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Aquaponik: Neue Wege in der Nahrungsproduktion

  • VonDiana Unkart
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Die FR beantwortet Fragen zur kommerziellen Nutzung von Aquaponik

Wenn es um die Nahrungsmittelproduktion der Zukunft geht, ist Aquaponik ein Schlagwort. Was ist darunter zu verstehen?

Aquaponikanlagen verbinden unter einem Dach und durch einen gemeinsamen Wasser- und Nährstoffkreislauf Fischzucht – also Aquakultur – mit Pflanzenzucht in erdlosen Substraten oder ganz ohne Substrate (Hydroponik). Aquaponik ist ein Mix aus beiden Begriffen. Die Systeme ergänzen sich. Das Wasser aus der Aquakultur enthält das von den Fischen ausgeschiedene Ammonium. Das wird gefiltert und mit Hilfe von Bakterien in Nitrat, eine Stickstoffverbindung, umgewandelt. Auf diese Weise kann das Abwasser aus der Fischzucht zur Düngung von Pflanzen genutzt werden, und die Pflanzen reinigen durch die Stickstoffaufnahme das Wasser für die Fische.

Wie viele Anlagen gibt es in Deutschland?

Die kommerzielle Nutzung steht noch am Anfang. Nach Angaben des Bundesverbands Aquaponik gibt es in Deutschland drei Unternehmen, die Anlagen betreiben: ECF Farmsystems und Topfarmers in Berlin und die Fischerei Müritz-Plau in Waren. Die Anlage in Wiesbaden wird von ECF Farmsystems gebaut und von einer Tochterfirma betrieben. Es ist die erste kommerzielle Anlage in Hessen.

Welche Potenziale hat die Aquaponik?

Aquaponikanlagen beanspruchen keine landwirtschaftlichen Nutzflächen. Die Produktion ist nachhaltig, ressourcenschonend und nah am Konsumenten. Nach Angaben des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft ermöglichen Aquaponikfarmen eine Lebensmittelproduktion mit einem um 50 bis 90 Prozent verringerten Wasserverbrauch. Außerdem kann an vielen Standorten unabhängig vom Klima produziert werden. Es werden keine Medikamente und keine Pestizide eingesetzt. Nach Informationen von bioökonomie.de, einer Initiative des Bundesforschungsministeriums, forschen derzeit mehr als 30 Institutionen in dem Bereich. Fachleute sehen das Potenzial, bestimmte Lebensmittel künftig klimafreundlicher und nachhaltiger produzieren zu können.

Welche Herausforderungen sind mit dem Betrieb verbunden?

Um eine größere Anlage betreiben zu können, sei eine entsprechende technische Umsetzung und geschultes Personal notwendig, sagt Mandy Schreck vom Bundesverband Aquaponik. Personal sei allerdings schwer zu finden, weil das Thema an Hochschulen bislang nur eine untergeordnete Rolle spiele. Solche Systeme seien hochkomplex. Ein weiterer Aspekt ist der Tierschutz. Mit moderner Technik und geschultem Personal lasse sich die Zucht tierschutzkonform betreiben, sagt die Expertin.

Welche Pflanzen und Tiere können gezüchtet werden?

Eigentlich könne in solchen Anlagen vieles gezüchtet werden, sagt Mandy Schreck. Gut seien Pflanzen geeignet, die einen hohen Nährstoffbedarf hätten: Tomaten zum Beispiel oder Paprika. Bei Fischen empfehle es sich, auf schnell wachsende, robuste Arten zu setzen. Beliebter Farmfisch ist der Buntbarsch.

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