Die Wiesbadener Omas gegen Rechts: Beate Booß, Monika Michaely, Irene Fromberger (v.l.).
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Die Wiesbadener Omas gegen Rechts: Beate Booß, Monika Michaely, Irene Fromberger (v.l.).

Politisches Engagement

Wiesbaden: „Omas gegen Rechts“ gehen mit dem Alterbonus auf Demos

  • Madeleine Reckmann
    VonMadeleine Reckmann
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Die „Omas gegen Rechts“ in Wiesbaden gehen auf die Straße, um der jüngeren Generation ein Leben in Freiheit zu sichern. Ihr Alter begreifen sie als Stärke, nicht als Schwäche.

Monika Michaely bringt gerne einen Teppichklopfer auf die Demonstrationen mit. „Das passt gut zu einer Oma“, sagt sie. Anfangs habe sie Probleme mit dem Begriff Oma gehabt. Jetzt nehmen sich die Omas gerne selbst auf die Schippe.

Michaely, 56, gehört mit Irene Fromberger, 65, und Beate Booß, 67, zum Wiesbadener Organisationsteam der „Omas gegen Rechts“. Ihre politische Haltung für den Erhalt der Zivilgesellschaft und die Demokratie hat die drei Frauen zusammengeführt. Großmutter zu sein ist dagegen keine Voraussetzung. „Wir sind Omas im Geiste“, sagt Fromberger. Es dürften auch Opas mitmachen. Für die gebe es sogar einen eigenen Button: „Oma schickt mich“ steht darauf. Das Miteinander ist also heiter bei den „Omas“.

Freiheit der Jugend sichern

In der Sache sind sie ernst. Es gehe um „Enkelschutz“ im übertragenen Sinne, für eine Gesellschaft, die der jungen Generation eine Zukunft in Freiheit sichern soll. „Wir sind gegen das Wiedererstarken der rechten Kräfte. Wir wollen es anders machen als unsere Großeltern“, sagt Booß, die früher Politik studierte und Programmdirektorin einer privaten Hochschule war. Michaely arbeitete als Sekretärin in der Privatwirtschaft. Fromberger führte ihr eigenes Geschäft mit Innenausstattung, Mode und Accessoires. Jetzt entwerfen die drei Flugblätter und Pressetexte und organisieren Zoom-Konferenzen und Demonstrationen. „Ich habe mir immer vorgenommen, das zu tun, was ich für richtig und wichtig halte“, erzählt Booß, die von sich sagt, sie sei in ihrer Jugend von den Nach-68ern und Willy Brandt geprägt worden. Die Omas engagieren sich auch für die Rettung von Flüchtlingen und laufen bei den „Fridays for Future“ mit.

Die erste Gruppe der Omas gegen Rechts hat sich 2017 in Wien gegründet. Die ersten Omas in Deutschland kamen Anfang 2018 auf. Der Zentralrat der Juden verlieh 2020 der bundesweiten Initiative den Paul-Spiegel-Preis für Zivilcourage. Die Wiesbadener Gruppe rief Fromberger Ende 2019 ins Leben. Inzwischen zählen über 50 Personen aus der Landeshauptstadt und dem Rheingau zu der Initiative. „Lebenserfahrung ist unser großes Plus“, sagt Fromberger. Auf Demonstrationen seien sie viel gelassener als die Jungen und ließen sich von Rechten nicht mehr provozieren.

Geleitschutz der Polizei

Auch im Umgang mit der Polizei profitierten sie vom Altersbonus. „Die Polizei weiß, dass von uns keine Aggression ausgeht“, berichtet Fromberger, „wir stellen das System ja nicht in Frage“. Die Polizei passe sogar auf die Omas auf. Bei einer der Querdenker-Demos in Wiesbaden hätten sie von den Beamten Geleitschutz erhalten, als es brenzlig wurde. Zudem trage ihre Anwesenheit zur Deeskalierung bei. Wenn es zwischen rechten und linken, vornehmlich jüngeren Aktivisten Stress gebe, würden sie schon mal zum Schlichten gerufen, berichtet Fromberger, „da haben wir eine gluckende Rolle“. Wie gute Omas eben sind.