenüber dem Magazin „Business Insider“.

Wüller spricht damit die Kombination aus Basalthermometer und App an, die Ovy anbietet. Ein Basalthermometer ähnelt einem Fieberthermometer, misst aber genauer. Das soll Frauen nicht nur dabei helfen, ihren Monatszyklus besser zu überwachen, sondern auch bei der Familienplanung unterstützen: Mithilfe des Thermometers und der App lassen sich mit der sogenannten symptothermalen Methode Periode, Eisprung und fruchtbare Tage berechnen.

Femtech bedeutet mittlerweile aber mehr als Zyklus- und Fruchtbarkeits-Tracking: Die Bandbreite an Produkten ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen, aktuell reicht sie von Lösungen für die Zeit der Schwangerschaft, wie eine smarte, tragbare Milchpumpe des britischen Unternehmens Elvie, bis hin zu Innovationen wie die des Start-ups Juno Bio: Das Londoner Unternehmen hat ein Testkit für zu Hause entwickelt, mit dem vaginale Mikrobiome analysiert werden können – damit wiederum lassen sich laut Juno Bio erste Aussagen zu Fruchtbarkeit oder dem Risiko, sich mit einer Geschlechtskrankheit anzustecken, treffen.

Das Gründerteam von Andelie (von links): André Schuhl, Halina Kirsch und Amelie Hellmann.

Was alle diese Unternehmen gemeinsam haben: Sie entwickeln Produkte nur für die weibliche Gesundheit. Das klingt im ersten Moment nicht weltverändernd, ist es aber. Medizinprodukte wurden früher meist von Männern für Männer entwickelt – und bis heute werden Medikamente in medizinischen Studien vorrangig an Männern getestet. In der Femtech-Branche entwickeln meist Gründerinnen Produkte für Frauen – angepasst an die Bedürfnisse von Frauen und daran, was das körperliche Wohlbefinden und die Gesundheit von Frauen am besten fördert.

Aber auch wirtschaftlich gesehen ist der Markt lukrativ: Fachleuten zufolge wird die Nachfrage in der Femtech-Branche weltweit stark steigen, unter anderem, weil Themen wie reproduktive Gesundheit und sexuelle Selbstbestimmung für Frauen in Entwicklungs- und Schwellenländern eine zunehmend große Rolle spielen. Auch die Digitalisierung treibt das Wachstum der Branche an.

Frauen das Leben leichter machen: Das will auch das Start-up Andelie aus Fulda. Das Unternehmen um die Mitgründerin Amelie Hellmann fokussiert sich dabei aber auf einen etwas anderen Lebensabschnitt als die meisten anderen Femtech-Start-ups: Andelie geht es um die Wechseljahre der Frau, konkreter um Frauen, die in dieser Phase ein bestimmtes Problem haben: „70 bis 80 Prozent der Frauen in den Wechseljahren leiden beinahe stündlich unter Hitzewallungen“, schreibt das Start-up auf seiner Website. Bisher ist bei Hitzewallungen eine Hormontherapie aber die einzige Behandlungsmöglichkeit. Hellmann wollte eine hormonfreie, technische Lösung für das Problem finden.

Das Produkt, das diese Komplikationen lindern soll und von Andelie entwickelt wird, ist gleichzeitig simpel und innovativ: ein Ohrclip namens „Lindra“. Lindra ist ein kleines Gerät, das ähnlich wie ein Schmuckstück ans Ohr geclippt wird. Der Clou dabei: Das kleine Gadget soll Hitzewallungen besser erträglich machen, indem es den Körper kühlt. Das funktioniert mithilfe thermischer Reaktionen. „Eine schnelle und kurze Kühlung der Ohrläppchen täuscht den dort sitzenden Temperaturrezeptoren eine kalte Umgebungstemperatur vor“, erläutert Hellmann.

Laut der Gründerin reagiert der menschliche Körper auf diese Signale, reguliert dementsprechend die Temperatur und gibt weniger Wärme über den Kopf- und Halsbereich ab. Die Konsequenz: Die Hitzeempfindung wird abgeschwächt.

Gründerin Hellmann betont, dass das Produkt nicht nur Frauen in den Wechseljahren ansprechen soll: Der Ohrclip könne beispielsweise im Sommer im heißen Großraumbüro zum Einsatz kommen. Medizinische Studien zum kühlenden Ohrclip, der sich derzeit noch in der Entwicklungsphase befindet, kann das Start-up noch nicht vorweisen. Andelie hat aber Proband:innen das Produkt testen lassen: Hierbei hätten 84 Prozent der Tester:innen angegeben, dass der Ohrclip bei ihnen wirke.

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