Frische auf dem Tisch: Gemüse lässt sich auch zu Hause anbauen
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Frische auf dem Tisch: Gemüse lässt sich auch zu Hause anbauen

Urgrow

Leipziger Allerlei

  • Paul Siethoff
    vonPaul Siethoff
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Saftige Tomaten im Frühjahr, frische Erdbeeren im Winter: Mit speziellen Pflanzkästen will das sächsische Start-up Urgrow den Trend zum Urban Gardening bedienen - damit Gemüse oder Kräuter in der eigenen Wohnung wachsen.

Egal ob auf den Dächern von Metropolen wie Paris und Berlin, in ausgewählten Supermärkten oder im eigenen Apartment – das Urban Farming boomt. Auch wegen des immer knapper werdenden Wohnraums und des Mangels an Grünflächen wird das Gärtnern in der Großstadt immer populärer. Während Projekte wie in Paris darauf abzielen, tonnenweise Obst und Gemüse herzustellen, gibt es auch Privathaushalte, die allein oder im Kollektiv Urban Gardening betreiben.

Das Ziel des beliebten Großstadtgärtnerns: selbst frisches Gemüse anbauen und sich so den Gang zum Supermarkt ersparen. Moderne Subsistenzwirtschaft sozusagen. Auch das junge Unternehmen Urgrow aus Sachsen hat erkannt, dass es derzeit einen Trend zum Selbstversorgen gibt. Während Konkurrenten wie Infarm dabei allerdings Lösungen für kommerzielle Partner wie Supermärkte und Restaurants anbieten, konzentriert sich Urgrow ganz auf den Privathaushalt.

Die Wurzeln der Pflanzen hängen bei Urgrow in einer Nährstofflösung

Das Leipziger Start-up produziert smarte Pflanzkästen für zu Hause. Dabei setzt Urgrow auf eine sogenannte Hydroponik – ein System, das häufig im Urban Farming zum Einsatz kommt. Mit der klassischen Gärtnerei hat das nicht mehr viel zu tun, denn die Pflanzen wachsen nicht auf einem Boden aus Erde, sondern in einem speziellen Substrat.

Dieses Substrat besteht je nach System aus Kokosfasern, Torfmoos oder auch Steinwolle. Die zweite Besonderheit dieser Hydroponik ergibt sich daraus, dass die Wurzeln der Pflanzen in einer Nährstofflösung hängen, aus der die Gewächse jene Mineralien ziehen, die sie zum Wachsen und Gedeihen brauchen. Urgrow bietet ein solches System für Stadtbewohnerinnen und -bewohner an. Das Prinzip dabei heißt „Plug & Play“, also einmal einstecken und los kann das Gärtnern gehen.

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PROJEKT: Die Frankfurter Rundschau gibt Kreativrebellinnen, Ideen-Vulkanen und Fortschrittmachern eine Stimme - mit „Zukunft hat eine Stimme“. Ideen können vorgestellt werden unter www.fr.de/meinezukunft

WAS TUN: Neben der Finanzierung durch Investorinnen und Investoren sammelt Urgrow auch Geld auf der Crowdfunding-Plattform Startnext. Dort läuft noch bis Mai eine Kampagne, bei der Interessierte das Start-up finanziell unterstützen und sich damit erste Produkte sichern können.

WEITERLESEN: Viele weitere Informationen zum Unternehmen und den Unterstützungsmöglichkeiten gibt es unter www.startnext.com/urgrow

Bedient wird das System per App, die etwa Bescheid gibt, wann gegossen werden muss, wie es den Pflanzen geht oder welche von ihnen gerade Pflege brauchen. „Jedem Verbraucher den Anbau und die schonende Ernte von hochwertigen Lebensmitteln zu ermöglichen, und zwar bequem, nachhaltig und biologisch“ – so formuliert der 29-jährige Co-Gründer Pascal Wolf das Ziel seines Start-ups.

2016 hatte er die Idee gemeinsam mit seiner Ehefrau Lisa. Eine Lösung zu finden, wie Stadtbewohnerinnen und -bewohner trotz Platzmangels frisches Gemüse und Kräuter anbauen können, das sei der Impuls gewesen. Ein Vorteil ihrer Technik: Das Kultivieren der Lebensmittel funktioniert zu jeder Jahreszeit, eine LED-Leuchte sorgt dafür, dass theoretisch auch im Winter frische Erdbeeren geerntet werden können.

Die Idee zum Unternehmen hatte Pascal Wolf gemeinsam mit seiner Ehefrau Lisa.

Ganz allein ist das Start-up auf dem Hydroponik-Markt allerdings nicht. Auch große Unternehmen wie etwa Bosch oder der Gartenartikel-Hersteller Emsa bieten ähnliche Produkte an. Geworben wird stets mit Nachhaltigkeit, schließlich sollen hierbei lange Transportwege, Verpackungsmüll und Wasserverschwendung vermieden werden.

Bereits nach fünf Wochen sollen die Pflanzen erntereif sein, verspricht Urgrow

Gerade im Punkt Nachhaltigkeit sieht Wolf aber einen Unterschied zur Konkurrenz. Urgrow setze auf biologisch abbaubare oder zumindest recyclebare, chemiefreie Komponenten. Zudem würden bei anderen Anbietern häufig nicht nachhaltige Nährböden verwendet. Das ist bei Urgrow nicht der Fall, das Start-up setzt auf die Eigenentwicklung Bright Soil.

Aus eben diesem Nährboden bestehen die biologischen Saatkegel, die Urgrow bei der ersten Bestellung mitliefert und die, wenn aufgebracht, bei dem Start-up nachgekauft werden können. Zur Auswahl stehen dabei elf verschiedene Sorten, zum Beispiel unterschiedlicher Kräuter, Salate, Tomaten und Erdbeeren, die spätestens nach fünf Wochen erntereif sein sollen.

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Mit dem großen Sortiment im Supermarkt kann Urgrow allerdings noch nicht mithalten, bisher kann man das Hydroponik-System also eher als Zusatz zum Wocheneinkauf sehen. Dafür ist die Größe des Indoor-Gemüsebeets aber auch recht überschaubar, das Gestell findet durchaus auf einer Kommode oder auf einem Tisch Platz. Preislich ist das Hydroponik-System dafür eher im gehobenen Segment zu verorten, Urgrow verlangt dafür rund 250 Euro.

Dass das junge Unternehmen Potenzial hat, glauben auch Investorinnen und Investoren – laut Wolf hat Urgrow einen mittleren sechsstelligen Betrag von drei „Business Angels“ und einem institutionellen Fond eingesammelt. In Produktion gehen will das Unternehmen ab Mai dieses Jahres. Und auch neue Produktentwicklungen stehen an: Das Start-up will seine Technologie weiterentwickeln, um sie zum Beispiel auch auf Büroflächen einsetzen zu können.