Kolbenglut-Gründer Dominik Seywald
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„Bei uns ist das besondere, dass alles in einem Betrieb passiert und aus der Region kommt“, sagt Kolbenglut-Gründer Dominik Seywald.

Kolbenglut

Alternatives Grillen: Feuer mit Kohle aus Mais

  • Friederike Meier
    vonFriederike Meier
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Ein Barbecue ohne schlechtes Gewissen – Dominik Seywald weiß, wie das geht. Der Landwirt bietet Maisspindeln als Alternative zur herkömmlichen Grillkohle an.

„Kohle nur noch zum Grillen“ – das ist ein beliebter Schlachtruf von Klimaaktivistinnen und Klimaaktivisten, die dagegen protestieren, dass Braun- und Steinkohle zur Energiegewinnung verbrannt wird. Doch leider ist auch Holzkohle ökologisch nicht ganz unbedenklich.

Denn das Holz, aus dem die Kohle gemacht wird, kommt häufig aus den Tropen. Die Umweltschutzorganisation WWF hat bei einer Analyse verschiedener Holzkohlen aus Baumärkten und Supermärkten bei 40 Prozent der Anbieter Tropenholz gefunden.

Eine Alternative für alle, die keine Holzkohle verwenden wollen, bietet Dominik Seywald an: Maisspindeln. Unter dem Namen „Kolbenglut“ verkauft der Landwirt aus Bad Krozingen bei Freiburg getrocknete Spindeln, also Maiskolben ohne Körner.

Die Kolbenglut-Gründer verkaufen palettenweise Grillkohle-Alternativen pro Saon

Seinen Mais baut der 30-jährige normalerweise für die Industrie, etwa für die Herstellung von Maisstärke, und für die Herstellung von Saatgut an. „Früher sind die Spindeln gemeinsam mit dem Maisstroh als Humus auf dem Acker gelandet“, sagt er. Gemeinsam mit seinem Kollegen Alexander Spahr, der im Nachbarort ebenfalls eine Landwirtschaft betreibt, kam er Ende 2018 auf die Idee mit der Grillkohle.

Gemeinsam mit Urs Beckmann und Mario Ventucci gründete Seywald Kolbenglut, im Jahr 2019 zur Grillsaison gab es die ersten Säcke mit den getrockneten Maisspindeln zu kaufen. „Das Schöne an Kolbenglut ist, dass man nach fünf bis zehn Minuten schon grillen kann“, sagt Seywald. Die Glut halte zwar nicht so lange vor, wie bei Holzkohle, für ein Familiengrillen aber reiche das durchaus.

Allerdings ist die Handhabung ein bisschen anders, wie das Unternehmen Kolbenglut auf seiner Webseite erklärt. Zum Beispiel werden Flüssig-Grillanzünder statt Anzündkamin empfohlen. Inzwischen verkaufen Seywald und seine Kollegen mehrere dutzend Paletten ihrer Grillkohlen-Alternative pro Jahr.

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WAS TUN: Grillen macht auch im Spätsommer und an milden Herbsttagen noch Spaß. Wer nicht auf die umweltfreundlichste Variante, den mit Ökostrom betriebenen Elektrogrill, umsteigen will, findet mittlerweile viele Alternativen zur schädlichen Holzkohle. Die Firma Oliobric etwa bietet Briketts aus Olivenkernen an. Unter dem Namen Cocos Grillketts wird ein Kohle-Ersatz aus Kokosnussschalen angeboten, die Firma Rebenglut wiederum will das Grillen mit getrockneten alten Weinstöcken ermöglichen. Die Alternativen variieren allerdings stark in ihrer Qualität – vor dem Kauf lohnt sich ein Blick auf Erfahrungsberichte und Vergleiche im Internet!

WEITERLESEN: Holzkohle-Alternativen haben zum Beispiel die ökologische Verbraucherseite utopia.de oder die Ratgeberseite oekotest.de verglichen. Die Artikel finden Sie auf den Webseiten jeweils unter dem Suchbegriff „Grillkohle“. FR

Kolbenglut gibt es bei Edeka Südwest, in Baumärkten und bei Tankstellen. Ein Sack mit drei Kilo Maiskolben kostet im Online-Shop 4,89, der Preis ähnelt jenem von herkömmlicher Grillkohle in vielen Baumärkten.

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Bei der Herstellung des Kohle-Ersatzes kommt Seywald zugute, dass er für die Verwendung der Maiskörner in der Industrie und für Saatgut ohnehin nur die Maiskolben statt wie sonst üblich der ganzen Pflanze erntet.

Um aus den Ernteresten Grillkohle zu machen, werden die Maisspindeln im Winter getrocknet und dann ohne weitere Bearbeitung abgepackt. „Insgesamt ist das eher eine Nischennutzung“, sagt Seywald. Er betont, dass Kolbenglut nicht die ersten waren, die auf die Idee mit dem Mais zum Grillen kamen. Die Firma „Grillmais“ etwa importiert schon seit einigen Jahren Maisspindeln aus Südeuropa. „Bei uns ist das besondere, dass alles in einem Betrieb passiert und aus der Region kommt“, sagt Seywald.

Reststoffe statt Tropenholz: Als Massenprodukt eignet sich Kolbenglut aber nicht

Indra Enterlein, Ressourcen-Expertin beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu), findet es grundsätzlich gut, Alternativen zur Holzkohle zu finden, eben um kein Tropenholz zu verbrennen. „Es ist auch gut, dafür Reststoffe zu verwenden“, sagt sie. Auch wenn Kolbenglut eher eine Nische besetzt, sei das ein Anfang. „Wenn das regional verkauft wird, kann das der Umwelt zugutekommen.“

Nicht sinnvoll würde Enterlein diese Art des Grillkohle-Ersatzes finden, wenn sie in Massenprodukt entstünde. Ohnehin müsse es verschiedene Nischen nebeneinander geben. So gibt es zum Beispiel Grillbriketts aus Resten der Olivenölherstellung vom Anbieter Oliobrics, die der Nabu ebenfalls empfiehlt. „Aber auch diese Olivenkernreste sind nicht tauglich für den Massenmarkt“, sagt Enterlein.

Am Besten für die Umwelt sei letztlich ein Elektrogrill, der mit Ökostrom betrieben wird. „Ein Großteil der CO2-Emissionen, die durch Grillen entstehen, kommen aber sowieso nicht beim Grillen an sich, sondern bei der Herstellung des Grillguts“, sagt die Nabu-Expertin.

Sie empfiehlt, den Fleischkonsum zu reduzieren, wenn überhaupt dann Biofleisch zu grillen, oder auch mal nur Gemüse auf den Rost zu legen. Eine leckere Alternative zu Grillfleisch könnten dabei auch Maiskolben sein.