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Jana Pfenning und Rita Maglio, Gründerinnen von „Better Birth Control“, haben eine äußerst erfolgreiche Petition gestartet.
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Jana Pfenning und Rita Maglio, Gründerinnen von „Better Birth Control“, haben eine äußerst erfolgreiche Petition gestartet.

Erfolgreiche Petition

Better Birth Control: Weil Verhütung nicht (nur) Frauensache ist

  • Elena Müller
    VonElena Müller
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Wo bleibt eigentlich die Pille für den Mann? Die Initiative „Better Birth Control“ fordert mehr Geld für die Forschung - und trifft damit einen Nerv.

Die letzte Revolution ist jetzt 60 Jahre her. Zeit für eine neue – finden zumindest Jana Pfenning und Rita Maglio. Die Antibaby-Pille, die erst vor kurzem ihren 60. „Geburtstag“ gefeiert hat, verschaffte vielen Frauen weltweit mehr Freiheit und Selbstbestimmung: für ihre Sexualität und ihre Unabhängigkeit. Doch heute wird das, was damals Freiheit brachte, von immer mehr Menschen als Belastung empfunden. Die Nachteile hormoneller Verhütung – nicht nur der Pille, auch anderer Methoden wie der Hormonspirale oder des Verhütungsrings – geraten immer wieder und immer mehr in die Kritik: hohe Kosten, meist nur von den Frauen getragen, und unerwünschte Nebenwirkungen zum Beispiel.

Die negativen Folgen, die eine regelmäßige Einnahme von Hormonen für Körper und Seele haben können, bringen in den vergangenen Jahren deshalb immer mehr Frauen und ihre Partner auf die Suche nach Alternativen. Zwar mag es auf den ersten Blick einige Wege geben, um hormonfrei und dauerhaft zu verhüten, doch neben vielen Punkten eint sie vor allem eins: Die Verhütungsmittel sind für Frauen gemacht. Und das finden Maglio und Pfenning ungerecht und unmodern.

Die beiden jungen Frauen haben deshalb die Initiative „Better Birth Control“ ins Leben gerufen, um dem Thema gerechte Verhütung eine größere Lobby zu verschaffen. Mit ihrer Kampagne haben die beiden bereits eine bemerkenswerte Reichweite erzielt und prominente Unterstützerinnen und Unterstützer gefunden – auch in der Politik.

Better Birth Control: Mehr Geld soll in die Suche nach Verhütungsmitteln für Männer fließen

Ihre Online-Petition unterschrieben mittlerweile rund 125.000 Menschen. Unter dem Motto „Verhütung für alle besser machen“ fordert Better Birth Control einen gleichberechtigten Zugang zu Verhütungsmitteln, eine erweiterte Forschung im Bereich der Verhütungsmittel für Männer und dafür auch Förderung durch die Bundesregierung, bessere Aufklärung für Jungen und Mädchen, die Kostenübernahme für Verhütungsmittel durch die Krankenkassen und eine breitere gesellschaftliche Debatte über das Thema, das aus Sicht der Initiatorinnen immer noch in Teilen tabuisiert wird.

Die 24-Jährige gebürtige Hessin Pfenning, die wie ihre Mitstreiterin Maglio in Berlin lebt, freut sich, dass es die Initiative bereits geschafft hat, von „allen demokratischen Parteien“ breite Unterstützung zu bekommen. Und das immerhin für ein Thema, das bislang absolut keine Lobby im Bundestag hat.

Die Debatte um Astrazeneca und Thrombosen lenkte Aufmerksamkeit auf die hormonelle Verhütung

„Was auch daran liegt, dass es immer noch zu wenige Frauen in hohen politischen Ämtern gibt – und der Altersdurchschnitt im Bundestag momentan bei 49,7 Jahren liegt“, erläutert Pfenning. Das sei schließlich ein Alter, in dem sich die meisten über Verhütung nicht mehr so intensiv Gedanken machen müssten oder die Familienplanung bereits abgeschlossen hätten, so Pfenning.

Ein Zuwachs an Aufmerksamkeit erhielt das Thema Nebenwirkungen hormoneller Verhütungsmittel unlängst, als es in der Debatte um den Corona-Impfstoff des Herstellers Astrazeneca um ein erhöhtes Risiko für Hirnvenenthrombosen ging. Plötzlich waren viele Menschen in Sorge vor Thrombosen und so zogen einige den Vergleich zur erhöhten Thrombosegefahr durch die Einnahme der Antibaby-Pille: „Es gibt ja diesen ‚Scherz‘, was wäre, wenn Männer die Pille nehmen müssten. Jetzt wissen wir es – sie wäre verboten. #thrombosen #astrazeneca“, kommentierte eine Twitter-Userin den vorübergehenden Stopp der Vergabe des Astrazeneca-Vakzins.

Wäre Forschung weiter, wenn Männer die Belastung der hormonellen Verhütung tragen müssten?

Die Theorie ist also: Wenn Männer sich den Belastungen in gleichem Maße aussetzen müssten, wie es Frauen tun, wäre die Erforschung von alternativen Verhütungsmitteln wesentlich weiter. Fakt ist: Pharmakologische Studien zur Erprobung hormoneller Verhütungsmittel für Männer wurden vor einigen Jahren eingestellt – unter anderem aufgrund der Nebenwirkungen, über die sich die Probanden beklagten.

Dabei ist es keineswegs so, dass nur Frauen auf der Suche nach Alternativen sind und die Männer es sich leicht machten. Aus ihren vielen Gesprächen berichten Pfenning und Maglio: „Als wir in unserem Bekanntenkreis angefangen haben, darüber zu reden, haben sich sowohl Frauen als auch Männer darüber beklagt, dass die Hauptlast der (langfristigen) Verhütungen in den allermeisten Fällen bei den Frauen liegt.“ Gerade in – gleichberechtigten – Partnerschaften hätten auch immer mehr Männer Interesse daran, die Verantwortung für eine langfristige Verhütung mitzutragen – oder sogar ganz zu übernehmen, berichtet Pfenning von ihrer Erfahrung seit Gründung der Initiative im vergangenen Jahr.

Petition Better Birth Control: Nächstes Ziel sind 150.000 Unterschriften

Wollen sich Männer ihrerseits beim Thema Verhütung einbringen, geht das momentan meist nur auf zwei Wegen: entweder durch eine dauerhafte Nutzung des Kondoms oder durch die Sterilisation. Letztere ist zwar bei Männern unter Umständen reversibel, aber dennoch eine relativ endgültige Methode, die meist jene Menschen bevorzugen, die keinen Kinderwunsch (mehr) haben. Und das Kondom wollen Pfenning, Maglio und ihren Mitstreiter:innen auch nicht ersetzen: Es gehe nicht darum, das „männliche“ Verhütungsmittel Nummer 1, das Kondom, von seinem Thron zu stoßen: „Das Kondom ist natürlich immer noch das Verhütungsmittel der Wahl, wenn es um den Schutz vor Infektionskrankheiten geht“, betont Pfenning.

Wenn die Initiative weiterhin so erfolgreich ist und die Petition 150 000 Zeichner:innen findet, gehört sie zu den erfolgreichsten der Petitionsplattform Change.org. Und was kommt dann? Das nächste Ziel der beiden Masterstudentinnen und ihres Netzwerkes ist die Bundestagswahl: „„Wir hoffen, dass sich die neue Regierung unsere Forderung nach gesunder und gleichberechtigter Verhütung annimmt“, sagt Jana Pfenning. Und wie sie es sagt, klingt es eher nach einem Auftrag als nach einer Bitte.

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