Berät Frauen bei Finanzthemen: „Madame Monneypenny“ Natascha Wegelin.
+
Berät Frauen bei Finanzthemen: „Madame Monneypenny“ Natascha Wegelin.

Finanzen

Richtig mit Geld umgehen - Was Madame Monneypenny Frauen rät

  • Friederike Meier
    vonFriederike Meier
    schließen

Natascha Wegelin hilft als „Madame Moneypenny“ Frauen dabei, finanziell unabhängig zu werden. Alles hat damit begonnen, dass sie sich selbst als Opfer von Finanzberater:innen fühlte.

Reicht die Rente? Wie kann ich mich privat besser absichern? Die auf weibliche Kundschaft spezialisierte Autorin und Bloggerin Natascha Wegelin findet, dass besonders Frauen sich mit solchen Fragen beschäftigen müssen. Im Interview gibt sie Tipps für Altersvorsorge und zum Geldsparen und verrät, was sie als erstes tun würde, wenn sie Bundeskanzlerin wäre.

Frau Wegelin, wenn es um Rente geht, höre ich unter jüngeren Menschen oft: „Es ist sowieso unmöglich zu wissen, was in 30, 40 Jahren sein wird. Also kümmere ich mich nicht darum.“ Was würden Sie antworten?

Menschen fällt es in der Regel schwer, weit in die Zukunft zu planen. Aber Fakt ist: Irgendwann möchte man vielleicht nicht mehr arbeiten, braucht aber trotzdem noch Geld zum Leben. Dass man sich nicht auf seine gesetzliche Rente verlassen möchte, kann ich verstehen, das tue ich auch nicht. Aber die meisten Menschen entscheiden sich auch irgendwann für ein Studium. Ich weiß aber gar nicht, ob in 20 Jahren noch so viele Zahnärzte gebraucht werden wie heute oder ob in 40 Jahren noch Software-Entwicklerinnen gebraucht werden. Irgendwo muss ich anfangen und dann im Prozess flexibel bleiben. Genauso ist es bei der Altersvorsorge auch.

Ich habe auf Ihrer Webseite die Fragen beantwortet und bekam Ihren Money-Fahrplan zugeschickt. Dort heißt es: „Du wirst dich bereits in ein paar Wochen fragen, wie du vorher überhaupt anders leben konntest.“ Warum sind Sie sich da so sicher?

Das gilt natürlich nur unter der Voraussetzung, dass man sich dann auch mit dem Thema beschäftigt. Aber gerade am Anfang erleben viele Menschen wahnsinnig viele Aha-Momente. Zu merken: Warum ist mein finanzieller Status so, wie er ist? Was habe ich in der Vergangenheit bewusst oder auch unterbewusst für Entscheidungen getroffen? Was hätte ich gerne anders und was kann ich dafür tun? Ich bekomme häufig das Feedback „Hätte mir das mal einer vor fünf Jahren gesagt.“ Aber so ist der Anfangspunkt dann eben jetzt.

Warum braucht es überhaupt ein Angebot nur für Frauen? Männer müssen sich ja auch mit dem Thema Altersvorsorge beschäftigen.

Ja, auch viele Männer kümmern sich nicht darum. Aber wir Frauen haben es doppelt nötig. Altersarmut ist weiblich. Wir verdienen in der Regel weniger Geld, wir sorgen auch weniger vor, wir zahlen weniger in die gesetzliche Rentenkasse ein. Dann kommen die ganzen Gaps – Gender Pay Gap, Pension Gap, Care Gap. Wenn man das alles auf einen Haufen wirft, kommt am Ende Altersarmut dabei heraus. Deshalb ist es besonders für Frauen sehr wichtig, sich um die Altersvorsorge zu kümmern und die Verantwortung selbst zu übernehmen, statt sie Beratern oder wem auch immer zu überlassen.

Zukunft hat eine Stimme

Das Projekt: Mit Zukunft hat eine Stimme berichtet die Frankfurter Rundschau über Fortschrittmacherinnen, Ideen-Vulkane und Besser-Macher. Mehr Texte finden Sie unter www.fr.de./zukunft. Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter und erhalten Sie immer Samstags inspirierende Wochenendlektüre.

Beschäftigen sich Frauen traditionell weniger mit Geld?

Das ist die Krux. Gerade die, die sich noch mehr damit beschäftigen sollten, tun es weniger. Viele sind so sozialisiert, dass Finanzen Männersache sind und es sich für eine Frau nicht gehört, viel Geld zu haben. Das sind Glaubenssätze und innere Blockaden, die in der Kindheit gelegt werden. Ich glaube schon, dass kleine Mädchen etwas anderes mitbekommen als kleine Jungs. Jungs sollen immer höher aufs Klettergerüst klettern, Mädchen sollen darauf achten, dass ihr Kleid nicht dreckig wird.

Es heißt, in Corona-Zeiten seien viele Frauen wieder in alte Rollen zurückgefallen, gerade bei der Kinderbetreuung. Was ist gerade jetzt für Frauen wichtig?

Ich bin gespannt auf Studien die untersuchen, inwiefern sich Corona auf die finanzielle Situation von Frauen auswirkt. Ich sehe aber auch in meinem Umfeld, dass wieder 50 Jahre zurückgespult wird. Traditionell verdient der Mann mehr als die Frau und die bleibt dann doch zu Hause. Auch außerhalb der Krise, aber jetzt verschärft, sollte man darauf achten, wie in der Familie die Finanzen geregelt sind. Idealerweise hat man sich gemeinsam überlegt, eine Familie zu gründen und auch eine gemeinsame Finanzplanung gemacht. Man sollte sich vorher fragen: Wie wollen wir das ausgleichen, wenn ich zu Hause bleibe und meine Karriere nicht weiterverfolgen kann? Zahlst du in meine Rente oder meinen Aktiensparplan für mich ein? Sowieso ein ganz heißer Tipp an alle Frauen: Vermögen im eigenen Namen zu haben, auf das man immer zugreifen kann. Dazu gehört ein eigenes Konto, eigene Rentenversicherungsverträge oder eigene Aktiendepots.

Wie sind Sie denn beruflich zu diesem speziellen Thema gekommen?

Hauptsächlich aus meiner eigenen Erfahrung. Ich habe gemerkt, dass ich keine Ahnung habe und war ein leichtes Opfer für Finanzberater. Ich habe mich dann in meinem Umfeld umgehört und gemerkt, dass es dort so ähnlich ist.

Welche Erfahrungen haben Sie mit Finanzberater:innen gemacht?

Ich war bei einer „kostenlosen und unabhängigen“ Finanzberaterin. Die hat mir einen Rentenversicherungsvertrag mit allen möglichen Komplikationen verkauft. Meiner Meinung nach ein Produkt, das es aus Sicht des Verbraucherschutzes gar nicht geben dürfte. Wohlgemerkt Jahre später hatte ich meinen Aufwachmoment. Da wusste ich: Sich selbst damit zu beschäftigen ist immer noch am besten, damit man zumindest die richtigen Fragen stellen kann und kein so ganz leichtes Opfer ist.

Sie haben ein riesiges Angebot: Blog, Bücher, Mentoring-Programm, eine Facebook-Gruppe für Frauen, Podcast … das Interesse scheint groß zu sein.

Ja, glücklicherweise. Man darf nicht vergessen, dass ich das seit fünf Jahren mache. Es hat angefangen mit dem Blog und der Facebook-Gruppe und wurde immer mehr. Irgendwann kam mit dem E-Book das erste kostenpflichtige Produkt. So hat sich das weiterentwickelt und es ist eine Community entstanden. Irgendjemand hat es nach zwei, drei Jahren als Bewegung bezeichnet. In der Facebook-Gruppe sind gerade knapp 100 000 Frauen, die diese Bewegung mittragen.

Würden Sie sagen, Solidarität ist wichtig?

Definitiv. Gerade bei Themen, die politisch und gesellschaftlich relevant sind, kommt es komplett auf Gemeinschaft an. Es ist für das Individuum wichtig, sich auszutauschen. Wie viel verdienst du? Wie machst du das eigentlich mit der Altersvorsorge? Wie regelt ihr die Finanzen in der Familie? Das ist sehr essenziell und es wird sich viel zu wenig über Geld ausgetauscht. In der Facebook-Gruppe darf so ziemlich jede relevante Frage gestellt werden. Dann bekommt man locker auch mal 500 bis 600 Antworten auf einen interessanten Post. Das hilft ungemein bei der eigenen Meinungsfindung, bei der Abwägung von Risiken und es erweitert den Horizont.

Sie sagen häufig, dass man alles selbst in die Hand nehmen soll. Lohnt es sich nicht, für bessere Bezahlung oder höhere Renten auf die Straße zu gehen?

Es ist ein schmaler Grat. Wie es gerade aussieht, ist die staatliche Rente eine Verlustrechnung. Das Problem ist, dass es immer mehr Rentner werden und dadurch proportional weniger Menschen, die einzahlen. Es muss sich etwas ändern und natürlich sollten wir versuchen, darauf Einfluss zu nehmen. Ich persönlich gehe aber lieber auf Nummer sicher. Klar könnte auch der Steuersatz auf Aktiengewinne sich ändern. Wenn der nicht mehr 25 sondern 40 Prozent wäre, ginge meine Rechnung auch nicht mehr auf. Ich empfehle aber ohnehin eine Kombination aus gesetzlicher Rente und einer privaten Rentenversicherung. Der dritte Baustein ist Vermögensaufbau in Eigenregie mit Aktien oder ETFs. Dann ist man mit drei Säulen aufgestellt. Wenn eine Säule doch nicht kommt, zum Beispiel die gesetzliche, hat man trotzdem noch etwas in der Hinterhand.

Fordern Sie dennoch etwas von der Politik?

Ja. Das Ehegatten-Splitting sollte abgeschafft werden. Für viele Ehefrauen lohnt es sich nicht, arbeiten zu gehen, weil kein Geld dabei herauskommt. Woher das historisch kommt, ist schon klar, aber wir haben das Jahr 2020. Wenn ich Kanzlerin wäre, würde ich da als erstes anpacken.

Interview: Friederike Meier